Maria Krautzberger

30. November 2016

Maria Krautzberger ist seit Mai 2014 Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), einer Einrichtung des Bundesumweltministeriums. Ihr sperriger Name ist Programm, wenn es darum geht, den Finger in Wunden zu legen.

Eine dieser „Wunden“ war der im März veröffentliche Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP 2030). Das Ergebnis einer Analyse durch das Umweltbundesamtes war die Feststellung, dass der BVWP 2030 elf der zwölf im eigenen Umweltbericht gesetzten Ziele verfehlt. Dazu Krautzberger: „Der Entwurf zeigt leider, dass Deutschland von einer integrierten, verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätsstrategie mit anspruchsvollen Umweltzielen weit entfernt ist. Er muss dringend überarbeitet werden.“

Auch dutzende andere Veröffentlichungen des UBA weisen Wege zu einem schonenderen Umgang mit unserer Umwelt. In den meisten Fällen finden diese allerdings in der  Politik wenig Zustimmung. Die zuständige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist gut für großspurige Ankündigungen, fällt jedoch in der Auseinandersetzung mit ihren Ministerkollegen regelmäßig um. Auch den Bundesverkehrswegeplan 2030 hat sie im Kabinett mit durchgewunken. „Kabinettsdisziplin“ ist das dieses Verhalten entschuldigende Zauberwort.

Beim Klima ist es der Wirtschaftsminister, SPD-Parteifreund Sigmar Gabriel, mit der Kohleindustrie im Rücken und bei der dringend notwendigen Umsteuerung des Güterverkehrs von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene ist es der autoindustriefreundliche CSU-Kollege Dobrindt.

In der jüngsten Veröffentlichung* aus dem Umwelt Bundesamt geht es um den Umgang mit Rohstoffen. Deutschland ist eines der wichtigsten Rohstoffländer der Welt – das gilt allerdings nur bezüglich des Verbrauchs. Berechnungen zufolge sind das rund 44 Kilogramm pro Person und Tag. Im Jahr 2015 wurden bundesweit 602 Millionen Tonnen Mineralien, 25 Millionen Tonnen Metallerze, 403 Millionen Tonnen fossiler Energieträger und 272 Millionen Tonnen Biomasse verbraucht. Das Schlimme daran: Vier Fünftel dieses Verbrauchs sind keine nachwachsenden Rohstoffe und zwei Drittel dieser Menge muss nach Deutschland eingeführt werden.

Damit ist das Ende unserer Wegwerfgesellschaft vorprogrammiert; ein Weiter-so darf es nicht geben, es sei denn, wir rasen blind auf den Abgrund zu und zerstören weiterhin die Lebensgrundlagen für unsere Nachkommen.

Umsteuern tut Not. „Wir können nicht mehr allein auf die Vernunft der Verbraucher oder die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft setzen“, so die UBA-Präsidentin Krautzberger, „es werden verbindliche Gesetze und Richtlinien benötigt, um dem Ressourcenverbrauch  Einhalt zu gebieten“.

Ein gutes Beispiel, den Ressourcenverbrauch und damit weltweite Zusammenhänge, auch zum Beispiel Fluchtursachen, zu verdeutlichen, ist das bei Kindern (und auch bei manchen Erwachsenen) beliebte Nutellabrot. Da geht es zwar hauptsächlich um nachwachsende Rohstoffe, aber auch diese haben Auswirkungen auf die Umwelt.

Kakao kommt aus Afrika oder Südamerika, Zucker aus Brasilien, Haselnüsse in diesen Mengen z.B. aus der Türkei und Palmöl wiederum aus Indonesien. Nur das verwendete Milchpulver kommt von Kühen aus Deutschland. Für Kakao- und Palmölplantagen werden für das Klima notwendige Urwälder gerodet, der Transport aus Übersee setzt Millionen Tonnen Klimagase frei, Schweröl schädigt die Ozeane. Plantagenländereien können nicht mehr für die Ernährung der Menschen vor Ort genutzt werden.

