2015

31. Dezember 2014

Dr. Geo Trupes-Ferrum

Dr. Geo Trupes-Ferrum wünscht allen Leserinnen und Lesern, allen Aufmüpfigen, Widerständlern, Kreativen, Neu- und Andersdenkenden, Zukunftsbesessenen

ein erfolgreiches Jahr 2015.

Ein sicheres Geschäft

3,w=650,c=0.bild Putenmast2,w=650,c=0.bild Putenentsorgung29. Dezember 2014

Ist eigentlich schon einmal jemandem aufgefallen, dass immer im Spätherbst eines Jahres, dann wenn die Mastställe für Geflügel überquellen, ein „Grippevirus“ die Tiere heimsucht?

Puten, Enten und Hähnchen werden dann getötet (gekeult).

Tausende Puten, Enten, Hähnchen weniger und der Markt zeigt keinerlei Bewegung: In den Supermärkten bleiben die Regale voll und die Preise unten.

H5N8 (so der Name des Virus) wirkt marktregulierend, die Überproduktion wird entsorgt. Schuld ist nicht der Mensch, Schuld ist das Virus.

Dass es sich bei den getöteten Tieren um Lebewesen handelt ist sch . . . egal, die Nachricht ist am nächsten Tag schon vergessen.

Für die getöteten Tiere gibt es einen finanziellen Ausgleich. Es wäre sonst kaum möglich, dass nach einer Sperrfrist und der Desinfektion der Mastställe, diese wieder neu belegt werden könnten.

Dann geht der Wahnsinn in die nächste Runde.

Spätestens im Herbst 2015 kommt dann . . . . nein, nicht wieder H5N8 . . . ., sondern H5N9.

mistkaeferterror meint: Diese Massenproduktionen von Geflügelfleisch und auch Eiern hat mit Landwirtschaft nichts mehr zu tun. Es ist an der Zeit, dass sich die Verbraucher dagegen wehren.

Der scheinheilige Schiffer

20. Dezember 2014

Nicht derjenige ist gemeint, der an die Rückseite der Kirche pinkelt und so tut, als interessiere er sich für die gotische Bauweise des Gotteshauses.

Gemeint ist Emanuel Schiffer, der Vorsitzende der Eurogate-Geschäftsführung.

„Für Wilhelmshaven sind das sehr positive Nachrichten am Ende des alten Jahres und zum Start in das neue“, freut sich Schiffer.*

Grund seiner Freude ist ein zusätzlicher Containerliniendienst für den Jade-Weser-Port.

Seit Herbst 2012 dümpelt Deutschlands einziger Tiefwasser vor sich hin: Statt der erhofften (und prognostizierten**) 700 000 Container (TEU) jährlich wurden lediglich 80 000 TEU umgeschlagen. Die Kajen waren so unausgelastet, dass Raum und Zeit für den Dreh eines Tatorts gegeben waren.

Doch nun freut sich Emanuel Schiffer. Dabei lag und liegt es an ihm, die Containerschiffe zu dirigieren. Eurogate ist zusammen mit Maersk Hafenbetreiber in Wilhelmshaven; gleichzeitig aber auch anteilig in Bremerhaven und Hamburg. Es wäre also längst an der Zeit gewesen, die Containerdienste so zu steuern, dass alle  drei Häfen davon profitieren könnten.

„Die Reeder machen das nicht mit“ wurde als fadenscheiniges Argument ins Feld geführt. Es ist jedoch der Egoismus der beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen, der eine sinnvolle Zusammenarbeit der drei wichtigsten deutschen Seehäfen verhindert. Ein Nebeneffekt dieser Zusammenarbeit wäre, dass auf Weser- und Elbevertiefung verzichtet werden könnte.

Apropos Seehäfen. Der einzige wirkliche deutsche Seehafen ist der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven.

