Hamburger Durst wird mit einem Zug gelöscht

30. Juni 2016

Containerzüge ab Brauerei zum Hamburger Hafen

Die Warsteiner Brauerei im gleichnamigen Städtchen im Sauerland baut ihre Schienenlogistik aus und öffnet gemeinsam mit einem Speditionspartner ihre Zugkapazitäten für Container-Transporte aus der Region zum Hafen Hamburg. Partnerbahn ist die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE).

Warsteiner-Zug 1

Zweimal wöchentlich verkehren Containerzüge zwischen dem eigenen Terminal der Brauerei und dem Kombiverkehrsterminal Eurogate im Hamburger Hafen. Für das Basisvolumen der Transporte sorgt neben Warsteiner mit Bier-Exporten für den US-Markt die Spedition Ostermann aus Höxter. Um zusätzliches Frachtaufkommen in der Region zu akquirieren, gründete Ostermann gemeinsam mit einem Schweizer Partner die Firma Conjoin GmbH als eigene Vermarktungsgesellschaft.

Mehr Güter auf die Schiene
„Seit über zehn Jahren arbeiten wir in der Warsteiner Brauerei intensiv mit daran, die bestehende Eisenbahninfrastruktur sinnvoll zu nutzen und Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dazu bedarf es kreativer Ideen, engagierter Netzwerkpartner und letztlich auch eines langen Atems. Umso mehr freuen wir uns, dass es uns jetzt zusammen mit Conjoin und der WLE gelungen ist, über unseren brauereieigenen Gleisanschluss eine direkte Container-Verbindung zwischen dem Sauerland und dem Seehafen Hamburg zu schaffen“, erklärt Ulrich Brendel, Technischer Direktor der Brauerei. Warsteiner lässt seit Jahren von der WLE regelmäßige „Bierzüge“ nach München und nach Großbeeren bei Berlin fahren.

Während die Brauerei die Zugdisposition und den Terminalbetrieb übernimmt, ist die WLE für den Zug- und Rangierbetrieb zuständig. Detlef Berndt, Abteilungsleiter Vertrieb/Planung/Service bei dem Bahnunternehmen: „Wir freuen uns über die bereits gute Nachfrage und setzen gemeinsam mit unseren Partnern darauf, die Verkehre weiter auszubauen.“ Ralf Jahncke, Mitinvestor bei Conjoin und geschäftsführender Gesellschafter der TransCare GmbH, ergänzte: „Es bot sich einfach an, den Hamburger Zug der Brauerei auch für weitere Unternehmen in der Region zu öffnen, um die Auslastung zu verbessern. Mittlerweile gibt es Stammkunden aus völlig unterschiedlichen Wirtschaftszweigen, die im Import wie im Export via Hamburg von der Straße auf die Schiene umgestiegen sind. Der Zug ist fast voll, und wir denken bereits über ein drittes Zugpaar pro Woche nach.“

 

 

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Astroturfing*

27. Juni 2016

Unter Astroturfing versteht man das künstliche Nachahmen einer Bürgerbewegung oder Bürgerinitiative im Auftrag von Unternehmen, PR-Firmen oder politischen Institutionen. Durch die Illusion einer unabhängigen Massenbewegung soll den eigenen Interessen Legitimität verschafft werden. Bei den künstlich initiierten Bürgerinitiativen werden Unterstützer meist unter falschen Voraussetzungen und ohne Wissen um die wahren Drahtzieher akquiriert. Es handelt sich also um intransparente Kommunikation einer Interessenkoalition von vermeintlich selbstbestimmten, vermeintlich unabhängigen und vermeintlich real existierenden Unterstützern. Insofern der Auftraggeber oder Finanzier offen benannt wird und mit tatsächlich Engagierten gearbeitet wird, gilt das strategische Einbinden von Bürgern in die politische Interessenvertretung als Strategie des Grassroots-Lobbying. Astroturfstrategien haben ihren Ursprung in den 1970er Jahren in den USA und finden seit Ende der 1990er Jahre vermehrt in Europa Anwendung.

