Mutti on Tour

21. August 2017

Bundeskanzlerin Angela Merkel warb bei einem Wahlkampfauftritt in Steinhude/Niedersachsen für Autobahnbau und heimische Landwirtschaft

Für eine Unterstützung der heimischen Landwirtschaft hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Wahlkampfauftritt am Steinhuder Meer bei Hannover geworben. „Es ist absurd, regionale Lebensmittel essen zu wollen und zugleich die einheimische Landwirtschaft an den Pranger zu stellen“, sagte Merkel am vergangenen Freitag in Steinhude. „Ökologische und konventionelle Landwirtschaft dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir brauchen die einheimische Landwirtschaft für die Wertschöpfung im ländlichen Raum“.

Auch der Weiterbau der Küstenautobahn ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Die Küstenautobahn muss zügig weitergebaut werden“, warb Merkel, „sie ist eine durchgehende Verbindung von den Niederlanden über Hamburg bis nach Polen.Wir müssen schneller werden beim Bau von Autobahnen.“

Zu Beginn des Wahlkampfauftritts wurde mit einer Schweigeminute der Opfer des Terroranschlags von Barcelona gedacht.

Mit Merkel auf der Bühne standen auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der CDU-Spitzenkandidat für die auf den 15. Oktober vorgezogene Landtagswahl, Bernd Althusmann.
Immer wieder kam es während Auftritts zu Pfeifkonzerten und lauten Zwischenrufen von Kritikern.
Quelle: dpa

Schweizer Käse landet im Rastatter Loch

Aus der FAZ vom 15.08.2017

Züge umfahren Deutschland weiträumig

Die Rheintalstrecke bleibt nach neuen Erdbewegungen noch länger geschlossen. Die Deutsche Bahn arbeitet unter Hochdruck an einer Lösung. Ursache könnte ein neues Verfahren beim Tunnelbau sein.

von Susanne Preuß, Karlsruhe und Kerstin Schwenn

Weg waren sie: In der Nähe von Raststatt sind die Bahngleise abgesackt.
Die Rheintalstrecke, eine der wichtigsten Bahnverbindungen in Europa, bleibt bis auf weiteres auf der Höhe von Rastatt gesperrt. Nach einer Havarie am Samstag in der Tunnelbaustelle in Rastatt verbogen sich die Gleise der darüber verlaufenden Bahnlinie – ein Schaden, den die Bahn zunächst bis zum 26. August behoben haben wollte. Nach neuen Erdbewegungen in der Nacht zum Dienstag aber ist klar: Dieser Zeitplan ist nicht zu halten. „Eine genaue Prognose ist nicht möglich“, sagte Sven Hantel, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für Baden-Württemberg. Die Ursache sei unklar. „Wir sind mit Hunderten von Mitarbeitern im Einsatz, um diese Lage zu bewältigen“, so Hantel.

Für die Wirtschaft wird die Sperrung erhebliche Folgen haben.

Bis zu 200 Güterzüge täglich nutzen die Strecke, diese müssen nun teilweise Deutschland weiträumig umfahren. Von Rotterdam nach Genua geht es nun statt über die Rheinschiene über Antwerpen und Metz nach Basel. Weiter im Osten wird eine Route über den Brenner vorgeschlagen. Dazwischen bestehen Ausweichmöglichkeiten lediglich in begrenztem Umfang. Manche Strecken haben allenfalls Kapazitäten von einigen wenigen Zügen am Tag, manche müssten mit Dieselloks befahren werden.

Überschrift, Grafik mistkaeferterror – Text FAZ

Es fehlt der Wille

Bahnpolitik in Deutschland ist vergleichbar mit einer Schnecke.

Dazu ein Vergleich:
Österreich/Italien: Brenner-Basistunnel – zweigleisig – Länge 64 Kilometer Planungsbeginn 2004 – Baubeginn 2011 – Fertigstellung 2024
Deutschland: Eisenbahnbrücke über die Ems bei Weener – Länge 335 Meter – eingleisig – zerstört September 2015 – Planungsbeginn offen – Fertigstellung frühestens 2022/24

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

An diesen Ausspruch von Albert Einstein (1879 – 1955) fühlt man sich erinnert, wenn man die Bahnpolitik des Landes Niedersachsen und auch die des Bundes der letzten vier Jahre Revue passieren lässt.
Bestand Anfang der Legislaturperiode in Niedersachsen noch die Hoffnung auf die Umsetzung der Forderungen des Koalitionsvertrages der rot-grünen Regierung, ist diese schon bald der Ernüchterung gewichen.