*Weser Kurier, 19. Dezember 2014

**An diesen Zahlen wird offensichtlich, was Prognosen wert sind.

Der Druck zeigt Wirkung

19. Dezember 2014

Schleswig-Holstein. Dem permanenten Druck von Wirtschaftsverbänden und Opposition ist Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) offensichtlich nicht gewachsen. Statt das Planfeststellungsverfahren zur Elbquerung bei Glückstadt im Zuge der A 20 sauber zu planen, will er noch in diesem Jahr den Planfeststellungsbeschluss erreichen. Auf weitere Erörterungen in diesem Verfahren wird deshalb verzichtet.

Es geht um ca. zwei Dutzend Einwendungen von Bürgern, Gemeinden und Verbänden. Diese werden von Meyer einfach abgebügelt. Er beruft sich dabei auf das Bundesfernstraßengesetz, nach dem auf Erörterungstermine verzichtet werden kann.

Man könnte meinen, er müsste aus Bad Segeberg gelernt haben: Schlampige Planung wurde da per Gerichtsbeschluss gestoppt.

Wie groß muss der Druck sein, dass er aus diesem Fall keine Lehren zieht?

Es sind nicht nur die Wirtschaftsverbände und die Opposition, die Meyer vor sich hertreiben. Es ist auch das Jahr 2015, das ihm Kummer bereitet.

Sollte das Planfeststellungsverfahren erst 2015 abgeschlossen werden, müssten die ökologischen Daten aktualisiert werden. Neue Zählungen wären angesagt.

Davor hat der Minister Angst.

Der Verkehrsminister befindet sich in der Zwickmühle: Neue ökologische Grundlagen oder Klage von Verbänden/Gemeinden.

Er handelt nach der Devise: Augen zu und durch.

 

 

 

Doch! . . . . . es geht noch dümmer!

17. Dezember 2014

Der folgende Text kommt von unserem Korrespondenten aus Loxstedt/Niedersachsen. Er bezieht sich auf den Beitrag Dümmer geht´s nümmer vom 8. Dezember 2014:

Da hat der Autor sich vertan. Er kennt wohl den Chef der schleswig-holsteinischen CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jörn Arp nicht. Der kann es dümmer und vor allem noch dreister als die Plakatkampagne.

In seiner Pressemeldung vom 12.12.2014 beschuldigt er: „Die SPD und Torsten Albig haben die A 20 auf dem Altar des grünen Koalitionspartners geopfert.“ Die Folgen für die Unternehmen in Schleswig-Holstein kennt er auch schon: „Das Einzelhandelsunternehmen Coop verlagert einen Teil seiner Logistik von Kiel nach Güstrow und versetzt 41 Fahrer.“

Das Unternehmen sieht die Lage anders: „Mit 98 Prozent Auslastung arbeite das Kieler Lager am Limit. Wir reagieren darauf und beliefern unsere Märkte in Hamburg und Umgebung sowie im östlichen Schleswig-Holstein künftig vom Lager Güstrow aus“, so die Unternehmenssprecherin zum Flensburger Tageblatt. (Ortsunkundige sollten sich einmal die Lage von Güstrow und den belieferten Gebieten auf der Karte ansehen, um die Dummheit zu begreifen. Die Red.)

An zweiter Stelle behauptet Arp, als ehemaliger Gastwirt aus Wacken bestrebt die Lufthoheit über dem Stammtisch zu beherrschen: „Edeka verlässt Schleswig-Holstein und geht nach Mecklenburg-Vorpommern.“ Ein Anruf bei Edeka-Nord in Neumünster ergab: Völliger Blödsinn!

Auch das dritte Beispiel von Arp ist schief: „Die Spedition Wohlert aus Gammellund (S.-H.) geht nach Niedersachsen, weil die A 7 für das Just-in-time-Geschäft keine verlässliche Strecke mehr ist.“

Die Spedition Wohlert hat schon im Jahr 2000 eine Niederlassung in Kassel eröffnet, das ist ja fast noch Niedersachsen.

Nachdem das Kühlhaus der Firma in Borgstedt, nördlich des Nord-Ostsee-Kanals bei Rendsburg zu klein wurde, hat das Unternehmen in Bollingstedt bei Schleswig an seinem Hauptsitz ein weiteres, größeres Kühlhaus gebaut. Nach wenigen Monaten Bauzeit wurde Ende 2011 dort der Betrieb gestartet. Schon in der Planungsphase müssen die Baumaßnahmen an der A 7 und die Probleme mit der Rader Hochbrücke bekannt gewesen sein.

