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Alle gehen hin

Hallo Manfred Schuster,
wahrscheinlich werden Sie sich über diese Mail wundern.

Ich, Clara Mayer, bin 18 Jahre alt, komme aus Berlin und mache bei „Fridays for Future“ mit.

Bei meinem ersten Streik fürs Klima waren wir nur ein paar Hundert Leute, kaum jemand hat uns beachtet. Aber beim letzten großen Aktionstag waren wir 300.000 Menschen deutschlandweit. In Berlin war es so voll, überall Leute. Es war krass! Aber es ist auch frustrierend. Denn wir streiken jetzt seit einem halben Jahr. Und die Bundesregierung tut nichts. Sie redet nur. Wir Jugendlichen müssen weiter zuschauen, wie Erwachsene unsere Erde verheizen. Und unsere Zukunft.
Wenn die Regierung auf uns alleine nicht hört, dann müssen jetzt auch die anderen Generationen dabei sein. Deswegen hat Greta Thunberg zum größten Streik der Erde aufgerufen. Am Freitag, den 20. September streiken wir weltweit – und diesmal brauchen wir auch Euch, die Erwachsenen! An diesem Tag entscheidet das Klimakabinett der Regierung über die neuen Klimagesetze.
Überall in Deutschland soll es Demos und Kundgebungen und Aktionen geben. 

Eigentlich war ich im Winter ja total mit meinem Abi beschäftigt. Aber Umweltschutz war mir eben immer wichtig. Ich habe zum Beispiel versucht, plastikfrei zu leben. Dabei habe ich gedacht: Ich müsste doch noch mehr tun können. Die Klimakrise bewältigen wir nicht, indem wir nur anders einkaufen. Wir müssen das Problem politisch lösen! Als ich eine Einladung zu einem Treffen von Fridays for Future gesehen habe, bin ich direkt hin. Mittlerweile engagiere ich mich jeden Tag mehrere Stunden: Ich bin im Presseteam unserer Ortsgruppe und helfe beim Instagram-Account mit.
Jetzt planen wir alle schon für den 20. September. Wir haben ja schon mehrere große Streiks gemacht. Aber dieses Mal ist es auch für uns anders. Dieses Mal muss die Regierung sehen, dass nicht nur die Jugendlichen demonstrieren – sondern alle! Ich bin sicher, dass das unsere große Chance ist. Nur, wenn wir alle gemeinsam aufstehen, können wir die Bundesregierung zwingen, endlich wirklich was gegen die Klimakrise zu tun.
Bis jetzt reden sie einfach nur: Die Regierung hat zwar ein „Klimakabinett“ gegründet – aber da haben sie die Entscheidungen immer wieder verschoben. Am 20. September soll es endlich soweit sein. Dann entscheiden sie im Klimakabinett über das Klimaschutzgesetz. Kurz darauf treffen sich in New York die Staats- und Regierungschefs beim UN-Klimagipfel.                                                                                                       Genau dann wollen wir ihnen mit Hunderttausenden Menschen zeigen: Hört auf zu reden – handelt endlich!

Viele Grüße
Ihre Clara Mayer

PS: Ich weiß nicht, was für Sie das Leben schön macht. Vielleicht ist es Ihr Garten, oder es sind Ausflüge in die Natur oder Ihre Familie. Für mich ist das nicht selbstverständlich. Ich muss annehmen, solche ungetrübten Ausflüge ins Grüne im Alter nicht mehr zu erleben. Und es ist nicht einmal meine größte Sorge.                                                                Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände: Meine Generation hat Angst. Deswegen handeln wir jetzt – bitte lassen Sie uns damit nicht allein.

Sondergipfel Klima jetzt

Die Sommerbilanz ist erschreckend: Hitzewellen mit immer neuen Höchstwerten, Dürre und Waldbrände von Frankreich bis Polen. [1] Selbst die Arktis brennt. [2] Wenn nicht gehandelt wird, werden solche Extreme bald normal sein, warnt die Wissenschaft.

Doch die Staats- und Regierungschef zögern immer noch. Sie müssen den Notstand endlich als Notstand begreifen. [3]
Nächsten Monat treffen sich die Spitzen der Welt in New York. Sie sollen ehrgeizige Zusagen machen und mehr gegen die Klimakrise tun. Und wer hinkt hinterher? Die Europäische Union – sie will mit leeren Händen auftreten! [4] Das wäre ein massiver Rückschlag, der  unbedingt verhindert werden muss.