„Güterverkehre auf Schienen und Binnenwasserwege verlagern“, so die Einleitung und weiter: „Die rot-grüne Koalition nimmt die Herausforderungen an, die sich Niedersachsen als Drehscheibe zwischen den Seehäfen im Norden, dem Süden Deutschlands und Europas, den bevölkerungsreichen Zentren im Westen und den aufstrebenden Staaten in Mittelosteuropa stellen. Die rot-grüne Koalition verfolgt das Ziel, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und die Binnenwasserstraßen zu verlagern. Dazu ist es zunächst dringend erforderlich, die Schienenstrecken für den Hafenhinterlandverkehr auszubauen.“(1)

Jetzt, gut vier Jahre später, bekommt dieser Teil des Koalitionsvertrages die Note „ungenügend“ (=6).
Dabei ließ sich alles gut an, was die zu mehr als achtzig Prozent landeseigene Eisenbahngesellschaft EVB betrifft, auch wenn der „Startschuss“ leider als Folge eines Eisenbahnunglücks im Bremer Hauptbahnhof abgegeben wurde. Dort entgleisten im Februar 2013 zwei Güterwagen und rissen Teile der Oberleitung ab. Für den Güterverkehr war die Nord-Südstrecke somit dicht – die Güter aus dem Überseehafen in Bremerhaven konnten nicht mehr wie gewohnt per Bahn abgefahren werden.
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Dazu kreiszeitung.de, Syke
Güterzug im Bahnhof Bremen entgleist
14.02.13
Nichts geht mehr am Bremer Hauptbahnhof. Er ist wegen eines entgleisten Güterzugs gesperrt. Der Strom wurde abgeschaltet. Wann und auf welchen Strecken der Betrieb wieder aufgenommen wird, ist am Donnerstagnachmittag noch unklar. Reisende und Pendler müssen sich auf stundenlange Wartezeiten einstellen.“
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Um dennoch nicht die Transporte verstärkt über die Straße abwickeln zu müssen, besann man sich auf die in den Jahren zuvor extra für den Güterverkehr ausgebaute Trasse der EVB über Bremervörde-Rotenburg und dann über Verden in Richtung Süden. Nachdem der Bahnhof in Bremen wieder frei war, brachten Forderungen aus der Hafenwirtschaft die EVB-Strecke als dauerhaft zu nutzende, sozusagen als „Bypass“ für den Knoten Bremen, Alternative ins Gespräch.
Das kam auch in der Politik an. Verschiedene „hochkarätig“ besetzte Bereisungen auf dieser Strecke wurden unternommen.

Foto EVB

„Bypass für Bremen“ wurde zum geflügelten Wort, von „bald 40 Zügen täglich . .“ durch Bremervörde war die Rede und selbstverständlich wurde auch die Elektrifizierung der Strecke unter dem Titel „Land setzt auf Oberleitung“ in den Raum gestellt.
„Stau auf der Bahnstrecke – Studie: Schienennetz im Großraum Bremen muss ausgebaut werden.“ Sonntagsjournal der Nordsee Zeitung am 19. Januar 2014
„Bald 40 EVB-Güterzüge täglich?“ Bremervörder Zeitung am 24. Juni 2014
„Ein Welthafen muss gut mit dem Hinterland verbunden sein.“ Sonntagsjournal der Nordsee Zeitung am 28. Dezember 2014
„Land setzt auf Oberleitung“ Bremervörder Zeitung am 13. August 2015

Hafensenator Günthner, Bremen – PM 9.11.2015
„Mit der Erweiterung der Bahnanlagen am Imsumer Deich reagieren wir auf die absehbare Marktentwicklung“, sagte Günthner. Auch bei der der Straßenanbindung komme der Standort seiner Verantwortung mit dem Bau des Hafentunnels nach. Jetzt seien Bund und Deutsche Bahn AG gefordert. Im Dreieck Bremerhaven/Hamburg/ Hannover müsse dringend in die Schiene investiert werden, sagte der Senator. Nach jahrzehntelangem Stillstand sei jetzt mit den Ergebnissen des Dialogforums Nord eine neue Voraussetzung für eine Verbesserung der Hinterlandanbinung geschaffen worden. Günthner: „Wir erwarten von der Deutschen Bahn und dem Bundesverkehrsministerium, dass diese Projekte jetzt zügig realisiert werden.“ Für Bremen habe eine angemessene Nutzung der EVB-Strecke nach Bremervörde und weiter nach Rotenburg, der Ausbau und Elektrifizierung der Amerika-Linie über Uelzen nach Magdeburg sowie eine Entlastung des Bahnknotens Bremen besondere Bedeutung.

Jens Böhrnsen – Bürgermeister Bremen – 24.6.2014 BRV-Zeitung
Für Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen ist das EVB-Projekt ein „weiteres gutes Beispiel für die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Bremen und Niedersachsen mit großem Potential. Die Bahn ist ein überaus attraktiver Verkehrsträger für den Güterverkehr. Schon heute sind wir allerdings in der Realität weit über die für 2020 prognostizierten Werte hinaus. Das hat auch eine Schattenseite: Die vorhandene Infrastruktur ist darauf nicht eingerichtet.“ Das treffe auch und besonders für die Strecke Bremen/Bremerhaven und den Bremer Hauptbahnhof zu, der sich einem Zustand permanenter Überlastung nähert. „Die Grenze der Kapazitäten und auch der Zumutbarkeit ist überschritten.“ . . . „Wir brauchen langfristige, aber angesichts der Dynamik zugleich auch kurzfristige Antworten.“ . . . . . . „ Die Strecken der EVB könnten dazu einen moderaten Beitrag leisten. Schon zwei Züge am Tag würden laut Deutscher Bahn deutlich helfen, die Verkehrsachse Bremerhaven – Bremen – Hannover und den Bremer Bahnhof zu entlasten.“ . . . . „Die Länder Bremen und Niedersachsen haben ein hohes Interesse, die EVB-Strecken in ihrer Kapazität zu steigern, weil sie wirtschaftlich interessante Varianten bilden.“

