Letzte Woche im Kanzleramt

R   i   i   i   i   i   n   g (das Rote Telefon)  „Ach du bist´s Martin , ich dachte schon es wäre Wladi.“    “ . . . . . . . . . . . . . . .“  „Matze ist auch schon da, wir trinken gerade Tee.“  “ . . . . . . . . . . . . . . .“  „Nee, du musst dir keine Sorgen machen!“  “ . . . . . . . . . . . . . . . . .“  „Da bin ich voll auf eurer Seite!“  “ . . . . . . . . . . . . . .“  „Ja!Die freien Bürger haben auch schon angerufen.“  “ . . . . . . . . . .“  „Hi, hi, hi, das sehe ich auch so.“  “ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .“  „Nee, sehe ich anders; er hat zumindest damals mit dem Späth und dem Dürr das angeschoben, was wir heute Stuttgart 21 nennen.“   “ . . . . . . . . . . . . .“  „Nee, Flitzpiepe würde ich ihn nicht nennen.“  (Anmerkung der Red.: Der Angesprochene ist gerade außerhalb des Raumes, vielleicht auf der Toilette.)

„Nu sei aber mal still!“ “ . . . . . . .“  „Ich meine doch nicht dich, Martin. Jo hat nur gerade etwas von Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen gebrummelt.“ (Anmerkung der Red.: Ehemann Joachim Sauer sitzt in der Sofaecke über eine wissenschaftliche Studie gebeugt.)

Seibert tritt ein: „Was hast du denn morgen gesagt?“ „Gleich, ich hab hier gerade ein wichtiges Gespräch.“  „So, bin wieder da. Was wäre denn das Beste?“  “ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .“  „Das ist mir zu lang, dazu ist die Zeit zu kurz. Ich ruf morgen den Enda an, und sag ihm, dass er das Ganze aufschiebt. Schließlich haben wir schon einmal sein Land gerettet.“*         “ . . . . . . . . . . . . . . . . . . .“  “ Schön, dass dir das hilft Martin, sag das so auch den Anderen.“  „Danke Angie!“ (Das Letzte war zu hören, da die Bundeskanzlerin versehentlich den Knopf „Laut“ gedrückt hatte.) (MS)

* Zu dem Zeitpunkt wusste Angela Merkel noch nichts von dem Telefonat der irischen Banker.

Siehe auch 26.06. Verkehr und Klima,  12.05. Neue Spezies entdeckt: Schnecke „Klimangela merkelus“ und 06.07. Letzte Woche in Wolfsburg

Verkehr und Klima

Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass die von uns Menschen verursachten Treibhausgase maßgeblich für den rasant stattfindenden Klimawandel mit verantwortlich sind. Besonders problematisch ist das CO2 (Kohlendioxyd), das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Öl, Kohle, Gas, Torf) frei gesetzt wird.  Deshalb hatten sich die EU-Staaten 1990 im Kyoto-Protokoll verpflichtet, den Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen zu senken. Tatsächlich sind seit dieser Zeit die Zahlen aber gestiegen. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Verkehr, ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft nicht mit einbezogen wurde.

Den größten Anteil an den CO2-Emissionen hat dabei der Straßenverkehr, während die Zahlen bei Binnenschifffahrt und Schiene sogar rückläufig sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass trotz knapper werdender Ölvorräte und steigender Benzinpreise die Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Straße – vor allem im Güterverkehr – weiter voran schreitet. Wurden 1995 noch 67,8% des Güterverkehrs über die Straße abgewickelt, waren es 2002 schon 72%, Tendenz weiter steigend. Der Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene sank im gleichen Zeitraum von 19,8% auf 16,4%. Dabei sind Bahn und Schiff hinsichtlich der CO2-Emissionen um ein Vielfaches klimafreundlicher als der LKW, was das folgende Beispiel verdeutlicht.

Die Häfen Hamburg und Bremerhaven liegen ca. 120 Kilometer auseinander. Zwischen den Häfen findet ein reger Austausch von Containern statt. Es gibt einmal die Möglichkeit, diese auf der Schiene (EVB) zu transportieren oder den Transport über die Straßen zu erledigen, was zu 98% der Fall ist.