Der UN-Generalsekretär hat sich in einem Schreiben an die EU gewandt. Er fordert Europa dringend auf, beim Klimaschutz Führungsstärke zu zeigen. [5]

Wir, WeMoveEU, wollen seinen Aufruf aufnehmen und verstärken. Wir fordern von unseren Staats- und Regierungschefs, dass sie aus dem Urlaub kommen und einen europäischen Notfall-Klimagipfel abhalten und wir bitten alle, diese Forderung* zu unterstützen.

Ja, die Arktis brennt. Nicht nur in Sibirien, auch in Alaska. [6] Und nein, das ist leider kein schlechter Science-Fiction-Film über weltweite Naturkatastrophen. Das ist unsere Wirklichkeit. Und wir wissen alle, dass es noch schlimmer wird, wenn sich nicht bald etwas grundlegend ändert.
Die Welt blickt nach Europa, auch weil von anderen kaum Hoffnung zu erwarten ist: Trump hat das Pariser Klimaabkommen gekündigt, und Brasiliens Präsident Bolsonaro legt die Kettensäge an den Amazonas-Regenwald. Nur die EU kann derzeit die Rolle des Klima-Vorreiters übernehmen und so Druck auf die anderen ausüben. [7] [8]
Und dafür gibt es begründete Hoffnung. Letzten Monat hat Finnland die Präsidentschaft der EU übernommen. Die finnische Regierung ist entschlossen, Klimaschutz zum Markenzeichen ihrer Amtszeit zu machen. Das Land selbst will bis 2035 klimaneutral werden und der finnische Premierminister will auch “die EU zu einem Klimahelden machen”. [9] Nach der Europawahl sind Hunderte neue Abgeordnete ins Parlament eingezogen, darunter auch viele ausgesprochen “grüne“ Politiker. Das eröffnet Chancen für ernsthafte Klimaschutzmaßnahmen.

Deshalb: Für einen Gipfel in Europa müssen die Spitzen der EU aus dem Urlaub und an die Arbeit.

Wir erwarten einen Herbst mit vielen Aktionen. Bürgerinnen und Bürger gehen überall auf der Welt auf die Straße. Staats- und Regierungschefs müssen zeigen, dass sie verstanden haben.

Mit Entschlossenheit,
Jörg Rohwedder (Lübeck)
Virginia López Calvo (Madrid)
Marta Tycner (Warschau)
Giulio Carini (Rom)
Fatima Ibrahim (London)
Alexandre Naulot (Marseille)
für das gesamte WeMove.EU-Team

Referenzen:
[1] https://www.bbc.co.uk/news/world-europe-48756480
[2] https://www.independent.co.uk/environment/arctic-circle-wildfires-climate-change-greenland-alaska-siberia-photographs-a9015851.html
[3] https://www.independent.co.uk/weather/heatwave-temperature-record-high-climate-change-a9021381.html
[4] https://www.politico.eu/article/eu-leaders-fail-to-commit-to-climate-neutrality-by-2050/
[5] https://www.climatechangenews.com/2019/07/22/guterres-asks-countries-plan-carbon-neutrality-2050/
[6] https://www.sueddeutsche.de/wissen/erderwaermung-die-arktis-brennt-1.4522252
[7] https://www.theatlantic.com/politics/archive/2019/01/trump-withdraws-paris-agreement/579733/
[8] https://www.theguardian.com/world/2019/aug/09/bolsonaro-blessed-brutal-assault-rainforest-sacked-scientist-warns
[9] https://www.climatechangenews.com/2019/07/01/finland-puts-climate-target-top-eu-leadership-agenda/

*WeMove.EU ist eine Bürgerbewegung, die sich für ein besseres Europa einsetzt; für eine Europäische Union, die sich sozialer Gerechtigkeit verpflichtet fühlt; die für ökologische Nachhaltigkeit und bürgernahe Demokratie steht. Wir sind Menschen unterschiedlicher Lebensläufe, Kulturen und Religionen, die Europa ihr Zuhause nennen – egal, ob wir in Europa geboren wurden oder anderswo.

 

 

Glygirl Julia mag’s kompliziert

In Deutschland soll ein Label eingeführt werden, das die Wahl gesunder Lebensmittel erleichtern soll.

Welche Kennzeichnung ist klarer?

Die in Frankreich entwickelte „Ampel“ mit dem Namen NUTRI-SCORE  .  .  .

.  .  .  .  oder ein von Glygirl Julia priorisiertes Label in Form eines Fächers mit Feldern in verschiedenen Grüntönen, auf denen Sterne in Schwarz und Weiß gezeichnet sind und daneben mehrere Zahlenwerte stehen?