In allen Beiträgen wurde die Dringlichkeit des Ausbaus der Schieneninfrastruktur der landeseigenen EVB betont und deren Umsetzung gefordert. Wie immer, wenn die Politik nicht weiter weiß, wurde eine Studie (2) in Auftrag gegeben. Diese liegt dem Land Niedersachsen seit 2015 vor. In ihr wird das Manko der EVB-Strecke detailliert dargestellt.
Die Aussagen der Gutachter sind eindeutig: Hauptursache für die mangelnde Bereitschaft der verschiedenen Eisenbahnunternehmen, die Trasse der EVB zu nutzen, sind die fehlende Elektrifizierung und die Überleitung in das Netz der Deutschen Bahn bei Rotenburg, die sogenannte Rotenburger Kurve. Eher nebensächlich, aber auch hemmend, wirkt sich das Abrechnungssystem der EVB aus. Lieber nehmen die Unternehmen Wartezeiten in Bremen in Kauf, statt die Züge über Bremervörde rollen zu lassen.
Leider ist seither außer einer neuen eingleisigen Brückenkonstruktion über die Oste bei Bremervörde und eines im Bau befindlichen Stellwerks nichts Nennenswertes in den Ausbau der Strecke investiert worden, was einen gehörigen Schub nach vorne bedeuten würde.

Weiter rollen die Container auf dem Lkw durch die Städte und Dörfer und weiter quälen sich die Container- und anderen Güterzüge durch den Bremer Hauptbahnhof, stehen davor und dahinter im Stau (das gibt es auch bei Güterzügen), weil nur ein Gleis für den Güterverkehr genutzt werden kann.

Dazu kommt jetzt noch, dass die Hafeneisenbahn(4) in Bremerhaven ab Ende des Jahres die Erweiterung des Güterbahnhofs Speckenbüttel in Betrieb nimmt. Statt acht Gleisen stehen dann sechzehn Gleise zur Verfügung – sozusagen eine Verdoppelung, die sich auch auf die Anzahl der Güterzüge aus und in den Hafen auswirken wird. Statt derzeit wöchentlich 570 Züge werden es in naher Zukunft 770 sein, so die Planung von bremen-ports. Nicht auszudenken, dass dann irgendwann wieder der Bremer Knoten dicht ist.

 

Die Zukunft im Eisenbahngüterverkehr ist elektrisch – und da hinkt Niedersachsen mit der EVB um Jahre hinterher.
Da klingt es dann wie Hohn, wenn sich der niedersächsische Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies für den Kauf der 4 Kilometer langen Bahnstrecke Nordenham-Blexen durch die Hanseatische Infrastrukturgesellschaft mit den Worten feiern lässt: „Es ist das Ziel der Niedersächsischen Landesregierung, wo immer es geht, Bahnstrecken zu reaktivieren. Dies trägt dazu bei, Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen. Das aktuelle Beispiel zeigt, wie sinnvoll es sein kann, wenn das Angebot der Deutschen Bahn von mittelständischen Unternehmen ergänzt wird. Davon profitieren alle.“
Sehr gut gesprochen, Herr Minister. Wie viel mehr würde der Seehafenhinterlandverkehr und mit ihm eine ganze Region profitieren, wenn die Landesregierung ihre eigene Eisenbahngesellschaft EVB toppen würde.

Soviel zur Vorgeschichte

Güterverkehr ist ein nicht unerhebliches Nebenprodukt unseres Wohlstands, unseres Konsums. Wir werden nie in die Lage kommen, Produkte von A nach B zu denken. Von der Herstellung einer Ware, über den Kauf bis zum anschließenden Aussortieren (weil wir ja unbedingt immer das Neueste vom Neuen haben müssen): Transporte sind dabei nicht wegzudenken. Sie werden eher zunehmen. Deshalb gilt es, diese Transporte für die Allgemeinheit so erträglich wie möglich zu machen. Dabei spielen gesundheitliche Aspekte eine wesentliche Rolle. Die Forderung aus dem Koalitionsvertrag, den Gütertransport von der Straße auf die Schiene und die Binnenwasserstraßen zu verlagern, war und ist richtig, leider fehlte und fehlt deren Umsetzung.

 

Die Tabelle gibt eindeutig die Richtung vor. Güterverkehr schädigt durch Emissionen die Gesundheit. Die derzeitige Diskussion um den Dieselmotor ist dafür beispielhaft. Verwunderlich ist, dass es dabei nur um Diesel-Pkw geht. Lkw stoßen ein Vielfaches an Schadstoffen aus und auch Diesellokomotiven gehören nicht zu den Reinlichsten.