Auch die Windkraft verschlingt Ressourcen: Für ein einziges Windrad** werden 2.095 Tonnen verschiedener Rohstoffe benötigt. Nicht darin enthalten ist die Energiemenge, die benötigt wird, um die einzelnen Bauteile anzufertigen und auch nicht enthalten ist der Landverbrauch.

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Die Nutzung der Windenergie ist ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz – ein Windrad muss sich jedoch lange drehen, bis die Bilanz ins Positive schwenkt.

Bei der Gesamtbilanz ginge es schneller, wenn unverzüglich alle Kohlekraftwerke abgeschaltet würden.

*Die Nutzung natürlicher Ressourcen – Bericht für Deutschland 2016

** Quelle: Ingenieur.de, 2016

Siehe auch 22. März 2016: Autobahn A 20 Umweltprüfung

 

Lies of Lies

28. November 2016

Nichts gesehen, nichts gewusst,  so der Beitrag der taz.nord zu dem Phänomen Lies. Der niedersächsische Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies will erst jetzt durch die Medien erfahren haben, dass seine Teilnahme an einem „Vorwärts-Gespräch“ im April diesen Jahres mit einer Spende an die SPD gekoppelt war. Unterstützer des Abends in Berlin war ein Unternehmen des Eon-Konzerns, das unter anderem auch in Niedersachsen in der Energie-Branche aktiv ist. Das war dem Büro des Ministers vor seinem Auftritt bekannt, Lies will dies jedoch jetzt erst mitbekommen haben. Angeblich hätten seine Mitarbeiter die Vorabmeldung des Veranstalters „überlesen“, so Lies.

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Da kann man sich nur verwundert die Augen reiben: Was sind das für dösige Mitarbeiter. Oder auch: Was ist das für ein Minister, der seine Mitarbeiter desavouiert und noch nicht einmal das Rückgrat hat, sich vor sie zu stellen.

Er hätte auch so reagieren können: Ja, ich habe das gewusst. Es verstößt nicht gegen das Parteienfinanzierungsgesetz. Es ist anstößig, aber schließlich muss ich ja auch die Kontakte zur Wirtschaft pflegen, damit ich als gelernter Elektriker postpolitisch irgendwo unterschlüpfen kann.

Das Verhalten des Ministers ist zwar nicht gesetzeswidrig, aber schlüpfrig.

 

 

Gabriel trickst bei der Autobahn-Privatisierung

28. November 2016

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Liebe Freundinnen und Freunde der Bild: Tim Reckmann, flickr.com, Lizenz: (CC BY-NC-SA 2.0) öffentlichen Daseinsvorsorge,

was auch immer Sie in den letzten Tagen gehört oder gesehen haben: Sigmar Gabriel rettet die Autobahnen nicht vor der Privatisierung. Im Gegenteil: Seiner hartnäckigen Arbeit ist es zu verdanken, dass das Vorhaben näher denn je vor seinem Durchbruch steht. Am 9. Dezember will das Kabinett den zugehörigen Grundgesetzentwurf verabschieden. Wie das? Hatten nicht viele Zeitungen gemeldet, „Gabriel stoppt die Autobahnprivatisierung“? Leider fehlt in dieser Berichterstattung eine wesentliche Information. Berichtet wurde über zwei Privatisierungsformen: über die Privatisierung der Autobahnen als solche (also die Strecken samt Asphalt, Standstreifen und Leitplanken) sowie über die Privatisierung einer neu geplanten Gesellschaft, die alle Autobahnen verwaltet. Das erste lehnen CDU, CSU und SPD ab, das zweite soll die SPD per Veto verhindert haben.

Entscheidend ist: Es gab und gibt Öffentlich-private Partnerschaften (ÖPPs) als dritte Privatisierungsform. Und dagegen legte Gabriel kein Veto ein, und auch sonst niemand in der Bundesregierung. Die Bundesregierung will noch nicht einmal über ÖPP sprechen. Als die taz bei Gabriel anfragte, ob ÖPP ausgeschlossen wird, ließ er antworten: Das wäre eine Detailfrage. Dabei ist ÖPP bei weitem kein Detail: Mit ÖPP kann das ganze Geld, das den Autobahnen zugedacht ist für die kommenden 30 Jahre – geschätzt 300 Milliarden Euro aus Steuern und Maut-Gebühren – an die Finanzmärkte gebracht werden. Gabriel und Co. schützen uns mit großem Tamtam vor den ersten beiden Privatisierungsmöglichkeiten – und ermöglichen so der dritten Privatisierungsform den Durchbruch.