Wortherkunft

Astroturf ist ursprünglich der Name eines Kunstrasenherstellers. Im Englischen ist der Markenname zur allgemeinen Bezeichnung für Kunstrasen geworden. Im Englischen ist der Ausdruck für Bürgerbewegungen aus der gesellschaftlichen Basis „grassroots movement“. Ihr künstliches Nachahmen wird schlicht mit dem Wort für Kunstrasen bezeichnet – Astroturf.

Fallbeispiele Deutschland

Unser Revier – Unsere Zukunft – An Rur und Erft

Der Verein Unser Revier ist eine Bürgerinitiative die sich laut Satzung für die „Nutzung zuverlässiger heimischer Energien“ einsetzt. Gemeint ist damit die Braunkohle, die im rheinischen Braunkohlerevier westlich von Köln in mehreren großen Tagebauen von RWE abgebaut wird. Nach außen betont die Initiative zwar die Unabhängigkeit von RWE, aber es gibt zahlreiche Verbindungen zur Braunkohlelobby. Die relevanten Akteure dabei sind der Deutsche Braunkohle Industrieverein (DEBRIV) und der Ring Deutscher Bergingenieure (RDB). Durch die Illusion einer unabhängigen Bewegungen soll hier den Interessen der Braunkohlelobby Legitimität verschaffen werden.

Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung

Die Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung (GSV) tritt nach außen als neutraler, gemeinnütziger Verein auf und präsentiert sich auf ihrer Webseite als „unabhängig von Parteien und Interessengruppen“, finanziert sich jedoch u.a. über die Strabag-Tochter Deutsche Asphalt und den ADAC-Südbayern und weist Verbindungen zum Deutschen Asphaltverband und die Asphalt-Mischwerke Oberfranken auf. Pro-Straße-Bürgerinitiativen werden durch die GSV mit professioneller Hilfe bei der Pressearbeit und bei der Strategieentwicklung unterstützt. So findet professionalisierte Lobbyarbeit der Straßenbau- und Automobilbranche hinter dem Deckmantel verschiedener Bürgerbewegungen statt. Letztlich ist die GSV eine Vorfeldorganisation der Asphalt- und Baulobby, um lokale Initiativen für mehr Straßen aufzubauen. Durch den Druck dieser Initiativen soll mehr staatliches Geld in den Straßenbau fließen.

Schilderüberwachungsverein (SÜV)

Der Schilderüberwachungsverein e.V. (SÜV) wurde im Februar 2014 gegründet und ist nach eigenen Angaben ein Verein „mit dem Zweck, die Verkehrssicherheit in Deutschland durch die qualitative Verbesserung der Verkehrsschilder zu erhöhen“ Bürger werden u.a. dazu aufgerufen „schlecht erkennbare Verkehrsschilder aufzuspüren […], die Öffentlichkeit auf diese hinzuweisen und die Erneuerung der Schilder zu forcieren“ Unter anderem aufgrund von personellen Verbindungen mit der Werbeagentur Die Crew AG und inhaltlicher Übereinstimmung mit dem Industrieverband Straßenausstattung (IVSt), von dem der SÜV sowohl beratend als auch finanziell unterstützt wird liegt die Vermutung nahe, dass hier eine Bürgerinitiative im Auftrag von Unternehmen künstlich nachgeahmt wird.