Wie die Tabelle zeigt, sind die Schadstoffe allerdings bei der Bahn nur ein Bruchteil dessen, was durch den Straßentransport in die Luft gepustet wird.

Dazu Oliver Bergk, General Manager bei Eurogate: „Dieses System* ist eine ökologisch sinnvolle Alternative zum Straßenverkehr. Denn allein auf einer Fahrt kann der Zug 92 20-Fuß-Container mitnehmen und so bis zu 70 Lkw-Touren auf der Straße einsparen.“(4)
*KV-System = Kombinierter Verkehr: Wasserstraße/Schiene

Die Bevölkerung der Stadt Bremervörde ist den Emissionen des Güterverkehrs extrem ausgesetzt. Anders als in Beverstedt mit seiner Umgehungsstraße geht fast der gesamte Verkehr durch die Stadt. Anhand eines Beispiels soll an dieser Stelle einmal rechnerisch ermittelt werden, was das für die Bevölkerung bedeutet.
Ausgehend von dem Beispiel, das Oliver Bergk anführt, sind das 92 20-Fuß-Container, die auf dem Lkw durch die Stadt rollen.

Treibhausgase: 92 x 25 Tonnen x 3 Kilometer x 101g/tkm = 696900 Gramm
Kohlenmonoxid: 92 x 25 Tonnen x 3 Kilometer x 0,125g/tkm = 862,5 Gramm
Kohlenwasserstoffe: 92x25x3 x 0,036g/tkm = 248,4 Gramm
Stickoxide: 92x25x3 x 0,344g/tkm = 2373,6 Gramm
Feinstaub: 92x25x3 x 0,005g/tkm = 34,5 Gramm

700419 Gramm „Dreck“ gehen durch diese 70 Lkw in die Luft bzw. verteilen sich über die 3 Kilometer in der Stadt. Dazu kommen dann noch Lärm und Erschütterungen. 700,419 Kilogramm täglich – seit Jahrzehnten – und an manchen Tagen fahren mehr als 92 Lkw durch die Stadt.

Bei der Bahn ist das ein Zug.

Treibhausgase 165600 Gramm
Kohlenmonoxid 131,1 Gramm
Kohlenwasserstoffe 34,5 Gramm
Stickoxide 434,7 Gramm
Feinstaub 6,9 Gramm

Schiene: 166207,2 Gramm „Dreck“ = 166,207 Kilogramm täglich, das ist ein Viertel dessen, was durch die Lkw in die Luft geht.

Der Vergleich beider Ergebnisse belegt eindeutig, dass beim Güterverkehr endlich umgesteuert werden muss: Von der Straße auf die Schiene.

Was ist nun zu fordern

1. Damit die EVB ins Geschäft kommt müssen schnellstens die Elektrifizierung der Strecke und die Verbindungskurve bei Rotenburg in Angriff genommen werden. Wie zu erfahren war, liegen die Pläne dafür in der Schublade. In dem Zusammenhang muss überlegt werden, ob nicht gleichzeitig bei der Elektrifizierung auch die Strecke nach Stade mit einbezogen wird, damit zukünftig Güterverkehre aus dem Hafen- und Industriegebiet Stade-Bützfleth nicht über den Knoten Hamburg abgewickelt werden müssen, sondern die „Bypass-Strecke“ über Bremervörde nutzen können. In dem Zusammenhang bietet sich an, auch die Kurve bei Hesedorf mit zu planen. Planung und Verwirklichung liegen ausschließlich in Händen des Landes Niedersachsen, eine Einbeziehung des Bundes ist lediglich bei einer Akquise von Bundesmitteln nötig.

2. Die Verbindung zwischen dem Seehafen Bremerhaven und dem Seehafen Cuxhaven muss zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Das ist dem Tourismus im Raum Cuxhaven, aber auch dem sich rasant entwickelnden Industriestandort Cuxhaven geschuldet. Es geht nicht an, dass Touristen mit dem IC nur bis Bremerhaven kommen, und dort samt Gepäck in einen dieselgetriebenen Zug umsteigen müssen, um so an ihr Reiseziel zu kommen. Dieser Umstand hält viele davon ab, mit der umweltfreundlichen Bahn in den Urlaub zu fahren. Die Hafenwirtschaft in Cuxhaven erlebt derzeit ein zweistelliges Wachstum, was den Export von Autos nach Übersee angeht. Mit der Ansiedlung der Firma Siemens ist ein zweites Unternehmen auf eine gute Bahnanbindung angewiesen. Hier besteht akuter Handlungsbedarf.

3. Die Verbindung zwischen Cuxhaven und Stade muss durchgehend zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Die „Behelfsbrücke“ bei Hechthausen muss endlich ausgetauscht werden.

4. Alle stillgelegten oder touristisch genutzte Trassen müssen reaktiviert werden, um den ländlichen Raum für einen ökologisch wertvollen Raum für den Personenverkehr zu erschließen.
– Bremerhaven – Geestland
– Osterholz-Scharmbeck – Gnarrenburg – Bremervörde

Und es stimmt:

Bahnpolitik in Deutschland ist vergleichbar mit einer Schnecke.