Ein Güterzug mit der modernsten Diesellokomotive (Herkules/Siemens) vermag 100 Container (TEU) oder auch mehr zu ziehen und verbraucht dabei 360 Liter Diesel (EVB/Siemens).

Für die gleiche Transportleistung müssten wir 100 LKW einsetzen. Die neuesten auf dem Markt verbrauchen für diese Strecke 36 Liter Diesel, das sind insgesamt 3.600 Liter.

Die Verbrennung von 1 Liter Diesel führt zu einer Freisetzung von 2,65Kg CO2 (VCD), was für den Vergleich der Transportleistungen ergibt: Auf der Schiene werden 954 Kilogramm CO2 freigesetzt, während der Transport auf der Straße 9.540 Kilogramm CO2 in die Luft bläst. Das ist das Zehnfache des Schienenverkehrs.

auf_der_Bruecke

Der Masterplan Güterverkehr der Bundesregierung sieht zwar die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene vor, tatsächlich wird jedoch mehr Geld in den Neubau von Straßen gesteckt. Dies geschieht wider alle Vernunft, ist jedoch symptomatisch für das Autoland Deutschland.

Laut Masterplan soll auch die Effizienz des Verkehrs gesteigert werden, dabei spielt  die Verkehrsvermeidung eine nicht unwesentliche Rolle.

Dieser zuletzt genannte Punkt ist für uns alle interessant, sei es als Verkehrsteilnehmer oder als Konsument. Warum fahren wir mit dem Auto zum Bäcker und trainieren dann unsere Muskeln im Fitness-Studio?

In der EU sind laut Statistik 50% der Autofahrten kürzer als 5km, 30% kürzer als 3km und 10% kürzer als 1km.

Warum führt ein EU-Land genauso viel Schweinefleisch ein wie es auch exportiert? Warum muss bei EDEKA in Niedersachsen Joghurt aus Bayern im Regal stehen und in Bayern  Joghurt aus Niedersachsen? Warum importieren wir Apfelsaftkonzentrat aus China, wo das Alte Land um die Ecke liegt? (anb)

BIO – made in China

Die Lösung eines Problems  –  im wahrsten Sinne des Wortes

Was macht man mit Schweinen, die an Krankheiten gestorben sind? In China ist dieses Problem ganz einfach gelöst worden: Die toten Schweine wurden in einer Lauge aufgelöst, die Überreste dann in den nahegelegenen Fluss gespült. Der Betrieb bezeichnete diese Methode als „völlig unschädlich“.

Im März wurde ähnlich verfahren, nur dass die Schweine nicht in Lauge aufgelöst wurden. Es waren einfach zu viele!*

Quelle: Weser Kurier, 11.06.13 (MD) 

*Siehe auch mistkaeferterror, BIO . . BIO . . BIO . . ,(April 03.)

Eine unbeschreibliche Wut . . . .

Während ich diesen Beitrag schreibe, kommen mir Tränen in die Augen. Gleichzeitig packt mich eine unbeschreibliche Wut. Weil sich nichts ändern wird. Auch die, die die Macht dazu hätten, werden nichts ändern. Es wird so weitergehen. Es werden immer wieder Menschen schuften müssen. Damit es uns gut geht – uns in den reichen Staaten.

Vor mir liegt ein Foto, das um die Welt ging. Ein schreckliches Foto. Es zeigt einen jungen Mann, der mit seinem Oberkörper eine junge Frau vor herabstürzenden Trümmern schützen will. Vergebens. Beide liegen in den Trümmern der Textilfabrik in Bangladesch. Mehr als 1000 Menschen starben in den Trümmern. Sie nähten gerade Kleider für uns. Hauptsache billig. So billig, dass es in der Fabrik keine baulichen Sicherheitsstandards gab. So billig, dass es für sie gerade zu einem Hungerlohn reichte.

Dazu schreibt die Fotografin Taslima Akhter: „Ich weiß nicht, wer sie sind, in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Doch fühle ich mich ihnen nahe. Als ob sie mir sagen würden:“Wir sind Menschen wie ihr. Unser Leben ist so wertvoll wie eures. Und unsere Träume auch.““*

Was können wir tun?

Bei der Auswahl unserer Klamotten auf die Herkunft achten. Doch auch das ist schwierig.

