Es hat sich nichts geändert

30. Oktober 2017

Grafik: Klaus Stuttmann, Weser Kurier, 10. Mai 2017

Erinnern wir uns noch?

Hat sich etwas geändert?

Es hat sich nichts geändert!

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Die Erde wehrt sich

26. Oktober 2017

 

 

Zum Thema ein Beitrag von Henryk M. Broder aus „Die Welt“ vom 14. Oktober 2017:

„Die Achse des Guten – Die Erde wehrt sich

Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: Er gleitet in seinem Wagen dahin, und plötzlich tut sich vor ihm die Erde auf. Ein Riesenloch, das ihn mitsamt Auto verschluckt. Die Szene kommt in vielen Horrorfilmen vor. Anderen Fahrern gelingt es noch, kurz vor dem Abgrund anzuhalten und aus dem Auto zu springen – nur um zuzusehen, wie ihr Opel Corsa oder Porsche Cayenne im Erdreich verschwindet. Die Strecke wird umgehend für den Verkehr gesperrt, und am Abend kann man in der „Tagesschau“ einen Bericht sehen, in dem Experten den Ort inspizieren und sich nicht erklären können, wie so etwas passieren konnte.
Ich habe den Eindruck, dass so etwas immer öfter passiert. Auf der Rheintalstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden, der meistbefahrenen Nord-Süd-Verbindung, haben sich vor Kurzem die Gleise abgesenkt, der gesamte Verkehr musste weiträumig umgeleitet werden. Ursache waren Bauarbeiten an einem Tunnel unterhalb der Gleisstrecke. Dass kein Zug entgleist ist, war nur dem Zufall zu verdanken.
Im elsässischen Lochwiller droht ein ganzes Dorf zu kollabieren, nachdem infolge einer Tiefenbohrung der Ort angehoben wurde. Damit hatte eine Familie nicht gerechnet, die nur die Erdwärme nutzen wollte, um ihr Eigenheim ökologisch korrekt zu beheizen.
Etwas Ähnliches war bereits vor Jahren in Staufen im Breisgau passiert, wo der Untergrund, ebenfalls nach einer Erdwärmebohrung, in Bewegung geraten war. Mehr als 200 Gebäude wurden beschädigt. Auch hier war guter Wille am Werk. „Die Gemeinderäte wollten der Umwelt Gutes tun, als sie entschieden, ihr Rathaus mit Erdwärme zu heizen“, schrieb die „Stuttgarter Zeitung“. Ein Sprecher des Bundesverbandes Geothermie machte folgende Rechnung auf: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schadensfall auftritt, liegt bei 0,002 Prozent“, bei den allermeisten der 350.000 oberflächennahen Bohrungen in Deutschland habe es keinerlei Probleme gegeben. Was denjenigen, die es doch erwischt hat, ein großer Trost sein dürfte.
Und nun ist es in Mecklenburg-Vorpommern passiert, ohne dass die Erde angebohrt wurde. Auf der A20 ist ein Stück Autobahn in die Tiefe gestürzt, etwa 1000 Kubikmeter Erde sind weggesackt. Die Autobahn musste gesperrt, der Verkehr umgeleitet werden. Die A20 wurde Ende 2005 nach elf Jahren Bauzeit eröffnet, Bundeskanzlerin Merkel hielt damals eine Rede und schnitt das Band durch. Nicht einmal Menschen, die an einem Freitag, der auf den 13. fällt, daheim bleiben, würden einen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit der Kanzlerin und dem Erdrutsch herstellen.
Was ist es dann? Ich habe da so eine Vermutung: Die Erde wehrt sich. Sie will nicht ausgebeutet werden, nur damit wir einige Minuten schneller von A nach B kommen oder ein paar Euro Heizungskosten sparen. Ich weiß, das klingt seltsam. Wer eine bessere Erklärung hat, der möge bitte vortreten oder für immer schweigen.“