Was wäre passiert, wenn Gabriel vor zwei Jahren gesagt hätte: Ziel ist die Schaffung eines Organisationsrahmens für privat finanzierte Infrastrukturinvestitionen – also für ÖPP? Das hätte niemals die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat erhalten. Also hat Gabriel wörtlich gesagt: „Es geht nicht um eine Neuauflage von ÖPP-Projekten.“ Um dann danach genau das minutiös vorbereiten zu lassen, samt einer die Öffentlichkeit täuschenden Medienkampagne kurz vor der entscheidenden Kabinettssitzung. Das alles ist bedrückend, ja macht wütend – aber noch ist nicht aller (Privatisierungs-)Tage Ende.

Kleinere Zeitungen haben begonnen, den sogenannten Leitmedien durch differenzierte Berichterstattung entgegenzutreten. Größere beginnen nachzuziehen, auch Radiosendungen und kritische Internet-Blogs. Um diese Privatisierung zu stoppen, braucht es aber noch weit mehr an kritischer Öffentlichkeit. Wenn Sie das, was wir in diesem Brief schreiben, so empörend finden wie wir, dann verbreiten Sie das Schreiben im Freundeskreis, unter Kollegen und Verwandten.
Wir unsererseits regen weiter Medien dazu an, die „Gabriel-der-Retter“-Show  platzen zu lassen. Einige Beiträge kamen so schon zustande, eine Auswahl daraus finden Sie unten in der Presseschau. Schauen Sie rein!

Mit solidarischen Grüßen

Laura Valentukeviciute

für das GiB-Team

P.S. Vielleicht animiert Sie unsere Presseschau dazu, einen LeserInnenbrief zu schreiben. Nach allem was wir aus den Redaktionen hören, sind Leserbriefe noch immer ein wichtiges Korrektiv für unkritische oder zu eng mit der Politik verbundene Herausgeber.

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Presseschau

Auf unserer Webseite veröffentlichen und analysieren wir die vor drei Tagen erstmals bekanntgewordenen Entwürfe für die Grundgesetzänderungen: https://www.gemeingut.org/der-autobahnbau-wird-per-grundgesetzaenderung-privatisiert-und-viele-schulen-gleich-mit/

Deutschlandradio Kultur sendete am 22.11.16 ein Live-Interview mit Gemeingut in BürgerInnen-hand: „Debatte über Privatisierung der Autobahnen ist Polit-Theater. Gabriel gebe sich dabei vor-dergründig als Privatisierungsgegner, der er aber nicht wirklich sei. Und Schäuble gebe bereitwillig den Buhmann, weil er „es so dringend möchte, dass privates Kapital Zugang zu den Autobahnen bekommt.“ Alles im Dienste der Schuldenbremse und eines vermeintliche schuldenfreien Haushaltes. Also habe die SPD „zwei dicke rote Linien gezogen: die doppelte Privatisierungbremse. (…) Wenn das jetzt Fußball wäre, dann hätten die die beiden Linien hinter der Torlinie gezogen. Und da steht jetzt Gabriel und sagt: Ich fange den Ball auf. Und er fängt ihn auch auf, aber ein Tor ist es trotzdem.“,  Carl Waßmuth im Gespräch mit Anke Schaefer http://www.deutschlandradiokultur.de/initiative-gemeingut-in-buergerinnenhand-debatte-ueber.1008.de.html?dram:article_id=371959

