Martin Luther

31. Oktober 2016

Am heutigen Reformationstag wird das Luther-Jahr 2017 eingeläutet. Martin Luthers Lehren haben die Kirche gespalten – und die Welt verändert.

Mit der Ausgabe vom 29. Oktober beginnt Der Spiegel eine fünfteilige Serie, die sich mit Martin Luther, seiner Zeit und mit der Kulturgeschichte des deutschen Protestantismus befasst. Die oben angeführte Ausgabe beginnt auch gleich mit einem Paukenschlag:

 LUTHER  DER ERSTE WUTBÜRGER

Die Beschreibung der damaligen Zeit kann fast eins zu eins in die Gegenwart übertragen werden. Ähnlich wie heute war es ein Zeitalter im Umbruch – 1541 eroberten die Türken die Städte Buda und Pest – heute ist es ein Stellvertreterkrieg im nahen Osten, der die Flüchtlingsströme nach Europa bis in den Norden nach Schweden schwemmt. Die römische (katholische) Kirche des Mittelalters hatte sich von den Gläubigen getrennt, sie war ein System, das für sich selbst existierte, vergleichbar mit der heutigen Politikerkaste, bestehend zum großen Teil aus „Berufspolitikern“, die längst den Bezug zum Leben der von ihnen regierten Menschen verloren haben. Ein Volk, dem alle vier Jahre Honig ums Maul geschmiert wird und Parteien, die, ähnlich den Herzogtümern des Mittelalters,  ihre Pfründe genauestens abgesteckt haben.

Ein Europa, das durch nationalistische Bestrebungen wieder auseinanderfliegt und eine „Regierung“ in Brüssel, die im Verordnen von Kleinkram ganz groß und bei großen Entscheidungen ganz klein ist.

Das alles in einer Welt ohne Ordnung, in der sich Staaten untereinander bekriegen, in der die Reichen immer reicher und, weil die zu verteilenden Güter endlich sind, die Armen immer ärmer werden . . . . .

Wir sind weit davon entfernt, dass es in tausend-und-eins Jahren einen doppelten Gedenktag geben wird: 1000-Jahre-Luther-1517 und 500-Jahre-Luther(oderwerauchimmer)-2017 

An diesem Montag nun, dem Reformationstag, läuten die evangelischen Christen mit dem Start ins Luther-Jahr 2017 die Gedenkfeiern ein, mit der sie an die Geburtsstunde des Protestantimus erinnern: Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel und andere Missstände in der Kirche.

Damit löste der Augustiner-Mönch Luther die weltweite Reformation aus, die zur Spaltung der Kirche führte. Im Folgenden sollen die historischen Ereignisse und deren weitreichende Folgen – nicht nur für die Christenheit – beleuchtet werden.

Luther und das Geld              

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“ So heißt es zu Luthers Zeiten. Gemeint ist damit der Ablasshandel. Wer einen kräftigen Obolus an die Kirche zahlt, kann sich von seinen Sünden freikaufen. Die harsche Kritik Luthers an diesem „Schacher um die menschliche Seele“ bildet den Kern für seinen Kampf gegen die katholische Kirche.

„Der Papst kann nicht irgendeine Schuld erlassen“, urteilt Luther 1517 in seinen 95 Thesen, die weitgehend eine Abrechnung mit dem Ablasshandel darstellen. Das Volk werde durch die Amtskirche „betrogen“. Der versprochene Sündenerlass – alles nur „Lug und Trug“. Und dem Papst empfiehlt Luther stattdessen „den Verkauf der Basilika des Heiligen Petrus“. Das ist der Frontalangriff auf Rom und die Autorität des Papstes.

Luther und der Papst                  

Das Papsttum zu Luthers Zeiten ist kein Ruhmesblatt für die katholische Kirche. Im Vatikan herrschen Korruption und Vetternwirtschaft, Prunksucht und Machtgier. Mancher Papst des Mittelalters schreckt selbst vor Mordkomplotten nicht zurück. Und dann kommt da dieser junge Mönch aus dem Norden, der ihnen ans Geld will.