Für die Unternehmen ist es nicht verpflichtend, Angaben über die Herkunft zu machen. Ein „made in Bangladesch“ wäre nach den Vorkommnissen dort auch geschäftsschädigend. Ein „made in Germany“ oder „made in Italy“ klingt da schon besser.

Aber: Eine Garantie, dass das Produkt dann auch in Deutschland oder Italien hergestellt wurde, gibt es nicht.

Die Wirtschaftsredakteurin des stern, Doris Schneyink, in ihrem Beitrag: „Sollen wir nicht wissen, woher unsere Kleidung kommt? . . . Doch selbst das Etikett „made in Italy“ oder „made in Germany“ bietet keine Garantie für faire Arbeitsbedingungen. Als Produktionsort gilt das Land, in dem die letzte Naht genäht wird. Also: Eine Jeans aus Bangladesch, die in Deutschland mit einem Knopf veredelt wird, erhält das begehrte „made in Germany“.“**

Während etliche Länder in der EU eine Verschärfung der Verordnung anstreben, sperren sich die deutschen Unternehmen gegen eine verbraucherfreundliche Veränderung.

mistkaeferterror fordert die Regierung auf, diesen Unternehmen „den Marsch zu blasen“. Strafzölle auf  Textilien, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Überweisung der dadurch eingenommenen Gelder an die Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter, damit diese ein menschenwürdigeres Leben führen können.

*stern, 16.05.2013   **stern, 23.05.2013

Nachtrag

In einem dem stern (Ausgabe vom 13.06.2013) beigehefteten Flyer fordert Wolfgang Grupp, Geschäftsführer und Inhaber von TRIGEMA, zum Nachdenken über die Zustände in den Billiglohnländern auf.

„Nicht das Streben nach den billigsten Produktionsstätten in der Welt darf für unser Handeln bestimmend sein, sondern die Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland verbunden mit Gerechtigkeit, Beständigkeit und vor allem Verantwortung für die Mitmenschen.“

Im Gespräch mit mistkaeferterror verweist er auf die Verantwortung der Unternehmen für die Mitarbeiter, egal wo produziert wird. (MS)

 

Essen kann tödlich sein

Was wir von den Zigarettenschachteln als Aufdruck kennen: Rauchen kann tödlich sein, wird man vielleicht bald in abgewandelter Form am Fleischtresen lesen können, zumindest wenn es um Schweine- oder Geflügelfleisch geht: Essen kann tödlich sein.

So berichtete der NDR Anfang des Jahres von resistenten Keimen im Schweinemett: „Bei dem Test in insgesamt zehn Städten (in Norddeutschland) wurden auf fast jeder sechsten gekauften Probe (Schinken-Zwiebel-Mettwurst, Mettbrötchen usw.) ESBL-Bakterien nachgewiesen.“*

ESBL, Extendit-spectrum beta-lactamases, sind Enzyme**, die viele Antibiotika verändern und dadurch unwirksam machen können. Bestimmte Erkrankungen sind dann unter Umständen nicht mehr mit Antibiotika zu behandeln.

Im Mai dann die nächste Horrormeldung: „Resistente Keime machen Kliniken zu schaffen“***

Weiter heißt es: „Krankenhäuser im landwirtschaftlich geprägten Nordwesten Niedersachsens haben mit multiresistenten Keimen, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, schwer zu kämpfen. Das hat der Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene in Oldenburg, Jörg Herrmann, im Rahmen eines EU-Projekts in der Ems-Dollart-Region festgestellt.“***

In der Massentierhaltung (Schweine, Geflügel) erhalten die Tiere Unmengen an Antibiotika, mit der Folge, dass sie dadurch resistente Keime entwickeln. Diese geben sie an die Umgebung weiter und selbstverständlich auch an die mit ihnen umgehenden Personen.

So hat das Robert-Koch-Institut festgestellt, dass 86 Prozent der Landwirte mit Keimen besiedelt sind. Kommen diese dann zum Beispiel im Krankenhaus mit unbelasteten Patienten zusammen, kann es besonders für Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke gefährlich werden.

*NDR-Regional, Januar 2013 – **Verbindungen, die den Stoffwechsel steuern – ***NDR-Regional, Mai 2013 (MS)