Dazu der Vergleich:

Österreich/Italien – Brenner-Basistunnel – zweigleisig – Länge 64 Kilometer Planungsbeginn 2004 – Baubeginn 2011 – Fertigstellung 2024

Deutschland – Eisenbahnbrücke über die Ems bei Weener – Länge 335 Meter – eingleisig – zerstört September 2015 – Planungsbeginn offen – Fertigstellung frühestens 2024

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang
(1) Auszug aus dem Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung
(2) Studie railistics
(3) Pressemitteilung von bremenports:

Großprojekt vor der Fertigstellung
27Jul’17
Acht neue Parallelgleise im Überseehafen Bremerhaven werden im Dezember 2017 in Betrieb genommen
Der Bau von acht zusätzlichen zuglangen Gleisen an der Vorstellgruppe (Hafenbahnhof) Imsumer Deich in Bremerhaven hat die Zielgerade erreicht. Als letztes großes Gewerk steht auf der Baustelle im Überseehafen in den kommenden Wochen die Montage von 120 Masten für die elektrische Oberleitung an. Die neuen Gleise sollen zum Fahrplanwechsel der DB Netz AG am 10. Dezember 2017 in Betrieb genommen werden.
Für bremenports-Geschäftsführer Robert Howe ist die Investition in die neuen Gleisanlagen am Imsumer Deich entscheidend, wenn es darum geht, den Eisenbahnhafen Bremerhaven auf weiter wachsende Transportmengen vorzubereiten. „Der Ausbau der Bahnanlagen im Bereich Kaiserhafen, der vor zwei Jahren beendet wurde, hat zu einer ersten Erhöhung der Kapazitäten der Hafeneisenbahn geführt und bewährt sich schon heute. Die Investition am Imsumer Deich führt zu einer weiteren substanziellen Verbesserung. Davon wird unsere Hafen- und Logistikwirtschaft erheblich profitieren. Im Dezember steht dem Hafen eine weitere hochmoderne Achtergruppe zur Verfügung – Schieneninfrastruktur, die der Standort dringend braucht, wenn er die prognostizierten Zuwächse im nächsten Jahrzehnt bewältigen will.“
„Etwa jeder zweite Hinterlandcontainer, der bei uns umgeschlagen wird, wird schon heute mit dem Zug an- oder abtransportiert“, sagte Howe. Bei den Fahrzeugen liege der Marktanteil der Schiene in Bremerhaven noch deutlich höher: „Rund 1,8 Millionen Autos – das sind etwa 80 Prozent der umgeschlagenen Einheiten – erreichen oder verlassen den Hafen umweltfreundlich mit Güterzügen.“
Derzeit werden in Bremerhaven pro Woche durchschnittlich 570 Güterzüge abgefertigt. In Spitzenzeiten sind es deutlich mehr. Durch den Ausbau der Schieneninfrastruktur im Überseehafen soll die Zahl der wöchentlichen Züge auf bis zu 770 erhöht werden.
Mit dem Ausbau des Hafenbahnhofs Imsumer Deich wird die Zahl der Parallelgleise auf 16 verdoppelt. Die Nutzlängen der neu verlegten Gleise betragen 725 bis 750 Meter. Am Südkopf der neuen Achtergruppe wurde der Straßenverlauf „Amerikaring“ überplant.
Die Arbeiten für das umfangreiche Gleisbauprojekt begannen Ende 2014. Die Gesamtkosten betragen rund 30 Millionen Euro. Wie Howe ergänzte, unterstützt die Europäische Union den Bau mit insgesamt 3,7 Millionen Euro aus dem TEN-T-Programm (Förderung des transnationalen Verkehrsnetzes).
Für den Ausbau der Bahnanlagen mussten Büsche gerodet, Leitungen verlegt und Gebäude abgerissen werden. Eine vorab durchgeführte geotechnische Untersuchung hatte ergeben, dass der Baugrund aus Weichschichten (Klei) mit Wattsanden und Torflagen besteht. Aus diesem Grund wurde der Baubereich in mehrere Abschnitte unterteilt und mehrere Monate lang mit großen Sandmengen vorbelastet. Dadurch wurden Setzungen erzwungen, die bis zu 80 Zentimeter betrugen. Die Tiefenentwässerung wurde durch den Einbau einer Drainagematte sichergestellt, die das Wasser zu einer Sickerrohrleitung führt.
Nach dem Rückbau der Sandauflast begannen die Vorbereitungen für den Oberbau. Im Weichenbereich wurden Hartholzschwellen verwendet, im Gleisbereich zwischen den Weichenköpfen lagern die Schienen auf Betonschwellen.
Die neuen Gleise werden in den kommenden Wochen komplett mit einer Oberleitung überspannt. Die Oberleistungsmasten werden teilweise für die Beleuchtung des Gleisfeldes genutzt. Die Weichenheizungen werden aus der Oberleitung gespeist. Der Nordkopf der neuen Achtergruppe wurde mit einer Bremsprobeanlage ausgestattet.