Zum Thema eine Meldung des NDR-Regionalprogramms  vom 17.10.2017

„A 20 versinkt im Moor: Sanierung dauert Jahre

Die Fahrbahn der A 20 an der Trebeltalbrücke sinkt ab.
Wer als Autofahrer vorhat, mit dem Auto in sein Feriendomizil etwa auf Rügen oder Usedom aufzubrechen, muss für die Anreise künftig mehr Zeit einplanen. Möglicherweise könnte es sogar über mehrere Jahre hinweg Behinderungen auf der A 20 geben. Der Grund: Ein etwa 100 Meter langer Abschnitt der „Ostseeautobahn“ A 20 zwischen Tribsees und Bad Sülze (Landkreis Vorpommern-Rügen) in Richtung Rostock ist um rund einen halben Meter abgesackt. Die Folgen für den erst 2005 fertiggestellten Teilabschnitt sind aufwändige Sanierungsarbeiten, Straßensperrungen, Umleitungen und wohl auch lange Gesichter bei Autofahrern.

Abgesackte A 20: Reparatur soll Jahre dauern

Ein Teil der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern sackt immer weiter ab. Die Ursache ist noch unklar.

. . . . . .

Auf Torf gebaut

Der Autobahn-Abschnitt wenige Meter hinter der Trebeltalbrücke versank zuletzt buchstäblich im Moor – jeden Tag zwei Zentimeter mehr.  . . . . . . .  Das Problem ist der torfhaltige Untergrund. Der Abschnitt galt bereits beim Bau als schwierigster Abschnitt auf den gesamten 324 Kilometern des längsten deutschen Autobahnneubaus seit 1945. An die Trebeltalbrücke schließt sich ein Damm an, der auf einer bis zu 20 Meter tiefen Torflinse steht.  . . . . . .  Experten vermuten, dass beim Bau eingesetzte tragende Betonpfähle in der Torfschicht gebrochen sein könnten. „Dann müssten wir eine ganz neue Moorbrücke in der Tiefe bauen“, hatte der zuständige Mitarbeiter im Landesverkehrsamt, Ronald Norrmann, am Montag erklärt. Es könnte sich aber auch der Torf bewegt haben.  . . . . . . .   Ein Bodengutachten soll nähere Aufschlüsse bringen. Erste Einschätzungen sollen im Lauf der kommenden Woche vorliegen. Das Gutachten wurde bereits im August vom Land in Auftrag gegeben, nachdem die schleichende Absenkung – damals noch mit nur einem halben Zentimeter pro Tag – bemerkt wurde.  Es ist nicht auszuschließen, dass auch die Gegenfahrbahn absacken könnte. Beide Fahrspuren liegen nämlich auf dem Damm.
Dann würden die Sanierungsarbeiten wohl mehrere Jahre dauern: Die Autobahn müsste in diesem Bereich abgetragen werden, um einen tragfähigeren Untergrund zu schaffen. Dazu müssten noch längere Betonpfähle noch tiefer in den torfigen Boden gesetzt werden.“

Dazu mistkaeferterror:

Auch eines von vielen Zeichen vom Kampf der Erde gegen den Menschen: In Portugal wüteten Brände, der Rauch verfinsterte am 17. Oktober über Norddeutschland (und anderswo) die Sonne.

Gift in der Landwirtschaft ist Gift in Lebensmitteln ist Gift im Menschen

22. Oktober 2017

Zuerst die Meldung aus dem Weser Kurier vom 13. Oktober 2017

Explosion – Jugendlicher schwer verletzt

SARSTEDT. Bei einer Explosion in Sarstedt (Landkreis Hildesheim) ist ein 15-Jähriger schwer verletzt worden. Zeugenaussagen zufolge verursachten Chemikalien in der Hosentasche des Jugendlichen die Explosion, so die Polizei. Das Opfer sei während des Vorfalls zusammen mit drei Freunden in der Innenstadt unterwegs gewesen. Der Junge habe sich bei der Explosion nach Angaben der Freunde schwer an einer Hand verletzt. Er liegt derzeit im Koma und wird auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt. Die Jugendlichen sollen die Chemikalien zuvor beim Einbruch in den Chemieraum einer Schule gestohlen haben. 

Jetzt fragen wir uns automatisch, was diese Meldung mit dem Thema Landwirtschaft zu tun hat. Auf den ersten Anschein nichts: Landwirtschaft und Einbruch in eine Schule haben nun wirklich nichts miteinander zu tun. Oder doch?