Trotz naheliegender Antwort wurden außenstehende Gutachter beauftragt, zu beiden Labels die Verbraucher zu befragen. Mehrere medizinische Fachgesellschaften und Verbraucherorganisationen starteten repräsentative Umfragen.  Darunter waren unter anderen auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Alle wollten wissen: Kommen die Verbraucher eher mit der Ampel -dem in Frankreich entwickelte „Nutri-Score“ – zurecht oder soll es das grünliche Label sein, das im Auftrag des Bundesernährungsministeriums entwickelt wurde und den Namen „Wegweiser Ernährung“ trägt?

Mehr als drei Viertel der 1000 Befragten hielten den Nutri-Score für schnell erfassbar und leicht verständlich.  Den neu entwickelten „Wegweiser Ernährung“ fand dagegen nicht einmal jeder Zehnte leicht verständlich; 65 Prozent nennen ihn kompliziert, 60 Prozent verwirrend. Nimmt man alle Umfrageergebnisse zusammen, sprachen sich 70 Prozent für den Nutri-Score und lediglich 25 Prozent für den „Wegweiser“ aus.

Das ist in etwa das, was auch die Forschung sagt. Kein Label ist perfekt, die Siegel müssen zwangsläufig vereinfachen und werden der Komplexität der Ernährung nicht in jedem Fall gerecht. Doch ihr Zweck ist ja gerade, einfache Orientierung zu bieten – auch im Stress, auch für Kinder, alte Menschen und jene, die die Sprache nur schlecht beherrschen.

Verwunderlich ist eher, dass es überhaupt noch Umfragen braucht. Das bundeseigene Max-Rubner-Institut (MRI) für Ernährungsforschung hatte im Auftrag des Ernährungsministeriums bereits die 13 weltweit gebräuchlichsten Label untersucht. Am besten schnitten ein in Australien gebräuchliches Muster sowie der Nutri-Score ab.
Dennoch beauftragte Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) das MRI, ein ganz neues Kennzeichnungssystem zu entwerfen. Heraus kam jener „Wegweiser Ernährung“ in der Farbe, die das MRI „Petrol“ nennt und deswegen gut findet, weil sie „nicht als Störfaktor“ wahrgenommen werde, keine Wertung vorgebe und eine „positive Anmutung“ habe.

Das bedeutet letztlich:

Die Verpackung sieht auch dann noch positiv aus, wenn ihr Inhalt nicht wirklich zu empfehlen ist.

Wer nun denkt, dass diese Posse zu Ende ist, hat sich getäuscht.

Trotz der o.a. Umfrageergebnisse kündigte Julia Klöckner an, dass die Verbraucher das Label für Deutschland wählen sollen. Damit meint sie 1600 Bundesbürger, deren Meinungen das Ernährungsministerium in einer eigenen Umfrage einholen lässt. Diese Menschen sollen sich zwischen dem Nutri-Score, dem „Wegweiser“ und seltsamerweise noch zwei weiteren Labeln entscheiden, die in der vorangegangenen MRI-Analyse eher schlecht abgeschnitten hatten.

Das Votum soll dann im September vorgestellt werden. Klöckner hatte versprochen, dass es den Ausschlag geben werde.

Doch egal, welches Label es wird, ein Manko steht schon jetzt fest: Nach EU-Recht sind Hersteller nicht verpflichtet, das Label auf ihr Produkt zu drucken.

Alarmstufe rot für unsere Art der Landnutzung

IPCC-Sonderbericht warnt vor katastrophalen Folgen

Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, sondern weiterhin Wälder und Moore zerstören sowie Landflächen in diesem Ausmaß und nicht nachhaltig nutzen, ist die Klima- und Biodiversitätskrise nicht mehr beherrschbar.


Trockenrisse im Boden – Foto: Helge May

Der Weltklimarat ruft die Alarmstufe Rot für unsere Landnutzung aus. In dem heute vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) veröffentlichten Sonderbericht zur Nutzung von Landflächen warnen die Wissenschaftler*innen des IPCC eindringlich vor den Folgen der weltweit enormen, nicht nachhaltigen Landnutzung. Im Moment rode die Menschheit Wälder und betreibe Landwirtschaft in einem Ausmaß, das die Erderhitzung rasant beschleunige und zum Auslöschen von Tier- und Pflanzenarten führe. Werde nicht umgehend gegengesteuert, sei die Klima- und die Biodiversitätskrise nicht mehr beherrschbar, so die Forscher*innen.