Waste Watchers

Waste Watchers war eine vermeintliche NGO im Umweltbereich. Wie der „Spiegel“ 1995 enthüllte, war der Initiator der Organisation jedoch der ehemalige Pressesprecher von Tetra Pak Deutschland. Zudem hatten mindestens vier der sechs Gründungsmitglieder berufliche Verbindungen zu Tetra Pak. Ein weiterer war der Schwiegervater des ehemaligen Pressesprechers. Die Organisation setzte sich mit Mitteln der Öffentlichkeitsarbeit für den Bau und die Akzeptanz von Müllverbrennungsanlagen ein. Den etablierten Organisationen im Umweltbereich wurde der Vorwurf gemacht, dass ihre Ablehnung von Müllverbrennungsanlagen zu einer Zunahme von Müllbergen im öffentlichen Raum führe. Ziel war die Diskreditierung der Arbeit von Organisationen wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Dazu kippten sie auf Umweltmessen eimerweise Müll vor die Stände des BUND. Ebenso wurden Desinformationskampagnen initiiert. Darüber hinaus kam es sogar zur persönlichen Verleumdung des Geschäftsführers BUND Baden-Württemberg. Infolge der Veröffentlichungen des „Spiegels“ kam es zu einem erheblichen Imageverlust von Waste Watchers. Danach gelang es der Organisation nicht mehr sich öffentlichkeitwirksam zu präsentieren und zu positionieren.

*Lobbypedia

Österreich – kein Vorbild für Deutschland

Christian Kern ist der neugewählte Bundeskanzler von Österreich. Ein Hoffnungsträger für das Land.

„Seit dem 7. Juni 2010 war Christian Kern Vorstandsvorsitzender der ÖBB-Holding-AG und für die Bereiche Strategie, Kommunikation, Personal und den Güter- bzw. Personenverkehrsbereich zuständig. Von Februar 2011 bis Mai 2016 war er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Tochtergesellschaft Rail Cargo Austria (RCA). 2014 wurde sein Vertrag bei der ÖBB vorzeitig bis 2019 verlängert.

Am 1. Jänner 2014 wurde Kern für zwei Jahre zum Vorsitzenden der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen gewählt. In diesem Amt wurde er am 24. September 2015 für weitere zwei Jahre, bis Ende 2017, bestätigt.

Mit seinem Antritt als Bundeskanzler wurden alle seine Funktionen im Bahnbereich obsolet, da er als Kanzler keine weiteren Berufstätigkeiten und Ämter ausüben darf.“*

Christian Kern hat gezeigt, wie die Bahn als wichtiger Verkehrsträger im Personen- und Güterverkehr vorangebracht werden kann. Die Hoffnung der Österreicher ist nun, dass er das mit seinem Land genauso bringt.

Abfärben auf Deutschland darf das aber auf keinen Fall. Auch hier stünde ein ehemaliger Bahnchef sicher bereit, die Nachfolge von Merkel anzutreten: Hartmut Mehdorn.

Was die Bahn angeht, kann sich Mehdorn jedoch nicht mit Kern vergleichen. Der hat die Bahn in Österreich zu einem wichtigen Verkehrsträger gemacht – für Mehdorn war eher wichtig, Sekunden schneller als der Flieger von A nach B zu kommen oder die Bahn an die Börse zu bringen. Beides ist ihm nicht gelungen, im zweiten Fall Gottlob!

Auch seine Auftritte bei Air Berlin und beim Hauptstadtflughafen gereichten nicht zu deren Erfolg.

*Wikipedia

Eine Hand wäscht die andere

Verflechtungen zwischen Autoindustrie und Politik 
von Katja Riedel, WDR

Ein Freund, ein guter Freund

Haben Verflechtungen zwischen Industrie und Politik die Affäre um
VW und andere Hersteller erst möglich gemacht? Dokumente, die NDR,
WDR und SZ vorliegen, zeigen: Politik und Industrie haben eng
kooperiert, der Einfluss der Autobosse auf die Politik ist groß

Warum sind die Abgastricksereien bei Volkswagen und anderen
Herstellern nicht etwa in Deutschland, sondern bei Tests in den USA
aufgeflogen? Gab es eine zu große Nähe zur Automobillobby, zu
Deutschlands stärkstem Industriezweig? Diesen und anderen zentralen
Fragen soll von diesem Sommer an ein parlamentarischer
Untersuchungsausschuss in Berlin nachgehen. 