Nämlich: Die Jugendlichen hatten Chemikalien entwendet und diese wohl in ihren Taschen verstaut. Chemikalien, die in der Schule (so nehmen wir an) ordnungsgemäß getrennt voneinander aufbewahrt waren. Um nicht aufzufallen steckten die jungen Diebe diese in ihre Taschen, nichts ahnend, was passieren könnte, wenn die einzelnen Stoffe durch Unachtsamkeit miteinander in Berührung kämen. Bei einem der Jugendlichen ist das wohl passiert und: Peng!

Schon sind wir beim Thema

Auch in der Landwirtschaft kommen im Verlauf eines Jahres die verschiedensten Chemikalien auf die Felder. Der Einsatz von Agrargiften in der konventionellen Landwirtschaft nimmt kontinuierlich zu. Die Bekämpfung von Unkräutern, Schadinsekten und Pflanzenkrankheiten mit Pestiziden ist integraler Bestandteil von Acker-, Gemüse- und Obstbau. Gifte gegen Pflanzen, Insekten, Pilze und mehr. Pestizide gibt es gegen praktisch alle biologischen Konkurrenten und Schädlinge unserer Kulturpflanzen. Am häufigsten eingesetzt werden Herbizide gegen Unkräuter, Insektizide gegen Schadinsekten und Fungizide gegen Krankheiten, die durch Pilzbefall verursacht werden. Doch auch Molluskizide gegen Schnecken, Rodentizide gegen Schadnager wie z. B. Feldmäuse, Nematizide gegen Fadenwürmer und weitere Mittel stehen zur Verfügung. Einige Mittel werden zudem zu anderen als ihren eigentlichen Zwecken eingesetzt: Fungizide können hormonell wirksam sein und dadurch Halmbruch im Getreide vorbeugen. Für Getreide stehen auch Wachstumsregulatoren zur Verfügung, die die Länge von Getreide reduzieren – die Bestände werden sozusagen „kurzgespritzt“, um die Gefahr des Umfallens bei Wind und Regen zu minimieren. Auch Herbizide – unter ihnen etwa Glyphosat, die weltweit populärste Chemikalie im Ackerbau – setzen Landwirte seit einigen Jahren zu anderen Zwecken ein: Im Anbau mit wenig Bearbeitung des Bodens ersetzen Herbizide zunächst die wichtigste Wirkung des Pflügens: die Unkrautkontrolle. Zur Anwendung kommen sie jedoch außerdem kurz vor der Ernte: Das Totspritzen von Getreide oder Raps soll die Ernte erleichtern, indem es die Feuchtigkeit des Erntegutes und damit die Trocknungskosten senkt. Ebenso wird bei Kartoffeln mit Herbiziden gearbeitet: Die behandelten Knollen entwickeln festere Schalen. Außerdem verhindert das Abspritzen, dass Viren über Blätter und Pflanze in die Kartoffeln gelangen.

Bei dieser hier aufgezählten Menge – und es gibt noch wesentlich mehr – kann man davon ausgehen, dass es den Landwirten so ähnlich geht wie den Jugendlichen in der Meldung des Weser Kurier: Sie haben keine Ahnung.

Sicher wissen sie, dass Gras mit Round Up totgespritzt werden kann und das bestimmte Insektizide gegen Schadinsekten wirken oder Fungizide bei Pilzbefall eingesetzt werden. Das war’s dann aber auch schon. Nichts wissen sie von der Zusammensetzung der einzelnen Gifte, was mit ihnen passiert, wenn sie in ihre Bestandteile zerfallen, die sich dann wiederum mit den Zerfallsprodukten anderer Gifte verbinden. Kann da ein Cocktail entstehen, der dann hochgiftig alles restliche Leben im Boden zerstört, der nach und nach immer tiefer sinkt und zuletzt im Grundwasser landet und damit das Trinkwasser für nachfolgende Generationen vergiftet.