Die Berliner Zeitung und rbb-Info-Radio berichten am 25.11. über Widerstand von Seiten der Ge-werkschaften und der Länder gegen die geplante Gründung einer Fernstraßengesellschaft. Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske und der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatten in Berlin zu einer gemeinsamen Pressekonferenz geladen. Bsirske warnte vor einer „mögliche Privatisierung durch die Hintertür“. Hermann wies darauf hin, dass das neue Infrastruk-tur-Gesetz, was die Zuständigkeit bei den Bundes- und Autobahnen neu regelt, eigentlich nur eine Einigung am Rand war. „Und auch nicht ganz freiwillig, sagt Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann.“ http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/privatisierung-der-autobahnen-verdi-zeigt-schlupfloecher-im-koalitionsvertrag-25171396 und http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/wirtschaft_aktuell/201611/80167.html

Der „Tagesspiegel“ berichtet am 23.11 unter der Überschrift „Bundesautobahngesellschaft – Machtkampf um die Fernstraßen“: „Kritiker sagen, dass mit „Mammut- ÖPP“ im Straßenbau schrittweise eine Quasi-Privatisierung an die großen Baukonzerne stattfindet, die allein in der Lage sind, zusammen mit potenten Finanzinvestoren, etwa Versicherungen, solche Großprojekte zu stemmen. Zu den Kritikern gehören daher auch die mittelständischen Straßenbauunternehmen. Deren Verbandschef Hans-Hartwig Loewenstein verweist darauf, dass der Staat sich immer günsti-ger verschulden könne als Private und daher Autobahnprojekte in staatlicher Eigenregie billiger seien. Erst recht, wenn in den ÖPP „internationale Finanzartisten“ beteiligt würden, die hohe Ren-diteerwartungen haben. Auch der Bundesrechnungshof sieht aus diesem Grund ÖPP kritisch.“ http://www.tagesspiegel.de/politik/bundesautobahngesellschaft-machtkampf-um-die-fernstrassen/14873802.html

Die „Junge Welt“ berichtet am 22.11.: „Showkampf um Autobahnen: Debatte um Infrastrukturge-sellschaft: Laut Medienberichten »stoppt« Wirtschaftsminister Gabriel Privatisierung. In Wahrheit tritt er für eine andere Variante ein“ https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2016/11-22/024.php

Die „taz“ schreibt am 22.11.16: „Gabriel trickst bei Autobahnen: Verkehr Der SPD-Chef will verhindern, dass sich private Investoren an der Gesellschaft für Bau und Betrieb von Fernstraßen beteiligen. Doch er lässt eine große Hintertür offen, https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5356179&s=autobahn&SuchRahmen=Print/

Im „Neuen Deutschland“ warnte  Sabine Leidig am 17.11.2016 in einem Gastbeitrag vor den Folgen einer Autobahn-Teilprivatisierung für Klima, Demokratie und Grundgesetz, https://www.neues-deutschland.de/artikel/1032387.private-renditen-in-beton-gegossen.html

 

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Gabriel rettet die Autobahnen nicht vor der Privatisierung – ganz im Gegenteil
GiB-Infobrief November 2016 Logo Gemeingut in BürgerInnenhand

Umweltferkel erhält „Umweltpreis“

22. November 2016

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Bei Ordens- und Preisverleihungen im Polit- oder Wirtschaftsbereich habe ich immer dieses Bild aus Orwells Animal Farm vor Augen. Übertragen auf die Realität des faktischen Lebens: Mitglieder der Spezies homo oekonomicus und homo politicus  zeichnen sich gegenseitig oder untereinander aus, um sich so von der Art homo massicus abzusetzen.

Letzte Woche konnte man es wieder beobachten: Der Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen verlieh dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann  „Die Goldene Umweltschiene“.

Diesen Verband gibt es tatsächlich und den Preis auch. Er wird seit 1989 jährlich an Personen des öffentlichen Lebens verliehen, die sich um den Schienenverkehr verdient gemacht haben. Ferlemann sei „ein strikter Verfechter der Schiene“* und des Hafenhinterlandverkehrs, so die Begründung.

In der Regel ist er doch eher bekannt als strikter Verfechter der sogenannten Küstenautobahn A 20.

Diese hatte es, sicher auch durch Ferlemanns besonderen Einsatz, in den vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplans 2030 geschafft.

Das ist noch nicht alles: Der neue Bundesverkehrswegeplan ist extrem straßenlastig, Schienenprojekte spielen eine untergeordnete Rolle.