Doch einen Einblick darüber geben schon Dokumente aus dem
Regierungsbetrieb. Nach Auswertung von Korrespondenzen aus Umwelt-,
Wirtschafts- und Verkehrsministerium zeigt sich: Jahrelang störte
sich im politischen Berlin niemand daran, dass die
Automobilindustrie weiterhin Fahrzeuge produziert, die viele
Schadstoffe ausstoßen. Im Gegenteil: Vehement kämpfte die
Autoindustrie gegen den Plan der EU, Hersteller von 2020 an zu
Modellen zu zwingen, die weniger Kohlendioxid ausstoßen und die
Umwelt darum auch weniger belasten. Und in den Ministerien fanden
die Autobosse stets Verbündete. Hier fürchtete man um den
einträglichsten deutschen Wirtschaftszweig. Die ökologischen
Folgen, Belastungen für den Verbraucher - sie waren offenbar
zweitrangig.

Herzlich begrüßt, dann abgebügelt

Die vorliegenden Dokumente zeigen, wer erfolgreich an den Türen der
Minister und der Kanzlerin anklopft - und wer als ökologischer
"Hardliner" belächelt wird. So erging es etwa dem Chef der
Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Bereits vor einem Treffen mit
ihm stand fest: Resch sollte bei einem Termin im November 2012 im
Wirtschaftsministerium zwar "herzlich" begrüßt, aber in der Sache
abgebügelt werden. Reschs Forderungen nach Einsparungen beim
Kohlendioxid seien "unrealistisch und werden von uns abgelehnt", so
heißt es in einem Vermerk zur Vorbereitung des Gesprächs. 

Ganz anders die Chefs der großen deutschen Hersteller und auch der
Verband der Automobilindustrie: Sie finden stets Gehör. Persönliche
wie telefonische Gespräche mit ihnen werden minutiös vorbereitet,
der jeweilige Minister, egal zu welcher Partei er gehört, auf deren
Argumente gebrieft.

"Unzufrieden mit Verlauf der Verhandlungen"

Philipp Rösler (FDP) etwa, der im Juni 2013 mit dem damaligen
BMW-Boss Norbert Reithofer telefonierte und vorab erfuhr, der
BMW-Vorstandsvorsitzende werde wohl seine "Unzufriedenheit" über
die Verhandlungen der Bundesregierung in Brüssel bekunden. Die
Empfehlung für Röslers Antwort in Vorbereitung auf das Telefonat:
"Auch ich bin sehr unzufrieden mit dem Verlauf der Verhandlungen"
in Brüssel, soll Rösler sagen. Darüberhinaus solle er BMW loben,
für die Aktivität des Konzerns in dieser Sache.

Der Schriftverkehr, die Gesprächsprotokolle und Aktennotizen
belegen auch, wie die Bundesregierung Wünschen nach mehr Einsatz
für die Interessen der deutschen Automobilhersteller möglichst weit
entgegengekommen ist. Und wie sie diese gegenüber der EU in Brüssel
durchzusetzen versucht hat - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. 

Bremseffekte in Brüssel

Ein Beispiel: Der Widerstand der deutschen Bundesregierung gegen
geplante Kohlendioxid-Regulierungen der EU-Klimadirektion. Diese
sollen sparsame Autos bevorzugen. Doch besonders sparsam sind
deutsche Autos bisher nicht, auch weil sie größer und schwerer sind
als andere, etwa die des Konkurrenten Fiat. Bei einem Jahrestreffen
zwischen dem Verband der Automobilindustrie, zwischen
Verkehrsministerium, Kraftfahrtbundesamt und Bundesanstalt für
Straßenwesen sind sich im Juni 2012 laut Protokoll alle Teilnehmer
generell einig, "dass eine frühzeitige, pro-aktive Einflussnahme in
Brüssel umgesetzt werden muss"damit Schaden von den deutschen
Herstellern abgewendet werden kann.

Schon ein paar Tage später zeigt sich am Beispiel CO2, wie das dann
in der Praxis aussieht. Die Vorgaben zur CO2-Reduzierung, die von
2020 an gelten sollen, belasten deutsche Konzerne besonders stark.
Seiner Besorgnis verleiht der Konzern VW in einem Brief an das
Bundeswirtschaftsministerium Ausdruck. Aus Sicht der deutschen
Automobilhersteller könne ein Eingreifen des
Wirtschaftsministeriums "sehr hilfreich sein".