Einsatz von Pestiziden in der deutschen Landwirtschaft

Ohne Agrochemie – so will es uns die Chemieindustrie glauben machen – wäre die moderne Nahrungsmittelproduktion nicht möglich. Doch die ökologische Landwirtschaft beweist es: Pflanzliche Produktion funktioniert auch ohne die chemische Keule – auch wenn das nicht immer einfach ist. Der Griff in den Chemiebaukasten ist schneller getan und viel billiger als beispielsweise die mechanische Kontrolle der Äcker: Unkräuter lassen sich auch mit Pflug, Hacke oder Striegel in Schach halten. Fruchtfolgemaßnahmen, also der abwechselnde Anbau unterschiedlicher Pflanzen, können ebenfalls einen wichtigen Effekt haben. Eine Ernte zum optimalen Zeitpunkt, ein ausreichender Abstand der Pflanzen voneinander oder eine mechanische Entfernung des Blattwerks bei Kartoffeln erfüllen dieselbe Funktion – ohne riskante Chemie.

Die eingesetzte Gesamtmenge an Chemiekalien in der Landwirtschaft ist auf konstant hohem Niveau: Im Jahr 2013 waren in Deutschland 269 Wirkstoffe zugelassen, die unter 1407 Handelsnamen vertrieben wurden. Die abgesetzte Gesamtmenge belief sich auf über 43.000 Tonnen. Seit Jahren schwankt dieser Wert leicht, bewegt sich aber immer um 40.000 Tonnen – mit leicht steigender Tendenz. Knapp 18.000 Tonnen entfielen auf Herbizide, Fungizide schlugen mit gut 10.000 Tonnen zu Buche und Insektizide mit 1.000 Tonnen. Den Rest machten andere Mittel aus.(1) Flächenbezogen steigt der Pestizideinsatz, denn die konventionelle landwirtschaftliche Nutzfläche nimmt langsam aber kontinuierlich ab. Dennoch sind die reinen Absatzmengen nur Hilfswerte, denn die Wirksamkeit einzelner Wirkstoffe ist sehr unterschiedlich. Während beispielsweise von Glyphosat einige Kilogramm pro Hektar ausgebracht werden müssen, sind etliche Insektizide in sehr viel niedrigeren Dosen, im Grammbereich, hochwirksam. Der Einsatz auf der Fläche nimmt immer weiter zu: Eine hohe Aussagekraft hat die Behandlungshäufigkeit, das heißt die Anzahl der durchgeführten Pestizid-Anwendungen auf der jeweiligen Anbaufläche. Im Jahr 2011 wurden Kartoffeln durchschnittlich 8,6 Mal gespritzt, Raps und Zuckerrüben etwa 5 Mal und Getreide etwa 3,5 Mal. Da jedoch häufig mehrere Mittel gleichzeitig in einer Tankmischung ausgebracht werden, kann die Behandlungsintensität deutlich höher liegen. Dieser Tatsache wird mit der Erfassung des sogenannten Behandlungsindex Rechnung getragen: Er bezeichnet die Anzahl der angewandten Pestizide bezogen auf die zugelassene Menge und die Anbaufläche. Beispiel: Ein Wert von 10 bedeutet, dass 10 Mittel mit jeweils 100 Prozent der empfohlenen Aufwandmenge gespritzt wurden – im Extremfall wäre das bei einer einzelnen Überfahrt möglich gewesen. Die Behandlungshäufigkeit wäre dann 1 gewesen. Die Behandlungsindizes liegen daher in der Regel über der Behandlungshäufigkeit. Für Kartoffeln lag der Index 2011 bei 10,8, für Raps bei über 6 und für Getreide einen halben Punkt über der Behandlungshäufigkeit.(2)

Über die letzten Jahre ist so eine gesteigerte Intensität des Pestizideinsatzes ablesbar: Lag der Index im Jahr 2000 für Kartoffeln bzw. Raps bei 8,5 bzw. 3,4, so war er 13 Jahre später (2013) mit 11,2 bzw. 6,6 deutlich höher – eine Tendenz die bei allen Kulturarten erkennbar ist.(3)+(4)