 

Earth Overshoot Day

7. August 2017

Die Rechnung der Erde an die Menschen*

Seit dem 2. August 2017 haben wir Menschen alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren und nachhaltig zur Verfügung stellen kann.

Am Earth Overshoot Day stellt die Erde jedem von uns eine Rechnung dafür.

Die Biokapazität der Erde beträgt pro Jahr 1,7 Globale Hektar pro Person (gha). Jeder Mensch verbraucht im Schnitt allerdings 3,3 Globale Hektar pro Jahr.

Dieser Verbrauch heißt auch ökologischer Fußabdruck.

Nun sammeln wir mit jedem Tag ein größeres Defizit an, indem wir die schon lange bestehenden Ressourcenbestände abbauen und Kohlendioxid in der Atmosphäre ansammeln. Wir überschreiten (engl. Overshoot) den uns gegebenen Rahmen und greifen auf die Reserven der Erde zurück, welche über Millionen Jahre angelegt wurden. Dass diese Rechnung nicht ewig aufgehen wird, ist klar.

Ihre Rechnung von der Erde

 

Urlaub war uns wichtiger als eure Zukunft, sorry**
Von Marc Baumann

Foto: Cathleen Naundorf

Mit unserem Lebensstil schädigen wir den Planeten unwiderruflich. Jeder weiß es, keiner tut wirklich etwas dagegen. Ein vorweggenommener Entschuldigungsbrief an unsere Kinder.

Liebe künftige Generationen,

sorry. Das mit der schmelzenden Arktis, das mit dem abgeholzten Regenwald, das mit den leergefischten Meeren, das waren wir. Wir haben euren Planeten ausgebeutet, eure Natur kaputt gemacht, euer Klima auf Jahrhunderte hinaus geschädigt. Unsere Wissenschaftler hatten uns zwar seit Jahrzehnten gewarnt, in immer eindringlicheren, verzweifelteren Worten, aber wir haben es nicht ernst genommen. Nicht ernst genug.

Und weil ihr, die ihr die Erde von uns erbt, zu Recht wütend auf uns sein werdet, entsetzt und fassungslos angesichts unserer Rücksichtslosigkeit und Dummheit, habt ihr ein Anrecht auf eine Erklärung. Nicht erst im Jahr 2050, wenn eh alles zu spät ist, sondern heute, 2017, wenn man es noch in allerletzter Sekunde hätte umbiegen können. Wir, die Erwachsenen weltweit, hätten mit aller Kraft und Macht auf die Bremse steigen müssen, aber wir sind weiter gut gelaunt und ignorant Vollgas mit unseren Verbrennungsmotoren gegen die Wand gefahren. Und ihr wart im Kindersitz auf der Rückbank dabei.

So einen Brief im Jahr 2017 zu schreiben könnte zynisch wirken. Aber es soll nur ehrlich sein. Eine traurige Erkenntnis. Es ist Mitte Juli, und da gerade kein Terror, G20 und nicht mal Bundesliga stattfinden, hört man in den Nachrichten ausnahmsweise was vom Klima. Ein gigantischer Eisberg ist abgebrochen, 175 Kilometer lang, bis zu 50 Kilometer breit. »Der Südpol zerbricht!«, hat die Bild-Zeitung getitelt, riesengroß und angsteinflößend. Endlich mal Action statt immer nur die drögen Zahlen und Statistiken, mit denen Klimaforscher zu belegen versuchen, was wir nicht hören wollen. Der Eisberg muss keine direkte Folge der Erderwärmung sein, wie Wissenschaftler gleich angemerkt haben, er erinnert aber unangenehmerweise daran. Und einwandfrei belegt ist, dass wir ein Hitzerekordjahr nach dem anderen erleben.

Trotzdem kenne ich nicht einen Kollegen, Bekannten, Verwandten oder Freund, der sich je ernsthaft angestrengt hätte gegen den Klimawandel zu kämpfen. Wir kaufen ab und an im Bio-Laden ein, trennen den Müll meistens und bei gutem Wetter lassen wir das Auto auch mal stehen. Viel bringt das nicht. Wir schimpfen lieber über den US-Präsidenten Donald Trump, der aus dem ohnehin kraftlosen Pariser Klimaschutzabkommen ausgetreten ist. Die Wahrheit ist doch: Wir haben selber nichts gemacht. Gegen jedes neue Windrad wird geklagt, Elektroautos will kaum jemand kaufen. Weil die Technik nicht ausgereift ist? Ja, aber wie soll sie das sein, wenn man lieber in neue Dieselmotoren investiert? Elektromotoren gab es schon um das Jahr 1830.