Mehr noch als in seinen 95 Thesen gibt Luther 1520 in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“ dem weit verbreiteten Unmut über die Kirche ein Ventil. Rigoros listet er die Missstände auf – vom Ablasshandel über den Priesterzölibat bis zur Prunksucht der Päpste. Der Pontifex, das ist für Luther nur „der Spitzbube zu Rom“ oder gar „das verblendete Teufelskind“. Doch es geht Luther um noch mehr. Er rüttelt an den Grundfesten des katholischen Glaubens.

Luther und sein Glaube           

Der Mensch kann nicht durch seine guten Werke vor Gott bestehen, sondern allein aus seinem Glauben („sola fide“). Dieser Gedanke wird zum Kernstück von Luthers Theologie, ja der gesamten Reformation. Gott nicht als strafender Richter über das Seelenheil des Menschen und seiner frommen Taten, sondern als gnädiger Retter derer, die fest im Glauben sind. Das steht im Widerspruch zur geltenden Lehre der katholischen Kirche. Und damit nicht genug.

Luther will auch die sieben Sakramente, eine weitere zentrale Position der Amtskirche, auf zwei zusammenstreichen: Von Taufe, Beichte, Abendmahl, Firmung, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung sollen nur Taufe und Abendmahl übrig bleiben. Und noch mehr: Für Luther steht der einzelne Gläubige in einer direkten Beziehung zu Gott, der Gläubige sei somit Priester. Damit verliert die Kirche ihre Funktion als Mittlerin zwischen beiden. Luther stellt damit die Funktion des Priesters und damit letztlich die Stellung der Kirche in Frage.

Luther und die Amtskirche         

Das kann Rom nicht hinnehmen. Zwischen 1517 und 1521 muss sich Luther mehrmals vor Fürsten, Reichsständen und Gesandten des Papstes für seine Lehre verantworten. Als er standhaft den Widerruf verweigert, wird Luther im Januar 1521 von Papst Leo X. exkommuniziert. Kurz darauf verhängt Kaiser Karl V. die Reichsacht über ihn – Luther ist nun vogelfrei. Der Bruch war nicht mehr zu kitten, stattdessen führten Luthers Lehren zur Spaltung der Christenheit, die bis heute andauert. Heute, 500 Jahre nach Luther, schreitet die Ökumene nur langsam voran.

Jedenfalls können sich Katholiken und Protestanten darauf einigen, den 500. Jahrestag des Thesenanschlags gemeinsam als „Christusfest“ zu begehen. Was nichts daran ändert, dass sich die katholische Kirche weiterhin klar von den Luther-Nachfolgern abgrenzt. In dem Dokument „Dominus Jesus“ stellt der Vatikan im Jahr 2000 klar, dass es sich bei ihnen nicht um eine „Kirche im eigentlichen Sinn“ handle. Immerhin: Bei einer gemeinsamen Pilgerreise nach Jerusalem stellen katholische und evangelische Bischöfe aus Deutschland fest, man lebe eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“.

Luther und der Thesenanschlag 

Der 31. Oktober 1517, als Martin Luther seine 95 Thesen ans Tor der Wittenberger Schlosskirche schlägt, gilt heute als Urknall des Protestantismus. Doch glauben nicht wenige Kirchenhistoriker: Der Thesenanschlag hat so nie stattgefunden, vielmehr habe der Reformator in spe seine Ideen lediglich als Rundschreiben an seine Vorgesetzten versandt. Die „Hammerschläge, die bis Rom zu hören waren“ – nur eine schön erfundene Legende? Die Kirchentür kann darüber kein Zeugnis mehr ablegen – sie wurde 1760 bei einem Brand vernichtet.