Traurige Spitze des Spritzens: Äpfel. Auch der Obstbau macht keine Ausnahme beim Pestizideinsatz – ganz im Gegenteil. Beispielhaft sei der Anbau von Äpfeln genannt. In Deutschland nimmt der Apfelanbau knapp die Hälfte der für den Anbau von Baum- und Beerenobst verwendeten Fläche ein, etwa 31.000 von 65.000 Hektar.(5) In den Jahren 2011 bis 2013 lag der Behandlungsindex im Apfelanbau bei 32, zehn Jahre zuvor war er bei 28. Am häufigsten kommen Fungizide zum Einsatz, vielfach zur Behandlung von Apfelschorf (Index 2013: 25,7). Herbizide (Index 1) und Insektizide (Index etwa 5) werden deutlich weniger eingesetzt. Doch auch ihre Anwendung ist gängige Praxis.(6)

Gift in Obst, Gemüse und der Umwelt: Der Pestizideinsatz in Acker-, Obst- und Gemüsebau bleibt nicht ohne Folgen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Anwendern und Konsumenten, aber auch auf die Umwelt, sind massiv und in ihrer letzten Konsequenz kaum abschätzbar. In Obst, Gemüse und anderen pflanzlichen Erzeugnissen fanden sich in Untersuchungen im Jahr 2013 in 2,4 Prozent der Proben mehr Rückstände, als die gesetzlichen Höchstmengen vorsehen. Dieser Wert entspricht laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) dem der Vorjahre. Einzelne Produkte sind für die Aufnahme von Pestiziden und damit für Rückstände deutlich auffälliger als andere, beispielsweise Bohnen, Kräuter, Tee oder Paprika.(7) Es steigt allerdings der Anteil getesteter Produkte, die Mehrfachrückstände aufweisen: Ebenfalls im Jahr 2013 war in über 27 Prozent des untersuchten Obst und Gemüses in der EU mehr als ein Pestizid nachweisbar.(8) Wie Pestizide in unseren Lebensmitteln miteinander wirken oder die Bewertung der Langzeitwirkung, ist praktisch unmöglich, Mehrfachbelastungen – Cocktails – sind daher besonders bedenklich. Zwar haben die Produzenten gelernt, wie sie Höchstmengen von Rückständen und damit das Verbot ihrer Produkte vermeiden. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Umwelt weniger Giften ausgesetzt wird.

Die Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft wird durch die Struktur der Landwirtschaft und den alltäglichen Einsatz von Pestiziden massiv belastet, beispielsweise in betroffenen Gewässern.(9) In Flüssen und Seen ist die Pestizidbelastung wesentlich höher als lange angenommen: Bei untersuchten Wasserproben lag weltweit bei mehr als 40 Prozent der nachgewiesene Wert von Insektiziden über dem, der laut Zulassungsverfahren erlaubt gewesen wäre.(10) Für viele Länder und landwirtschaftlich genutzte Räume fehlen auswertbare Daten zur Pestizidbelastung von Gewässern – so auch für Deutschland.

Milliardengeschäft Agrochemie

Die Umwelt, Landwirte und Verbraucher leiden unter dem giftigen Alltag auf unseren Feldern. Doch es gibt selbstverständlich auch Profiteure: Die Umsätze mit Pestiziden bescheren den Agrochemie-Konzernen sichere Umsätze. Im Jahr 2013 wurden weltweit über 38 Milliarden Euro mit Pestiziden umgesetzt, allein ein Viertel davon in der EU. Der deutsche Inlandsabsatz lag bei über 1,5 Milliarden Euro. Alle Zahlen steigen seit Jahren an.(11) Zwei deutsche Weltkonzerne profitieren maßgeblich vom Gifteinsatz auf dem Acker: Bayer Crop Science musste sich 2012 beim Absatz von Agrochemikalien mit 9,5 Milliarden Dollar nur knapp dem Schweizer Weltmarktführer Syngenta mit 10,3 Milliarden Dollar geschlagen geben. An dritter Stelle liegt die deutsche BASF, gefolgt von DuPont und Monsanto.(12)

Warum „muss“ gespritzt werden?