Wir sind nicht bereit, ernsthaft gegen den Klimawandel anzukämpfen, unseren verschwenderischen Lebensstil aufzugeben. Wer verzichtet denn auf Fernreisen wenn er sie sich leisten kann? Eine Bekannte von mir fliegt nach Thailand, wie man früher an den Gardasee gefahren ist – zwei-, dreimal im Jahr. Und ich? Als mich Freunde gefragt haben, ob ich mit ihnen auf einen Surftrip auf die Malediven fliege, habe ich abgesagt. Tatsächlich auch wegen des CO2-Ausstoßes (und der Kosten). Ich bin dann drei Monate später nach Portugal geflogen für eine Woche zum Surfen. Ich verzichte ein bisschen, aber weit jenseits der Schmerzgrenze. Weit jenseits der nötigen 80 Prozent und mehr, die jeder Bundesbürger (und andere Bewohner einer Industrienationen) von seinem persönlichen CO2-Austoß einsparen müsste, um eine Erderwärmung um mehr als 2 Grad Celsius irgendwie noch zu vermeiden.

Es wäre, Stand heute, also möglich – nicht leicht, nicht bequem, aber möglich. Wie? Sofortiger Aussteig aus der Kohle, konsequenter Umstieg auf regenerative Energien, nachhaltig leben, nicht mehr verbrauchen als dieser Planet nachwachsen lassen kann, viel weniger Fleisch essen. Ein Mammut-Projekt, aber: es wäre machbar. Wir retten systemrelevante Banken, wir retten leider nicht systemrelevante Wälder und Eisberge.

Der nötige radikale Lebenswandel könnte Arbeitsplätze schaffen und sich auf lange Sicht wirtschaftlich lohnen. Wir müssten hunderte Milliarden investieren in umweltfreundliche Technologien, aber wir hätten vielleicht Billionen an Folgeschäden durch Sturm, Flut und Dürre verhindern können. Tja. Hätten, müssten, könnten. Aber vielleicht trösten unsere Kinder und noch ungeborenen Enkelkinder die schönen Selfies, die wir 2017 im Urlaub in Australien, Kalifornien oder Dubai machen?

Was werden sie von uns denken? Wie werden wir uns rechtfertigen? Waren wir zu feige für den großen Schnitt? Oder noch nicht geängstigt genug von den drohenden Katastrophen? So richtig unheimlich und existenzbedrohend sieht der prophezeite Klimawandel aus Deutschland betrachtet noch nicht aus. Schlimm für die Menschen in Bangladesh, die im Meer versinken sollen, bitter für die Sizilianer, wenn dort in 20 Jahren kein Obstanbau mehr möglich wäre, aber in Bayern? Würden wir dann zum Skifahren halt ein paar hundert Meter höher fahren müssen.

Viel mehr Panik scheint nicht vorhanden zu sein, angesichts der Gefahr, einen ganzen Planeten aus dem natürlichen Gleichgewicht zu bringen. Nicht mal Eltern finden, dass sie die Erde für die Kinder retten müssten. Sie fürchten handysüchtige Kinder, Impfungen oder Laktoseintoleranz. Das große, potentiell riesige, offensichtliche Problem wird ignoriert.

Vielleicht liegt es in der Natur des Menschen, dass er nicht weiter als fünf, zehn Jahre denken kann. Ich glaube, es war uns einfach – sagen wir es doch einfach mal in aller Härte – scheißegal. Auf den Instagram- und Facebook-Timelines meiner Freunde sehe exotische Strände, ihre Abendessen mit Garnelen, Burger und Tunfisch, ihre neuen Autos, die neuen Sommerkleider, die neuen Turnschuhe. Nie sehe ich Fotos von Demonstrationen, niemand postet Aufrufe oder Artikel zum Thema. Es gibt keinen Aufschrei, keine Appelle an die Politik oder die Wirtschaft, endlich umzudenken.

Immerhin: Unsere Tatenlosigkeit ist gut dokumentiert in Millionen von Selfies, die unseren Hedonismus, unseren verantwortungslosen Lebensstil der Verschwendung, feiern. Solltet ihr uns eines Tages vor Gericht anklagen wollen wegen Umweltzerstörung, werdet ihr mehr als genug Beweise haben. Ich plädiere hiermit schon mal auf völlige Schuldfähigkeit.

*Veröffentlichung des WWF

**aus der Süddeutschen Zeitung

E.TWE: Rache ist Blutwurst

4. August 2017

Rot-Grün verliert Parlamentsmehrheit in Niedersachsen

Die knappe Ein-Stimmen-Mehrheit der rot-grünen Koalition in Niedersachsen ist Geschichte. Eine Abgeordnete der Grünen verlässt ihre Partei und Fraktion. Stattdessen schließt sich Elke Twesten der CDU an, die damit plötzlich den Ministerpräsidenten stellen könnte.

Die rot-grüne Koalition in Niedersachsen hat fünf Monate vor der nächsten Landtagswahl keine Regierungsmehrheit mehr. Die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten gab heute auf einer Pressekonferenz bekannt, dass sie Partei und Fraktion verlässt und sich stattdessen der CDU anschließt. SPD und Grüne verlieren damit ihre knappe Ein-Stimmen-Mehrheit. Die Zeit von Stephan Weil als niedersächsischer Ministerpräsident könnte mit dem Fraktionswechsel von Elke Twesten beendet sein.

Grund für ihren Schritt sei die Nicht-Nominierung für die Landtagswahl 2018 in ihrem Wahlkreis Rotenburg (Wümme), erklärte Twesten.