Luther und die Machtfrage  

Luthers Reformation ist keine weltliche Revolution. Seine Revolte ist religiös begründet – nicht politisch. Er will kein Aufbegehren gegen die weltliche Obrigkeit. Als etwa 1524 die Bauern unter Führung von Luthers früherem Wegbegleiter Thomas Müntzer gegen ihre Ausbeutung und gegen soziale Missstände revoltieren, grenzt sich Luther klar von ihnen ab und nennt sie „räuberische und mörderische Rotten“.

Gleichwohl wurde die Idee der grundlegenden Erneuerung der Kirche alsbald zum Spielball politischer Interessen. Knapp ein halbes Jahr nach dem Tod Luthers 1546 gibt es die erste kriegerische Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten. Und der 30-jährige Krieg, der von 1618 bis 1648 weite Teile Europas verwüstete, ist ohne die Reformation nicht denkbar.

Luther und die Juden             

Es ist das dunkelste Kapitel der Luther-Geschichte. 1543 veröffentlicht er seine Hetzschrift „Von den Juden und ihren Lügen“, in der er den Fürsten Ratschläge erteilt, wie sie „mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden“ umspringen sollten. Nämlich: Ihre Synagogen anzünden, ihre Häuser einreißen und die Juden selbst „wie die Zigeuner“ in Lager verbannen. Luther schließt sich damit dem damals weit verbreiteten Judenhass an.

400 Jahre später werden sich die Nazis auf Luther beziehen, als sie den Holocaust planen. Julius Streicher, Herausgeber des NS-Hetzblatts „Der Stürmer“, beruft sich bei den Nürnberger Prozessen auch auf Luthers Erbe. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sieht sich Ende 2015, also schon weit im Vorfeld des Lutherjahres 2017, veranlasst, eine „notwendige Erinnerung“ zu veröffentlichen. Darin heißt es, die EKD verschließe „die Augen nicht vor Fehlern und Schuldverstrickungen der Reformatoren“.

Luther und die Frauen   

Als Martin Luther, der Mönch aus dem Orden der Augustiner-Eremiten, 1525 die frühere Zisterzienser-Nonne Katharina von Bora heiratet, markiert dieser Schritt, nach seiner bereits publik gemachten Ablehnung des Zölibats, gleichsam den privaten Bruch Luthers mit der Amtskirche. Dabei hat er noch wenige Monate zuvor geschrieben: „Ich bin weder Holz noch Stein, aber mein Sinn steht der Ehe fern.“

Das Paar wird sechs Kinder in die Welt setzen. Es war sicher nicht allein die innige Liebe Luthers zu Katharina der Grund für die Heirat. Luther sah sich wohl in der Pflicht, war Katharina doch zuvor mit elf Glaubensschwestern aus dem Kloster geflohen – sie waren fasziniert von Luthers Lehre – inklusive seinem Plädoyer für die Priesterehe.

Luther und die Sprache            

Es ist ungemütlich auf der Wartburg, zugig und kalt. Trotz aller Widrigkeiten erschafft Luther in den zehn Monaten, die er 1521 in dem unwirtlichen Gemäuer in Eisenach verbringt, sein eigentliches opus magnum: Binnen nur elf Wochen übersetzt er das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche – und treibt damit die Schaffung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache entscheidend voran.

Vier Jahrhunderte später wird der Schriftsteller Thomas Mann urteilen, Luther habe „durch seine gewaltige Bibelübersetzung die deutsche Sprache erst recht geschaffen“. Zu Hilfe kommt ihm dabei Gutenbergs revolutionäre Buchdruck-Technik. So erreicht das Buch für jene Zeit sensationelle Auflagen. Und: Durch die volksnahe Sprache Luthers verliert die Amtskirche die Deutungshoheit über die Bibel. Das des Griechischen und Lateinischen unkundige Volk kann nun selbst die Texte der Heiligen Schrift nachlesen – und für sich selbst auslegen.