Die Unkraut-, Schädlings- und Krankheitsprobleme des industriellen Anbaus sind größtenteils hausgemacht. Monokulturen ohne Anbauwechsel auf viel zu großen Flächen ohne Rückzugsräume für Nützlinge, zu dichte Bestände und die einseitige Wahl anfälliger Hochertragssorten sind wesentliche Ursachen. Und auch die eingesetzten mineralischen Düngemittel tragen eine Mitschuld: Sie machen Pflanzen attraktiver, sowohl für Insekten als auch für pilzliche Krankheiten. Die Struktur der Kulturlandschaft und der Einsatz der Insektizide selbst verschärfen die Problematik: Nützlichen Insekten und anderen Schädlwidersachern wie z. B. Vögeln fehlen nicht nur der Lebensraum, sondern auch die Nahrung, wenn auf den Feldern außer den Kulturpflanzen alles Leben getötet wird. So können sich keine Gleichgewichte zwischen Nützlingen und Schädlingen für die Landwirtschaft einstellen. Werden beispielsweise Blattläuse sehr früh chemisch bekämpft, können sich die zur selben Zeit getroffenen Nützlinge das ganze Jahr über davon nicht wirklich erholen. In der Folge entwickeln sich die Läuse unkontrolliert weiter und es wird immer mehr gespritzt: ein giftiger Kreislauf.

Unter ihm leidet auch die ökologische Landwirtschaft, denn die natürlichen Regelungsfunktionen und damit kostenfreien Maßnahmen des Ökosystems funktionieren in großen Räumen sehr viel besser als in kleinen. Von einem reduzierten Pestizideinsatz profitieren daher am Ende alle: konventionelle und ökologische Landwirtschaft, die Natur, Anwender und Verbraucher.

Landwirtschaft kann und wird nur ohne Gift funktionieren.

Die Interessenvertretungen der Agrochemie-Industrie wollen glauben machen, dass es ohne ihre Produkte nicht geht.(13) Doch einen sicheren Einsatz von Pestiziden gibt es nicht. Die Zukunft der Landwirtschaft kann deshalb nur in einer ökologischen Arbeitsweise liegen. Landwirtschaft mit, statt gegen die Natur erlaubt den Verzicht auf Agrargifte. Ein Verzicht, der in jeder Hinsicht sinnvoll ist: Pestizide bedrohen nicht nur Artenvielfalt, Böden und Gesundheit, sie werden auch nicht unendlich zur Verfügung stehen. Immer mehr Schädlinge und Unkräuter entwickeln Resistenzen gegen die gegen sie eingesetzten Mittel, diese werden daher unwirksam. Neue Wirkstoffe werden kaum noch entdeckt, neue Produkte erschöpfen sich in neuen Formulierungen vorhandener Chemikalien oder der Kombination mehrerer Gifte. Parallel werden Pestizide, die lange Zeit als sicher bewertet wurden, aufgrund neuer Einschätzung ihrer Umwelt- oder Humantoxizität aus dem Verkehr gezogen.

Die Ökologische Landwirtschaft ohne Chemie ist mehr als eine Alternative zum chemischen Alltag auf unseren Feldern: Mittelfristig ist sie der einzig gangbare Weg. Je schneller wir ihn einschlagen, desto mehr Schäden an unseren Ökosystemen können wir verhindern. Und umso eher können wir unsere Lebensmittel zukunftsfähig erzeugen – nachhaltig vom Acker bis zum Teller.

 

(1) http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pfla nzenschutzmittel/meld_par_19_2013.pdf;jsessionid=4C05 EFCF5F6708C1A3F05FC1ADBD045A.2_cid350?__blob= publicationFile&v=3

(2) http://papa.jki.bund.de/dokumente/upload/3052e_papa2 011_journal_f_kulturpflanzen_.pdf

(3) http://papa.jki.bund.de/index.php?menuid=43

(4) NEPTUN-Erhebungen (http://papa.jki.bund.de/index.php?menuid=41)

(5) http://berichte.bmelv-statistik.de/GBB-0000100-2012.pdf

(6) http://papa.jki.bund.de/index.php?menuid=43

(7) http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Leb ensmittel/nbpsm/NBPSMR_2013.pdf;jsessionid=727C312 F2A9408D1C85E163BDB9A2077.2_cid340?__blob=publi cationFile&v=6

(8) http://www.pan-europe.info/News/PR/150312.html

(9) http://www.pnas.org/content/110/27/11039.abstract

(10) http://www.pflanzenforschung.de/de/journal/journalbeitr age/insektizid-belastung-deutlich-hoeher-als-erwartetforsc-10411

(11) http://www.iva.de/sites/default/files/pdfs/der_pflanzens chutzmarkt_2013-14_jpk_120514.pdf

(12) http://news.agropages.com/News/NewsDetail–10138.htm

(13) http://www.iva.de/praxis/pflanzenschutz

 

NEIN zu Glyphosat

21. Oktober 2017

Erfolg im Europaparlament: Umweltausschuss sagt Nein zu Glyphosat!