„Nicht nur der weltweite Öl-, Gas- und Kohleverbrauch heizen das Klima an, sondern auch die viel zu intensive Nutzung unserer Landflächen. Der Weltklimarat macht unmissverständlich klar, dass jetzt sofort gehandelt werden muss. Land muss ökologisch bewirtschaftet, alte Wälder und Moore erhalten und der Fleisch- und Milchkonsum drastisch gesenkt werden“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller

Die derzeitige Landwirtschaft ist für ein Viertel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, und die Emissionen steigen immer weiter. Ursachen dafür sind die sich intensivierende Landnutzung und Landzerstörung, die hohen Tierdichten in vielen Regionen der Welt und der massive Einsatz von Dünger. Die Nutzung von Stickstoff zur Steigerung der Erträge hat sich in den letzten fünfzig Jahren verneunfacht, obwohl die landwirtschaftliche Produktion sich nur verdoppelt bis verdreifacht hat. In den letzten fünfzig Jahren hat die Pro-Kopf-Produktion von Kalorien sowie die Menge der Lebensmittelabfälle um mehr als 30 Prozent zugenommen.

Wird weiter so mit unseren Ressourcen umgegangen, verlieren wir weitere wertvolle Lebensräume und wichtige Treibhausgas-Senken wie Moore, natürliche Wäldern oder Wiesen. Die Forscher*innen des IPCC haben berechnet, dass die zukünftigen Kosten eines heutigen Nichts-Tuns die Kosten um ein Vielfaches überschreiten werden, die heute zur Förderung einer nachhaltigen Landnutzung notwendig sind. Besonders die Wiedervernässung von Mooren ist volkswirtschaftlich eine günstige Möglichkeit, Klimagase zu reduzieren.

Jeder Euro, der heute in eine nachhaltige Landnutzung fließt, bringt einen zukünftigen Gewinn von bis zu sechs Euro. Es ist absurd, dass die EU mit tatkräftiger Unterstützung von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner nun 58 Milliarden Euro pro Jahr an Subventionen gerade in klima- und naturschädliche industrielle Agrarbetriebe fließen lassen will. Es darf künftig kein Cent an Steuergeldern mehr in ein derart schädliches Agrarsystem fließen. Ministerin Klöckner muss den Alarmruf des Weltklimarats ernst nehmen und sich ab sofort dafür einsetzen, dass alle Zahlungen an Agrarbetriebe an klima- und naturschonende Leistungen gekoppelt werden.

Quelle: NABU

Greenwashing

Artenschutz aus der Samentüte? BUND kritisiert Aussagen zu Blühflächen

“In den letzten Monaten propagieren immer mehr Landwirte und andere Personen Blühflächen als Mittel gegen das Insektensterben und als Maßnahme zur Förderung der Artenvielfalt. Der BUND möchte klarstellen, dass diese Aussagen unzutreffend sind.” So Manfred Radtke, Vorsitzender des BUND Rotenburg.
Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass sich Menschen darum bemühen, unsere Landschaft bunter zu machen. Monotone Maisflächen beleben nicht gerade das Landschaftsbild. Das eingesetzte Saatgut wie z. B. die Verdener Imkermischung ist allerdings kein Mittel zur Förderung der biologischen Vielfalt. Diese Mischung ist, wie der Name schon sagt, auf Honigbienen zugeschnitten. Honigbienen sind aber keine Wildtiere mehr, sondern vom Menschen züchterisch veränderte Nutztiere. Von einer Gefährdung kann keine Rede sein. Es gibt erfreulicherweise immer mehr Imker, die sich um diese Tiere kümmern.
Radtke: “Ganz anders sieht das bei vielen Insekten aus, speziell bei Wildbienen. Sie sind für die Bestäubung ungemein wichtig. Natürlich finden sich auf Blühflächen einige Allerwelts-Wildbienen wie Acker-, Garten- oder Steinhummeln ein. Den tatsächlich gefährdeten Wildbienen, das sind die allermeisten der in Niedersachsen vorkommenden 360 Arten, bringen die verwendeten Blühmischungen praktisch nichts.”
Der dramatische Rückgang an Insekten ist nur aufzuhalten, wenn die verschwundenen Lebensräume wie Hecken und blühenden Wegraine wieder hergestellt werden. Die dort vorkommenden Arten wie Rainfarn, Schafgarbe, Weg-Malve, Wilde Möhre usw. sind Nahrungsgrundlage unserer heimischen Insekten. So hat das Bundesumweltministerium im Aktionsplan 2019 vorgesehen, Insektenlebensräume und Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft zu fördern. Mit blühenden Wegrainen würde man gleichzeitig die gesetzlich vorgeschriebene Biotopvernetzung erreichen. Übrigens darf auf Flächen in der freien Landschaft ab März 2020 nur noch regionaltypisches Saatgut verwendet werden.
Radtke: “Wildbienen sind standorttreu. Sie benötigen immer drei Dinge: Nahrungsangebot, Nistmöglichkeiten und Nistmaterial. Da ihr Flugradius nur wenige hundert Meter beträgt, machen Blühflächen, die zumeist jedes Jahr ihren Standort wechseln, schon aus diesem Grund keinen Sinn. Generell absurd ist es anzunehmen, mit einigen Kilogramm Saatgut von fremdländischen Arten aus dem Agrargroßhandel könne man etwas gegen das Insektensterben tun. Das ist naturschutzfachlicher Unsinn. Aktionismus und Scheinlösungen helfen der Natur nicht.”