Luther und das Apfelbäumchen 

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Ein Bekenntnis zum Glauben, zur Auferstehung und zum Leben nach dem Tod. Ein Satz für die Ewigkeit. Dumm nur: Martin Luther, dem der Spruch vielfach zugeordnet wird, hat ihn nie gesagt. Wahrscheinlich, so die heutige Geschichtsforschung, wurde der Satz erst nach dem Zweiten Weltkrieg, in einer Phase der Angst und Verzweiflung, Luther in den Mund gelegt.

Und dies ist nicht der einzige Fall, bei dem Luthers Zitatensammlung retuschiert wurde. So soll der Reformator im April 1521 seine Rechtfertigungsrede vor Kaiser Karl V. in Worms der Überlieferung nach mit den Worten geschlossen haben: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Ein Satz, der heute tief im deutschen Zitatenschatz verankert ist. Tatsächlich aber, so schreibt der britische Historiker Diarmaid MacCulloch in seinem Standardwerk „Die Reformation“, fügte der erste Herausgeber von Luthers gesammelten Schriften, Georg Rörer, den Satz eigenmächtig hinzu. So wurden die vermeintlichen Schlussworte von Worms zum Bekanntesten, das Luther nie gesagt hat.

Quellen: Der Spiegel, 29.10.2016, FUNKE MEDIEN NRW GmbH, 2016

 

 
         

 

.

 

 

 

Advertisements

Verschmutzte Luft: Gehirnschäden

31. Oktober 2016

Unicef: 300 Millionen Kinder atmen verschmutzte Luft

Dem Kinderhilfswerk Unicef zufolge atmen etwa 300 Millionen Kinder regelmäßig verschmutzte Luft ein – also jedes siebte Kind auf der Welt.

Ihnen drohen Atemwegserkrankungen und Gehirnschäden.

Besonders betroffen sind Regionen in Afrika sowie im Süden und Osten Asiens.

Rund 300 Millionen Kinder weltweit müssen tagtäglich gefährlich verschmutzte Luft einatmen, die ihrer Gesundheit schweren Schaden zufügen kann. Diese Zahl nannte das UN-Kinderhilfswerk Unicef  in einer am Montag vorgelegten Studie. Die hohe Konzentration von Giftstoffen in der Luft setze diese Kinder einem Risiko von Atemwegserkrankungen und sogar von Gehirnschäden aus.

Die Verschmutzung sei ein „erheblicher Faktor beim Tod von rund 600 000 Kindern unter fünf Jahren jedes Jahr“.  Jedes siebte Kind auf der Welt atmet den Befunden zufolge Luft ein, deren Verschmutzungsgrad die internationalen Grenzwerte um mindestens das Sechsfache übersteigt, heißt es in der Studie.

Besonders betroffen: Kinder in Asien und Afrika

Diese Giftstoffe schadeten nicht nur den Atemwegen der Kinder. Sie können auch ins Gehirn gelangen „und dauerhaften Schaden an den sich entwickelnden Gehirnen anrichten“, erklärte Unicef-Direktor Anthony Lake. Damit werde die Zukunft dieser Kinder unumkehrbar beeinträchtigt: „Keine Gesellschaft kann es sich leisten, die Luftverschmutzung zu ignorieren.“

Besonders betroffen sind der Studie zufolge Kinder in Süd- und Ostasien sowie in Afrika. Die Giftstoffe stammten demnach aus Autoabgasen und anderen fossilen Brennstoffen, aus dem Verbrennen von Müll und der Verbreitung von Staub. Besonders ärmere Kinder seien zudem in ihren Häusern giftiger Luft ausgesetzt, wenn dort Holz und Kohle zum Kochen und Heizen verbrannt werde.

© Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH

 

 

Da geht noch was

28. Oktober 2016

„Lehnen wir ab!!! Komplett streichen!“* Mit diesen markigen Worten und vier Ausrufezeichen hat der Verkehrsminister Alexander Dobrindt die Pläne des Bundesjustizministers Heiko Maas verhindert, deutschen Verbrauchern eine Sammelklage gegen Unternehmen zu ermöglichen. Hauptsächlich ging es Dobrindt dabei um die Autoindustrie, die er vor etwaigen Verlusten schützen wollte, war es doch der VW-Skandal in den USA, der den Justizminister endlich auf Trab brachte. Maas wollte als Reaktion auf die von VW geschönten Abgaswerte ein Gesetz über eine sogenannte „Musterfeststellungsklage“ auf den Weg bringen. Als sein Ministerium den Bundestag unterrichten wollte, schritt Dobrindt ein: Der Passus zur deutschen Variante der Sammelklage wurde von ihm komplett gestrichen. Und das ohne irgendeine Begründung.

Auch die Einführung einer „Blauen Plakette“ scheiterte an Dobrindts Veto.

Um die Atemluft für die Bürger in den Städten erträglicher zu machen, sollte, so die Planung im Umweltministerium, eine Plakette eingeführt werden, die nur noch Dieselfahrzeugen mit einem optimalen Abgasreinigungssystem die Fahrt in die Städte erlaubt hätte. Vor allem ging es dabei um die krebserregenden Feinstaubpartikel.

„Die Pläne sind vollkommen unausgegoren und mobilitätsfeindlich“ , so Dobrindt. „Das Ergebnis wäre ein faktisches Einfahrtverbot für Dieselfahrzeuge. Das werde ich nicht akzeptieren.“

Seitdem liegen die Pläne des Umweltministeriums auf Eis. Die Bürger fragen sich: Wo nimmt dieser Wicht die Macht her und warum kuschen alle vor ihm?

 

100_1175

Das Foto zeigt Alexander Dobrindt mit seiner Muse Vauweonore Abgasia in einer eigens für ihn von der Firma BMWMBVW erstellten StadtluftSauna. Seine Lunge unterzieht er gerade einer Spezialbehandlung nach der Devise „Da geht noch was“.

*So Dobrindts handschriftlicher Vermerk im Eckpunktepapier des Justizministeriums

Der 15-Milliarden-Deal

26. Oktober 2016

Einigung auf 15-Milliarden-Deal für VW in den USA
„Die Bundesregierung muss Druck machen für „Strafzahlungen“ in das Gesundheitssystem – Bürger in Deutschland, die täglich schädliche Abgase einatmen mussten und noch immer müssen, sind ebenfalls zu entschädigen“, fordert der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Für die Volkswagen AG scheint in den USA die Kuh vom Eis zu sein. 15 Milliarden US-Dollar Entschädigung wird VW für den Abgasbetrug in den USA zahlen. Ein Deal der in Deutschland scheinbar unmöglich ist,  jedenfalls so lange wie die Bundesregierung der treue Freund der Autoindustrie bleibt. Der VCD fordert die Bundesregierung auf, mehr Druck zu machen und endlich auch für die Bürger, die in Deutschland durch die Manipulationen betroffen sind, zu handeln. Auch ohne eindeutigen Rechtsanspruch aus dem deutschen Verbraucherrecht ist ein Deal für die Gesundheit der Menschen möglich.

Konkret fordert der VCD, dass die Volkswagen AG verpflichtet wird, neben der Umrüstung  der mit illegaler Software zugelassenen Fahrzeuge zusätzlich einen Betrag in das deutsche Gesundheitssystem einzuzahlen. VW würde somit für den durch sie verursachten Schaden durch gesundheitsschädliche Schadstoffe einstehen. Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger erhielten eine Entschädigung.

Dazu Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Es ist nicht erklärbar, dass die vom Abgasskandal Betroffenen in Deutschland leer ausgehen. Die Bundesregierung darf sich an dieser Stelle nicht hinter dem fehlenden Rechtsanspruch verstecken. Und VW sollte sich auf solch einen Deal einlassen, um wirklich Vertrauen zurückzugewinnen.“

Eine Strafzahlung in das Gesundheitssystem wird außerdem ein Modell für andere Hersteller sein, die ebenfalls in den Abgasskandal involviert sind. Denn die Messlatte für Sanktionen muss für alle Hersteller gleich hoch sein.