 

Von Sven Giegold & Martin Häusling

Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Interessierte,

am 19. Oktober hat der Umweltausschuss des Europaparlaments mit großer Mehrheit (39 Ja-Stimmen, 9 Gegenstimmen und 10 Enthaltungen) gegen die Verlängerung der Zulassung des umstrittenen Pflanzenvernichtungsmittels Glyphosat gestimmt. Die Mehrheit kam zustande durch die Strmmen von Sozialdemokraten, Grüne, Linke, einen Teil der Liberalen und gegen Rechtskonservative, andere Liberale. Die Christdemokraten haben sich überwiegend enthalten, statt den Schutz von Umwelt und Verbrauchern nach vorne zu stellen! Trotzdem: Das ist ein großer Erfolg für uns Grüne und die Kampagne der Zivilgesellschaft gegen Glyphosat! Zeitgleich erreichte unsere Petition gegen diese Neuzulassung des Ackergifts 80.000 Unterschriften innerhalb von nur einer Woche: http://www.change.org/glyphosat
Bitte helft mit/helfen Sie mit: Unterzeichnen Sie unsere Petition und verbreitet sie weiter!
Die heutige Entscheidung des Umweltausschusses ist ein weiterer schwerer Schlag gegen das gefährliche Gift Glyphosat. Nächste Woche wird das Europaparlament im Plenum über die Resolution abstimmen. Damit steigt der Druck auf die Mitgliedsländer, die Genehmigung für Glyphosat endgültig auslaufen zu lassen. Jetzt müssen EU-Parlamentarier und die Zivilgesellschaft die Chance nutzen, und das Gift vom Acker holen.
Gestern hat unsere Fraktion eine neue Studie zu Glyphosat veröffentlicht. Sie belegt die Gefährlichkeit des Gifts für die Natur und unsere Gesundheit. Vor allem zeigen wir auf, wie Alternativen zu dem Ackergift aussehen: https://www.greens-efa.eu/files/doc/docs/ab61fee42c3217963d3a43bd1c4b1e09.pdf
Wenn in der nächsten Woche das Plenum des Europaparlaments der Linie des Umweltausschusses des Parlaments (ENVI) und der Forderungen der Bevölkerung folgt, wäre das ein schwerer Schlag gegen die kurzfristigen Interessen von Monsanto und Co. Wir werden in den nächsten Wochen alles tun, damit es im Rat der Mitgliedsländer keine Laufzeitverlängerung für Glyphosat gibt. Hier kommt es jetzt auf die deutsche Bundesregierung an, die kritische Haltung von Frankreich und Italien zu unterstützen. Gerade während der laufenden Jamaika-Verhandlungen wäre eine Zustimmung der amtierenden Bundesregierung zu Glyphosat ein schwerer Vertrauensbruch. 
 
Mit grünen europäischen Grüßen,
Sven Giegold

 

Moor – und nichts als Moor – da versinkt noch mehr

9. Oktober 2017

A20 bei Tribsees gesperrt: Autobahn bricht einfach weg

Mehrere Meter der A20 sind einfach weggebrochen. (Foto: Twitter/Polizei Stralsund)

A20 nahezu nicht mehr befahrbar

Die A20 war in der Nähe der Ausfahrt Tribsees schon länger gesperrt. Jetzt ist die Autobahn nahezu nicht mehr befahrbar. Von der Fahrbahn in Richtung Lübeck ist nicht mehr viel zu sehen. Die Asphaltdecke ist komplett abgesackt und in mehrere große Teile zerbrochen. Autofahrer müssen mit erheblichen Behinderungen rechnen.