Etappensieg zulasten der Umwelt

Nur Tage später wird Rösler tätig - mit einem Protestschreiben nach
Brüssel. Die Bundesregierung erzielt schließlich einen Etappensieg,
mit einem Bonusprogramm, das die deutschen Hersteller zu geringeren
Sprit- und Schadstoffreduktionen zwingt als ursprünglich
vorgesehen. Die Regelung wird also zugunsten der deutschen
Hersteller verwässert. Das geht zulasten der Umwelt - doch das
wiegt im Entscheidungsprozess der Bunderegierung offenbar nicht.

Der Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, der als
Umweltlobbyist auftritt, wendet sich generell gegen das
Bonus-System: "Die Rechnung ist einfach: Je niedriger der
Kraftstoffverbrauch, desto geringer die CO₂-Emissionen und desto
geringer die Tankrechnung." Das entlaste Verbraucher und Umwelt
gleichermaßen. Doch das Kanzleramt und andere Ministerien antworten
dem Verbraucherverband gar nicht erst. In einem Vermerk des
Wirtschaftsressorts schlägt man Minister Rösler vor, doch mit einer
reinen "Höflichkeitsantwort" zu reagieren.

Andere Regierung, gleiche Haltung

Die Papiere zeigen, dass nicht nur die schwarz-gelbe
Bundesregierung offenbar ausschließlich ein offenes Ohr für die
Interessen der Autoindustrie hatte. Auch unter SPD-Führung Sigmar
Gabriels ändert sich den Papieren nach an der Haltung des
Wirtschaftsministeriums nichts.

Nach monatelangen Debatten zwischen Umwelt-, Verkehrs- und
Wirtschaftsministerium notiert Gabriels Haus im Mai 2015: "Zentrale
Forderungen" des Verbands der Automobilindustrie beim Thema
Kohlendioxid-Reduzierungen "decken sich im Grundsatz" mit den
eigenen Eckpunkten. Sogar das von SPD-Ministerin Barbara Hendricks
geführte Umweltministerium schickt dem Verband kurz darauf einen
freundlichen Brief. Von Umwelt ist darin kaum die Rede. 

Geändert hat sich diese grundsätzlich industriefreundliche Haltung
auch nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen VW nicht. Das
Wirtschaftsministerium notierte im Oktober 2015, dass die
Bundesregierung die Aufklärung der Affäre "außenpolitisch
flankieren" solle. Von der Dachmarke "Made in Germany" solle
Schaden abgewendet werden, heißt es.






“ . . . und Hochmut kommt . . .

. . . vor dem Fall.“

In den Sprüchen Salomos, Kapitel 16 – Vers 8, heißt es im Ganzen: „Wer zugrunde gehen soll, der wird vorher stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.“*

In die Geschichte eingegangen ist Salomo als der 3. König des vereinigten Königreichs Israel nach Saul und David. Er herrschte im 10. Jahrhundert vor Chr. und gilt als der Erbauer des ersten Tempels in Jerusalem. Auch das „Salomonische Urteil“ geht auf ihn zurück.

Am  16.  Juni  war  der  letzte  Tag  der  Transport Logistic China  in Shanghai. Mehr als 16 000 Fachbesucher aus über 60 Ländern tummelten sich drei Tage lang auf dem Messegelände an der Long Yang Road in Shanghai. Eine sehr gute Gelegenheit, für die deutschen Nordseehäfen zu werben.

Das geschah dann auch unter dem Label German Ports. Unter diesem Dach hatten sich die maritimen Akteure aus Niedersachsen und Bremen zusammengefunden nach der Devise: Nur gemeinsam sind wir stark.

In Shanghai hätte es auch wenig Sinn gemacht, wenn jeder Hafen einzeln aufgetreten wäre, von China aus gesehen sind die Nordseehäfen nur ein einziges Pünktchen.

Ein Hafenstandort zierte sich jedoch, Mitglied dieses Pünktchens zu sein: Hamburg.