Bei einer Erweiterung von Rendsburg nach Schleswig hat die Spedition für Fleischtransporte die Richtung nach Niedersachsen gründlich verpeilt – oder eher Herr Arp?

Kann jemand, falls er nicht gerade von drei Festivaltagen auf Wacken Open Air kommt, auf die Idee kommen, der Regierung vorzuwerfen, dass sie über die Legislaturperiode hinaus plant?

Arp: „Sie planen Verkehrsprojekte, um sie nach 2018 realisieren zu können. Herr Albig, da sind sie doch gar kein Ministerpräsident mehr.“

Wer noch weiteren Bedarf an dümmer hat, lese die Pressemitteilung im Original. (Zu finden unter Hans-Jörn Arp, PM)

Ich bin gespannt, wer diesen Unsinn als nächster toppen wird. Mein Favorit ist eine Frau. Nicht weil Gleichberechtigung erst dann erreicht ist, wenn Frauen gleichviel Blödsinn wie Männer verzapfen dürfen, sondern weil die Kandidatin sich schon seit Jahren abmüht, in dieser Disziplin an die Spitze zu kommen. (P.Sch.)

Der Wettbewerb geht weiter: Wer toppt „Dümmer geht´s nümmer“?

Vorschläge mit Begründung an die Redaktion: maschus@t-online.de

Anmerkung der Redaktion: Die vilen Feler in der Presemiteilung des Herrn Arp haben wir selbstverständlich nicht mit übernommen.

 

 

 

Nur ein (1) Skandal?

14. Dezember 2014

Seit zehn Tagen geht das schon so! Immer wenn ich die nach einer OP verordneten täglichen Pillen schlucke, denke ich an Indien. Das hat direkt etwas mit den Pillen zu tun. Ich könnte auch an Afrika denken oder andere arme Entwicklungsländer, aber bei den Pillen ist es eben Indien. Dabei fallen mir dann die in Indien Geächteten ein, die außerhalb jeder Kaste stehenden, die Parias.

Doch von vorn:

Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung* haben aufgedeckt, dass Ergebnisse klinischer Studien von Medikamenten von einer indischen Firma gefälscht worden waren. Betroffen sind auch etliche Hersteller in Deutschland, die statt eigener Studien die indische Firma GVK Bio beauftragt hatten.

Bei den recherchierten Tests handelt es sich ausschließlich um Bioäquivalenzstudien. Diese sind für die Zulassung von Generika** notwendig. Das sind Nachahmer-Präparate, die nach Ablauf des Patentschutzes eines Originalpräparats auf den Markt kommen.

Die GVK Bio bietet allerdings auch Studien für gänzlich neue Medikamente an. Diese Dienstleistung wird von der Pharmaindustrie häufig in Anspruch genommen, da sie billiger ist als eigene Tests in Deutschland.

Es ist deshalb zu fordern, dass alle Medikamente, deren Zulassungen sich auf Studien von GVK Bio stützen, nochmals klinisch getestet werden müssen.

Durch die Recherchen ist ein weiterer Skandal aufgedeckt worden. Dieser fand jedoch nicht Eingang in die nachfolgende Berichterstattung der anderen Presseorgane.

Test mit Todesfolge

Bei Ländern mit einer weniger wohlhabenden Bevölkerung sparen Pharma-Firmen eine Menge Geld bei der Zulassung neuer Medikamente. Sie finden für eine minimale Aufwandsentschädigung viele am Rande der Gesellschaft lebende Testpersonen.

Eben auch die Parias.

Versuchsteilnehmer sollen zwar schriftlich aufgeklärt werden und müssen unterschreiben, dass sie mit den Tests einverstanden sind, die meisten können jedoch weder lesen noch schreiben. Sie machen ihr Kreuz dahin wo der Finger des Agenten oder Arztes zeigt. Sie sind froh, dass sie überhaupt Medizin bekommen und schlecht bezahlte Ärzte können mit der Betreuung dieser Versuche eine Menge Geld verdienen.