Dagegen hatten nicht nur die Umweltverbände einschließlich des Umwelt Bundesamtes und verschiedene Initiativen vehementen Widerspruch angemeldet, sondern auch Barbara Hendricks,  Bundesministerin für Umwelt und Kabinettskollegin des Bundesverkehrsministers, hatte das  Bauwerk als das umweltschädlichste und überflüssigste aller Straßenprojekte gebrandmarkt.  Es half alles nichts: Der Bundesverkehrswegeplan wurde ohne Änderungen vom Kabinett durchgewunken.

Spätestens jetzt kann eingeschätzt werden, was die Goldene Umweltschiene für eine Qualität hat: Keine!

Es ist übrigens nicht die einzige Auszeichnung für den parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann: 2015 erhielt er einen Preis der Bauindustrie Niedersachsen-Bremen**. Dieser Preis trifft schon eher sein Wirken. MS

*Schienenprojekte, die seit Jahrzehnten anhängig sind und auch durch das Wirken des „strikten Verfechters der Schiene“ nicht vorankommen:

Eisenbahnknoten Bremen – Eisenbahnknoten Hamburg – Eisenbahnknoten Hannover – Wunderline – Eingleisigkeit Bremerhaven/Cuxhaven – Brücke Hemmoor – Kurve Rotenburg (EVB) – Elektrifizierung Hof-Bamberg – Ausbau Oberrheintal – Anschluss an die Alpentunnels Schweiz/Österreich  .  . . . . . hier geht der Platz zu Ende . . . .

 

**siehe mistkaeferterror, 27.1.2016, Famulus asphaltus

 

Die Weltenlenker

18. November 2016

Obwohl ihre Visionen für eine gerechtere Welt gerade einmal von 12 bis Mittag reichen, fühlt sich Angela Merkel durch die Beschmusung von Barack Obama als „Die Welten-Lenkerin“ bemüßigt, am kommenden Sonntag ihre Bereitschaft für eine weitere Kandidatur der Öffentlichkeit mitzuteilen.

 

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Derweil übt Donald Trump schon einmal die Ergebenheitsgeste, während „Klein-Donald“ als Löwenbezwinger seinen Anspruch als Nachfolger des Vaters geltend macht.

Vorsintflutlich

18. November 2016

Der jüngste Mitglieder-Brief* des Lobby-Vereins Pro A 20 enthält neben den üblichen Blasen auch einen Beitrag zur Maritimen Road-Show  der IHK Nord. Diese war auf ihrer Tournee 2016 auch zu Gast in Bamberg bei der IHK Oberfranken-Bayreuth, um für die deutschen Seehäfen an der Nordsee zu werben. Eine Selbstverständlichkeit, werden doch Güter allein aus diesem Bezirk im Wert von ca. 12 Milliarden Euro über diese Häfen exportiert. Umgekehrt werden Rohstoffe und Fertigteile nach Bayern geschafft.

Das funktioniert nur reibungslos über eine gut ausgebaute Infrastruktur. „Mit einer Exportquote von mehr als 50 Prozent ist die oberfränkische Wirtschaft auf effiziente Transportketten zu den deutschen Seehäfen angewiesen“, heißt es in dem Mitgliederbrief und weiter: „Auf der anderen Seite haben auch die deutschen Seehäfen ein lebhaftes Interesse an einem funktionierenden Verkehrskorridor nach Oberfranken. Denn Bayern ist für sie der größte Markt.“

Richtig! Deshalb ist es auch sinnvoll, mit der Road-Show in Bayern Werbung für den Norden zu machen. Der „Feind“ ist nämlich nicht eine angeblich ineffiziente Infrastruktur, es sind die Häfen in Rotterdam und an der Adria, die den Nordseehäfen knallharte Konkurrenz machen. Und diese Konkurrenz wird durch den Ausbau der Bahntrassen durch Österreich und die Schweiz stark zunehmen. Durch den Transfer über die Adriahäfen wird die Transportzeit nach Fernost um ca. 8 Tage verkürzt.