Lottsiepen betont: „Für die Politik ist es höchste Zeit, die Verbraucherrechte zu stärken und durch realistische Tests sowie Kontrollen Abgasbetrügereien in der Zukunft zu verhindern.“

Neues aus der Giftküche

25. Oktober 2016

Menschenversuche auf dem Acker *     

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist in aller Munde: Es steckt in Tierfutter, in Brot, in der Milch. Wie gefährlich ist das Unkrautvernichtungsmittel? Als “wahrscheinlich krebserregend für den Menschen” hat die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Mittel eingestuft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hingegen fällte vorige Woche das gegenteilige Urteil: “wahrscheinlich nicht krebserregend”. Kritiker werfen der EU-Behörde vor, sich zu sehr auf Industriestudien zu verlassen. Dabei offenbart der Glyphosat-Streit vor allem ein eklatantes Problem bei der europäischen Wirkstoffprüfung.

Die EU-Lebensmittelwächter bewerteten – ganz gesetzeskonform – nur den reinen Wirkstoff Glyphosat, die WHO-Experten hingegen zusätzlich die tatsächlich eingesetzte Pestizidmischung, also handelsübliche Produkte wie Monsantos “Roundup”. Solche Mixturen jedoch können giftiger sein als Glyphosat allein. Gründliche Gefahrenprüfungen für Stoffmischungen sind in der EU jedoch nicht vorgeschrieben – eine Regelung, die es den Herstellern erlaubt, zugelassene Wirkstoffe nach Herzenslust zusammenzumischen, ohne deren kombinierte Wirkung ausgiebig testen zu müssen.

Auf den Äckern landet aber nicht reines Glyphosat, sondern immer das fertig gemischte Pestizid. Auch im Gentech-Soja aus Südamerika, den hiesige Kühe fressen, finden sich alle Roundup-Inhaltsstoffe. Das Nachsehen haben die Verbraucher, die ungewollt und ungefragt an einem Menschenversuch teilnehmen.

Die europäische Wirkstoffprüfung ist folglich wirklichkeitsfern und industriefreundlich. Langzeitstudien zur Krebsgefahr von Roundup und anderen Glyphosat-Pestiziden hat die Industrie noch nie vorgelegt. Dazu müssen die Konzerne per Gesetz verpflichtet werde.

* Philip Bethge

 

 

 

 

 

Schwein sein bei Nadine Henke

20. Oktober 2016

Bruchhausen-Vilsen, bekannt durch die 1. Museumseisenbahn Deutschlands, hat nun ein weiteres Aushängeschild: Nadine Henke. Sie ist studierte Tierärztin und Landwirtin. Anläßlich der „Nacht der Landwirtschaft“ wurde sie am Dienstag in Berlin als „Beste Schweinehalterin Deutschlands“ ausgezeichnet und bekam dafür den Ceres-Award des DLZ-Agrarmagazins in der Kategorie Schweinehaltung.

In einem kurzen Beitrag des NDR kommt die Preisträgerin selbst zu Wort. Leider werden die Kriterien für die Bewertung durch den landwirtschaftlichen Verlag nicht deutlich; Tierwohl hat bei der Beurteilung sicher keine Rolle gespielt.

Zum Beitrag: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Niedersaechsin-ist-beste-Schweinehalterin,hallonds35520.html

 

Drohen – tricksen – betrügen

19. Oktober 2016

Landbesitzer fühlen sich betrogen so der Titel des Beitrags von panorama 3 im NDR-Fernsehen gestern abend.

In diesem 8-Minuten-Beitrag geht es um die Erweiterung der A 7. Von dem Bau der A 20 betroffene Landbesitzer können sich schon einmal schlau machen, was auf sie zu kommt.

https://www.ndr.de/fernsehen/panorama3/A-7-Ausbau-Landbesitzer-fuehlen-sich-betrogen,panoramadrei2266.html