„2011 wurden dann Vorwürfe laut, dass Teilnehmerinnen an einer Studie für Brustkrebsmedikamente nicht über Risiken und mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt worden seien. Die Frauen . . . waren arm und konnten weder lesen noch schreiben. Viele Frauen klagten später über Gelenkschmerzen, Übelkeit und Schmerzen in der Brust.“*

„2008 starb ein junger Mann, der an einem Test für Blutdrucksenker teilgenommen hatte.“*

Beim Lesen dieser Textausschnitte bekomme ich Beklemmungen. Meine Gesundheit und mein Wohlergehen hängen eng mit Leben und Leiden vieler Menschen weit weg von hier zusammen.

Trotzdem schlucke ich weiter täglich die Pillen. Nur etwas bewusster und mit Respekt. (MS)

mistkaeferterror meint: Kolonialismus hat eben nie aufgehört.

* Süddeutsche Zeitung, 5.12.2014

** Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat mittlerweile die Zulassung von ca. 80 Medikamenten zurückgezogen. Die Liste ist im Internet veröffentlicht worden.

MEHR DAVON: Dümmer geht´s nümmer

8. Dezember 2014

Die Markteinführung eines Produkts wird immer von Werbekampagnen begleitet. Auch Ladenhüter werden oft noch einmal beworben, um sie an die Frau oder den Mann zu bringen. Gute Werbung zahlt sich aus.

Ähnlich haben sicher auch die norddeutschen Industrie- und Handelskammern gedacht, als sie beschlossen, ihren Ladenhüter, die sogenannte Küstenautobahn, durch eine Werbekampagne zu puschen.

Großformatige Tafeln heischen Aufmerksamkeit überall da, wo Menschen zusammenkommen. Sympathische Personen werden mit Sprüchen zitiert – über deren Inhalt hat wohl niemand nachgedacht.

So kann teure Werbung zum Rohrkrepierer werden.

– Da ist beispielsweise der Transportunternehmer Lühmann, Inhaber der Spedition Lühmann GmbH & Co. KG aus Cuxhaven mit dem Spruch vertreten „Ich habe MEHR DAVON . . . . weil meine Fahrer das Nadelöhr Hamburg weiträumig umfahren können.“

Nun muss man wissen, dass die Spedition Lühmann Marktführer für Transporte nach Österreich ist. Da wird weder Hamburg umfahren, noch kann die in Ost-West-Richtung verlaufende A 20 als Transportweg genutzt werden. Die A 27, die nach Süden führt, liegt direkt vor der Haustür.

– Auch Hans Christian Jungjohann, Geschäftsführer der Schmekel und Timm GmbH & Co. KG. in Hemmingstedt (Schleswig-Holstein) will die A 20 haben, “ . . . . weil meine Ware termingerecht in Süddeutschland beim Kunden ist.“

Dumm dabei ist, dass die A 20 nicht nach Süddeutschland führt, er aber die A 7 schon hat.

Lena und Sabine, Nordsee-Urlauberinnen, wollen die A 20 haben, “ . . . . weil unser Urlaub schon mit der Hinreise beginnt.“

Liebe Lena, liebe Sabine, passt auf, dass ihr nicht vor lauter Urlaubsduselei in Polen landet. Da ist es zwar auch schön, aber da gibts keine Nordsee.

– Und dann noch die Familie Fischer, Ostseeurlauber, die die A20 brauchen, “ . . . . weil wir lieber früher im Strandkorb (Ostsee) liegen als lange im Stau zu stehen.“

Es wird den Touristikunternehmen im Bereich der Nordsee wohl kaum schmecken, wenn die Urlauber statt an die Nordsee an die Ostsee fahren.

Auf die restlichen Plakatmotive einzugehen wäre Platz- und Zeitverschwendung. Festzuhalten bleibt aber, dass viel Geld der Zwangsmitglieder der IHKn und letztlich auch der Steuerzahler verschwendet wird.