Autofahrer müssen in beiden Richtungen mit massiven Behinderungen rechnen.
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu pat

Passiert ist zum Glück niemandem etwas. Denn die eine Seite der Fahrbahn war bereits seit dem 25. September gesperrt, weil die Fahrbahn schon da leicht abgesackt war. Autofahrer in Richtung Lübeck wurden über eine Spur auf der Gegenfahrbahn umgeleitet. Weil aber nun mehrere Meter der Autobahn komplett wegbrachen, geht das ab sofort nicht mehr.
Aus Sicherheitsgründen ist die A20 nur noch auf einer Spur in Richtung Stettin befahrbar. Alle anderen Autofahrer müssen von der Autobahn abfahren und werden über die L19 umgeleitet, teilte die Polizei Stralsund mit.
Die Ursache für den Schaden ist noch nicht geklärt. Möglicherweise seien mehrere Betonstützen unter dem Fahrbahndamm gebrochen, berichtete die ‚Ostsee-Zeitung‘.

 

 

 

 

Hier ist die Lösung (Fotos in umgekehrter Reihenfolge!); unser Fotograf konnte (und wollte) nicht helfen. Wir schämen uns für ihn!

 

 

 

 

 

Aufatmen in Europa – die „Schwarze Null“ geht

9. Oktober 2017

Eurogruppe: Europa atmet auf, wenn Schäuble geht

Zum heutigen Treffen der Eurogruppe, welches das letzte Treffen für den
scheidenden Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sein wird, sagt der
wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im
Europäischen Parlament, Sven Giegold:

„Viele Länder in Europa atmen auf, wenn Schäuble die Eurogruppe
verlässt. Nicht nur Schäuble muss gehen, sondern auch seine
Austeritätspolitik. Doch auch wenn viele Länder berechtigte Kritik an
Schäuble haben, hat der Finanzminister auch Großes in der
internationalen Finanzpolitik erreicht. Schäuble hat den Kampf gegen
Steuerflucht und Steuervermeidung deutlich vorangebracht. Gerade dank
Schäuble ist das Ende der Steueroasen in Sicht. In der Euro-
Krisenpolitik ist jedoch mit einem Personalwechsel in der
Bundesregierung auch ein Politikwechsel nötig: In Portugal wird
Schäubles Austeritätsdogma derzeit widerlegt. Die Genesung der
portugiesischen Wirtschaft zeigt, dass nach den notwendigen
Strukturreformen nicht sparen, sondern investieren der richtige Weg
ist. Nicht obwohl, sondern weil Portugal Renten und untere Einkommen
anhebt, erholt sich das Land. Auch in Spanien zeigt sich aktuell
Schäubles Irrtum. Erst jetzt wenn die Wirtschaft brummt, kann der IWF
wieder Einsparungen empfehlen. Sparen in der Krise erhöht letztlich
Arbeitslosigkeit und Armut genauso wie die Verschuldung.
Strukturreformen sind Teil der Medizin, einseitiges Sparen hingegen
Gift für die Wiederbelebung der Wirtschaft.

 

Eine personelle Erneuerung steht auch für den Chefposten in der
Eurogruppe an. Wenn Jeroen Dijsselbloem seinen Platz im Januar räumen
wird, sollte die Eurogruppe personell und inhaltlich einen neuen Kurs
einschlagen. Einen guten Aufschlag für eine Reform der Eurozone hat
Macron gemacht. Der kommende deutsche Finanzminister sollte an der
Seite Frankreichs für einen europäischen Finanzminister eintreten, der
dem Europaparlament verantwortlich ist.“

 

Tendenz: Stetig nach oben

9. Oktober 2017

Die für Verkehrs- und Siedlungsbauten benutzten Flächen nehmen in Niedersachsen zu.

Wie das Statistische Landesamt Niedersachsen Anfang Oktober mitteilte, waren 2016 rund 66 300 Hektar – 14 Prozent der Landesfläche – für Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt. Das sind 3694 Hektar oder 0,6 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Rein rechnerisch wurden pro Tag 10,1 Hektar in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt, was in etwa 14 Fußballfeldern pro Tag entspricht. 37 Prozent dieser Fläche (= 1366,78 Hektar) werden für den Verkehr – und hier überwiegend für den Straßenverkehr – der Natur entnommen.

 

Weitere Informationen: https://a20themenblaetter.jimdo.com/