Wer weitergehende Informationen haben möchte, kann sich gerne an den BUND Rotenburg wenden. bund.rotenburg@bund.net oder 04261/69 67

So ist’s richtig!

Es gibt sie noch! Die verantwortungsbewussten, politisch global denkenden Menschen. Sie wollen ein Zeichen setzen. Dabei denken sie an Meldungen wie

„Indonesien Plastikmüll wird zurückgeschickt

Indonesien will Plastikmüll an mehrere Industrieländer zurückschicken, darunter auch Deutschland. Auf der Insel Batam südlich von Singapur warten 49 Container auf eine Rücksendung in die USA, nach Australien, Frankreich und Deutschland sowie in die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Begründung: In dem Abfall hätten sich unter anderem giftige Stoffe befunden. Umweltschützer in Indonesien dringen auf strengere Einfuhrregeln für Plastikmüll.
© dpa – 04.07.2019″

Nicht nur Indonesien, auch Malaysia handelt:

Yeo Bee Yin, Umweltministerin von Malaysia (Bild oben), hat angeordnet, dass der illegal eingeführte Plastikmüll wieder an die Entsenderländer zurückgeschickt wird. Zusätzlich gibt es einen allgemeinen Einfuhr-Stopp. Andere Länder werden folgen.

Wie die Tabelle unten zeigt, gehören sechs europäische Länder zu den Top-Ten der größten Plastikmüll-Exporteure. Deutschland nimmt dabei einen „ruhmreichen“ dritten Platz ein.

Der Müll ist weg, und was in den Entwicklungsländern – denn da geht er ja hin – damit gemacht wird, hat danach keinen mehr interessiert. Es gab auch keine Plastikbänke aus recyceltem Plastikmüll made in Malaysia zu kaufen. Der meiste Müll landete und landet in den Ozeanen.

Was dann damit passiert . . . .

„Zu den’Nasenexperten‘ in der Vogelwelt zählen nicht zuletzt auch Seevögel.  .  .  .  . Es sind durchweg Hochseevögel, die nur zum Brüten an Land kommen.  .  .  .  .  Ihr Geruchssinn ist extrem gut entwickelt, sodass sie ihren Nistplatz und ihren Partner am Geruch erkennen können. Auch bei ihrer Nahrungssuche lassen sie sich von ihrer Nase leiten. Es ist der Duft von Dimethylsulfid, der den Vögeln signalisiert : Hier gibt es Futter! Es ist ein Duftstoff, der vom Plankton abgegeben wird. Viel Plankton bedeutet viele Krebse und Fische. Da jedoch auch Plastikmüll im Meer nach drei Wochen die gleichen geruchsintensiven Stoffe abgibt, geraten Seevögel immer häufiger in eine Duftfalle und fressen die Plastikabfälle. Viele Seevögel sterben daran. Jedes Jahr kommen acht Millionen Tonnen Plastik hinzu. Die von den Plastikteilen abgegebenen Duftreize sind sogar stärker als die vom Plankton. Es ist fatal: Seevögel werden geradezu verleitet, das Falsche zu fressen.  .  .  .  . „

Ernst Paul Dörfler, Nestwärme -Was wir von Vögeln lernen können, Carl Hanser Verlag, 2. Auflage 2019

Es gibt viel zu tun!

Da die Bundesregierung derzeit vollkommen überfordert ist, durch die vielen Baustellen es gerade einmal geschafft hat, eine fragwürdige Personal-Rochade hinzubekommen, müssen die Bürger zur Tat schreiten. Zumindest im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten. Und da Plastik in jedem Haushalt vorhanden ist, wird der Müll nicht mehr im Gelben Sack entsorgt, um dann wieder im Meer zu landen, sondern man „renaturiert“ ihn zuhause.

Um die Wohnung nicht komplett zuzuplastikieren, schafft man ihn weiter weg.

Platz ist genug in der Landschaft, Seevögel gibt es nicht – also, was ist schlimm daran?

Außerdem ist es ja auch BIO!