Am Ende des kurzen Beitrags heißt es dann noch: „Gemeinsam setzen sich die IHK Oberfranken Bayreuth und die IHK Nord unter anderem für die A 20 ein.“

Für wie blöde halten die Protagonisten des Fördervereins Pro A 20 eigentlich die Bayern? Auch in Bayern isst man mit Messer und Gabel und auch in Bayern kann man Karten lesen.

Die A 20 hat eine eindeutige West-Ost-Ausdehnung und ist für den Güterverkehr von und nach Bayern völlig irrelevant.

In diversen anderen Veröffentlichungen wird eine A 20 nicht erwähnt. „Auch 2030 werden demnach gut 64 Prozent aller in Baden-Württemberg (da war die Road-Show auch) auf den seewärtigen Außenhandel entfallenden Waren über die norddeutschen Häfen geroutet. Wenn es um den Vor- und Nachlauf zu den Häfen geht, spielt schon heute die Bahn eine entscheidende Rolle, und zwar nicht nur bezogen auf Baden-Württemberg“ und weiter „denn gerade die Bahnkompetenz der norddeutschen Seehäfen ist im internationalen Wettbewerb klar erwiesen.“ Das steht nicht in irgendeinem Bahnprospekt, sondern ist ein Beitrag zur Maritimen Road-Show der Deutschen Schifffahrts-Zeitung vom 23. Februar 2016.

Selbstverständlich steht das nicht in dem Pamphlet des Fördervereins und auch nicht, was für Joachim Hermann, Bayerns Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr, in Bamberg wichtig schien, dass nämlich der Schienenverkehr mit einem dringend erforderlichen Kapazitätsausbau im Fokus stehen müsse. Dabei sprach er die Engpässe im Raum Hannover-Bremen-Hamburg an und „dass ab Hof die Elektrifizierung aufhört und die Züge mit Dieselloks weiterfahren müssen ist vorsintflutlich.“ **

*Informationsbrief, Ausgabe 4/2016

**aus ihk-nord.de

 

 

„Der Niemann muss weg“, . . . .

17. November 2016

. . . . sprach der Wolf. Wobei „der Niemann“ für ihn nur ein Synonym für „der Mensch“ ist. Damit reagiert der Wolf lediglich auf eine Aussage des Sprechers der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Eckehard Niemann, der in einem Beitrag des Weser Kuriers* mit dem Satz „ich wünsche mir, dass der Wolf dort, wo Weidehaltung bei uns praktiziert wird, nicht mehr vorkommt“ zitiert wird. Nach Niemann darf es in der Wolfsdebatte keine Tabus mehr geben, weder hinsichtlich des Jagdrechts noch hinsichtlich der Artenschutzbestimmungen. Anzumerken ist dabei, dass der Wolf nicht nur durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNG) streng geschützt ist, sondern, dem vorausgehend, durch das Washingtoner Artenschutzabkommen. Das ist auch gut so, denn nur durch das BNG geschützt, wäre der Schutz des Tieres schon längst durch den Einfluss der Lobbyisten ausgehebelt worden. Der Wolf wäre  in Deutschland zum zweiten Mal ausgerottet. So gibt es glücklicherweise nur wenige vereinzelte Wolfstötungen.

Interessant wäre es in diesem Zusammenhang einmal, sich die Frage zu stellen, wer dieser Erde am meisten schadet: Wolf oder Mensch. Dabei müssten sich gerade Vertreter der Landwirtschaft besonders angesprochen fühlen. Raubbau in Entwicklungsländern für die Erzeugung von Futtermitteln und Verseuchung der Böden sind nur zwei von vielen bedenkenswerten Aspekten.

Die Landung auf dem Mond vor Jahrzehnten, die Leistungen in der IT-Branche und in absehbarer Zeit der Flug auf den Mars: Da  müsste es doch verdammt noch mal möglich sein, Schutz-Systeme für Weidetiere zu entwickeln, die beiden Spezies, Wolf und Mensch, ein Zusammenleben ermöglichen!

Vielleicht genügt auch ein Blick über den Tellerrand: In anderen Ländern funktioniert das.

*Weser Kurier, 16.11.16, Titel des Beitrags: „Weidetierhaltung geht nur ohne Wölfe“