Sie habe sich allerdings schon länger mit dem Gedanken eines Wechsels getragen. Sie sei Anhängerin einer schwarz-grünen Regierungskoalition und habe eine „bürgerliche Grundstruktur“. „Ich bin keine Verräterin, ich fühle mich sehr gut“, so die Politikerin.

Misstrauensvotum oder Neuwahlen?

Was das für die Fortführung der Regierung von SPD-Ministerpräsident Stephan Weil bedeutet, war zunächst unklar. Mit dem Wechsel zur CDU gibt es im Landtag in Hannover eine Ein-Stimmen-Mehrheit für CDU und FDP. Theoretisch könnten sie Weil mit einem Misstrauensvotum absetzen.

Ob es dazu kommt, wollte CDU-Fraktionschef Björn Thümler auf der Pressekonferenz mit Twesten nicht sagen. Er forderte Ministerpräsident Weil zum Rücktritt auf, um den Weg für schnelle Neuwahlen freizumachen. „Diese Regierung kann nicht mehr handeln“, erklärte Thümler.
Sollte Rot-Grün zurücktreten, gibt es zwei Alternativen: Entweder es bildet sich eine neue Regierung. Wenn das nicht gelingt, kann sich der Landtag mit einfacher Mehrheit auflösen.
In Niedersachsen wird nach jetzigem Stand am 14. Januar 2018 ein neuer Landtag gewählt. Das Parlament verfügt über 137 Sitze. Nach dem Fraktionswechsel von Twesten verfügen SPD und Grüne gemeinsam über 68 Sitze, CDU und FDP kommen auf 69 Mandate.
Quelle: n-tv.de

mistkaeferterror meint: Dieser „Paukenschlag“ war vorauszusehen – verwunderlich ist nur, dass er erst jetzt kommt. Die grüne Karrierefrau Elke Twesten konnte nicht verwinden, dass sie zweimal in ihrem Bestreben von ihrer eigenen Partei ausgebremst wurde: Ihre Anläufe auf den Landratsposten im Landkreis Rotenburg  wurde von den eigenen Leuten hintertrieben und zuletzt wurde sie noch nicht einmal auf die grüne Liste zur Landtagswahl im Januar 2018 gesetzt.  Nicht weil sie ihren Wahlkreis  gewinnen würde – der ist sicher in CDU-Händen – , sondern weil vielen Parteimitgliedern ihr Stil zuwider war: Ihr politisches Programm besteht hauptsächlich aus einem Wort: „ICH!“

Die Frage eines Reporters nach dem, was ihr von der CDU geboten worden sei, wurde selbstverständlich mit „Nichts“ beantwortet. Ein Posten als Staatssekretärin in einer CDU-geführten Regierung dürfte jedoch mindestens drin sein.

Judas Iskariot bekam 30 Silberlinge für seinen Verrat – was Elke Twesten für ihren bekommen hat, bleibt vorerst Spekulation. Es wird irgendwann vielleicht herauskommen. Fest steht: Der Verrat wird kurz gefeiert – die Verräter eher nicht.

„In der Politik liebt man den Verrat, aber nicht den Verräter. Der Satz stammt von Julius Caesar; aber er gilt noch heute. Der Fraktionswechsel der Abgeordneten ist selbstsüchtig, unredlich und schäbig – wer mag solche Leute schon? Der Wechsel ist aber nützlich für die CDU. Man soll der CDU nicht vorwerfen, dass sie diese Chance nutzt“, so Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung.

Ein persönliches Nachwort

Elke,

was ging in Dir vor, als Du Dich wie eine Trophäe von Deinen bisherigen politischen Gegnern -wohl inszeniert- hast vorführen lassen?

Haben Deine Parteifreunde und -freundinnen nicht gemerkt, wie Du Dich immer mehr zurückgezogen hast, ist da niemand auf Dich zugegangen mit den Worten „Hey Elke, was ist mit dir los?“

Da ist wohl jeder/jede mit seinem eigenen Ego beschäftigt, dass man nicht mehr merkt, wie eine/r sich immer mehr zurückzieht. Zum/Zur „Hinterbänkler/in“ wird.

Die Grünen haben schon lange ihre Wurzeln gekappt und damit ihre Ideale verloren. Es fing an, als sie die süßen Früchte der Macht schmeckten und als erstes die Rotation aufgaben. Dabei war dieses Ideal ein Ansatz, den Politbetrieb zu öffnen für mehr Teilhabe der Bevölkerung an der Demokratie. Politiker wäre nicht zu dem „Beruf“ geworden, wie er heute vielfach als selbstverständlich empfunden wird. Wenn man nach vier Jahren turnusmäßig abtreten muss, bewahrt man sich seine Bindungen in die Gesellschaft und fängt nicht an zu rempeln.

Ich danke Dir für die gute Zusammenarbeit bei der Planung der Veranstaltung mit Toni Hofreiter im September 2011. Deinen Schritt jetzt kann ich allerdings nicht verstehen.

Alles Gute für Dich

Manfred