In Belgien und den Niederlanden hat man schon lange begriffen, dass Hafeninfrastruktur und Hafenstandortmarketing eine nationale Aufgabe sind, in Deutschland braucht es halt etwas länger, zumal man in Hamburg immer noch glaubt, das „Tor zur Welt“ zu sein.

 

 

 

EU: Verbrauchstests für Pkw

16. Juni 2017

EU beschließt realitätsnähere Verbrauchstests für Pkw ab 2017

VCD: Realitätsnäher bedeutet jedoch nicht Ausschluss von Manipulationen. Nachtests auf der Straße bleiben unabdingbar.

 

Berlin, 16. Juni 2016. EU-Rat und Parlament haben sich Dienstagnacht mit großer Mehrheit auf die Einführung der neuen Messprozedur WLTP ab September 2017 geeinigt. Damit haben sie den Versuchen der Autoindustrie, das Einführungsdatum zu verschieben, eine Absage erteilt. Ein wichtiger Schritt nach langem Ringen, den auch Deutschland unterstützt hat. Verbraucher erhalten damit künftig verlässlichere Angaben zum Kraftstoffverbrauch sowie CO2-Ausstoß.

 

Allerdings, so die Kritik des ökologischen Verkehrsclub VCD, ist die Einführung des WLTP nur ein erster Schritt, denn nach wie vor wird der Verbrauchstest im Labor stattfinden. Autoherstellern bleiben somit weiterhin Möglichkeiten, die Tests in ihrem Sinne zu schönen.

 

Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik: „Auch wenn mit dem WLTP die großen  Schlupflöcher geschlossen werden, vor allem durch eine strengere Definierung der Testbedingungen, werden Hersteller wieder Wege finden, Fahrzeuge auf den Labortest hin zu optimieren. Das heißt in der Konsequenz: der Verbrauch von Pkw und der damit verbundene CO2-Ausstoß muss zusätzlich durch Tests auf der Straße überprüft werden, ganz im Sinne der von Verkehrsminister Dobrindt angekündigten »Dopingstests«.“

 

Fleischfabrik Deutschland

15. Juni 2016

Gerade erschienen und schon in meinen Händen: Das Buch von Dr. Anton Hofreiter.

„Fleischfabrik Deutschland“

Eigentlich hatte ich keine Zeit und eigentlich wollte ich nur darin blättern, doch als ich auf die Uhr sah, waren drei Stunden vergangen. Drei Stunden Leselust.

Der Biologe Dr. Anton Hofreiter beschreibt anschaulich und mit vielen Beispielen gespickt, wie die industrielle Massentierhaltung trotz des Trends hin zu mehr Bio immer gewaltigere Ausmaße annimmt. Erschreckend, wie in gleichem Maße die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren durch die mit der Massentierhaltung einhergehende Zerstörung von Ökosystemen abnimmt. Intakte Ökosysteme sind jedoch auch für uns Menschen enorm wichtig.

„Als Biologe vergleiche ich die komplexen Ökosysteme häufig mit einem dichten Netz. Ein Netz, in dem jede Art ein einzelner Knoten ist und jeweils mit dem anderen verbunden ist. Doch mit jeder Art, die verschwindet, die wir von diesem Planeten ausradieren, verlieren wir einen Knoten. Maschen hängen nur noch in der Luft. Das Netz, das uns trägt, wird schwächer – bis es irgendwann zu reißen droht.“*

Anschaulicher kann der Untergang der Menschheit nicht beschrieben werden. Wir sind in der Natur mit der Axt (anschaulicher wäre hier die Kettensäge) unterwegs und zerschlagen die Knoten.

Dr. Anton Hofreiter prangert jedoch nicht nur an. Ein Kapitel am Ende des Buches zeigt auf, wie eine Umkehr ablaufen könnte.

Packen wir´s an, sonst wird das nicht mehr möglich sein.

Unbedingt lesenswert!

*Dr. Anton Hofreiter, Fleischfabrik Deutschland, Riemann Verlag München, ISBN 978-3-570-50202-0