Neues vom Bub

31. Mai 2017

Advertisements

Summ . . summ . . summ

. . Bienchen summ herum.

29. Mai 2017

Wunderbar dieses Rapsfeld – gelb bis zum Horizont. Schwer liegt der Duft der Blüten in der Luft

Beim nächtlichen Spaziergang – der Hund muss schließlich raus – bewegt sich ein Licht im Rapsfeld. Langsam, aber stetig hin .  .  . und her . . .  hin . . . und her.

Am nächsten Tag

Morgens sind die frischen Spuren zu sehen und: Der Duft ist ein anderer – im Mund ist es viel geschmeidiger – ein Zeichen von Chemie.

Bei der Recherche fündig geworden: Ein Beitrag von

top agrar
Blütenbehandlung im Raps

Blütenbehandlung – Bild: John Deere

Bei den kalten Temperaturen ist von einer verzögerten, langen Blütezeit des Rapses auszugehen. In den vergangenen Tagen war es dabei nachts öfter unter 0 °C. Dies war für die Befruchtung eher nicht förderlich.

Für Infektionen mit Sklerotinia (Weißstängeligkeit) war es deutlich zu kalt. Erst wenn die Temperaturen tagsüber bei mindestens 18 °C liegen, können Infektionen auch bei leichtem Tau stattfinden. Warten Sie mit der Behandlung, bis sich etwas wärmeres Wetter einstellt.
Bei ansteigenden Temperaturen empfiehlt sich eine Behandlung, sobald die Hälfte der oberen Triebe blüht und der Bestand somit nicht mehr grün schimmert. Um Durchfahrtsverluste zu vermeiden, sollten Sie besser abends behandeln, da die Stängel dann dynamischer sind. In der Leistungsfähigkeit der Fungizide ergeben sich aus den Versuchen nur marginale Unterschiede. Sie können z.B. 0,5 l/ha Cantus Gold, 1,0 l/ha Custodia, 1,0 l/ha Symetra, 1,0 l/ha Propulse, 0,5 l/ha Acanto + 0,5 l/ha Prosaro oder 0,5 l/ha Acanto + 0,5 l/ha Cercobin einsetzen.

Neben Sklerotinia unterdrückt man mit einer Blütenbehandlung auch Abreifekrankheiten wie Alternaria und Cylindosporium. Außerdem ergeben sich durch die Maßnahme physiologische Mehrerträge. Geben Sie keine flüssigen Bor-Dünger mit in den Tank, denn diese sind nicht verträglich. Die Zugabe von 3 bis 5 kg/ha Epso Microtop ist jedoch möglich.

Bislang war kein Rapsfeld ohne diese „späten“ Durchfahrspuren zu finden. Es wird also fast überall während der Blütezeit gespritzt. Rapsöl steht in den Lebensmittelläden in den Regalen und Rapsöl wird zusätzlich noch als besonders wertvoll für die menschliche Ernährung angepriesen. Interessant wäre, ob die bei top agrar erwähnten Chemikalien im Öl nachzuweisen sind.

Durch Zufall – oder weil der Hund und ich Lust auf einen anderen Weg hatten – sah ich dann einen Tag später die Bienenstöcke auf der anderen Seite des Rapsfelds.

Die Tierchen waren so eifrig mit den Rapsblüten beschäftigt, dass sie sich um uns nicht kümmerten.

Schön, dass der Landwirt des Nachts auf dem Feld war, tagsüber hätten die Bienen ja sonst die Spritzdusche abbekommen, war der erste Gedanke – dann kam der zweite: Das Gift nehmen sie ja trotzdem auf.

Nach dem Lesen des top agrar-Beitrags kam dann der dritte Gedanke:  „Um Durchfahrtsverluste zu vermeiden, sollten Sie besser abends behandeln, da die Stängel dann dynamischer sind.“  heißt es im Text.

Fazit

Ob der Imker weiß, dass während der Blütezeit gespritzt wurde?

Ob der Landwirt weiß, dass an seinem Feld Bienenstöcke standen (und noch stehen)?

Ob die Kunden wissen, wie das Rapsöl und der Rapshonig entstehen?

 

Wahlkampf mit US-Schauspieler Richard Gere

28. Mai 2017

„CDU und CSU lassen sich Zeit mit ihre Programm für die Bundestagswahl. Können sie auch, denn eigentlich bräuchten sie keines, ließe sich das Wahlprogramm der Union doch auf drei Botschaften reduzieren. Erstens: Angela Merkel muss Kanzlerin bleiben. ……“ , so Norbert Holst im Weser Kurier vom gestrigen Samstag.

Die übrigen Botschaften sind ein „. . . weiter so“ und „. . . Steuergeschenke“.

Mit der Wahlwerbung geht es dann auf Seite 8 weiter. Da äußert sich Hollywood-Schauspieler Richard  Gere über Angela Merkel. Seine Äußerung haben wir in das  schon bekannte aussagekräftige Bild eingefügt:

 

Keine Satire . . . . eher eine Posse

28. Mai 2017

Aus dem Weser Kurier

27.05.2017

Bahnübergang muss gesichert bleiben

In Holtgast am Drücker

Ungenutzter Bahnübergang muss wohl noch mehrere Jahre rund um die Uhr bewacht werden
VON MARTIN WEIN

Am unbeschrankten Bahnübergang von Holtgast im Landkreis Ammerland muss auch in nächster Zeit die defekte Gleisampel Tag und Nacht von einem Mitarbeiter geschaltet werden.

Vor einem unbeschrankten Bahnübergang steht ein Wohnwagen, in dem die drei Mitarbeiter einer ­Sicherheitsfirma während ihrer Schicht leben. (CARMEN JASPERSEN, dpa)
Die Provinzposse um den unbeschrankten Bahnübergang von Holtgast im Landkreis Ammerland hat der Deutschen Bahn schon viel Spott und Kosten von ­bislang einer Viertelmillion Euro eingebracht. So bald wird sich allerdings nichts daran ändern, dass die defekte Gleisampel Tag und Nacht von einem Mitarbeiter geschaltet werden muss.
Und das allenfalls für zwei Bauern, die auf der anderen Seite der Bahnstrecke von Oldenburg nach Leer ihre Felder ­haben. Wie die Unternehmens-Sprecherin Sabine Brunkhorst auf Anfrage dieser Zeitung sagte, könnten bis zu drei Jahre ins Land gehen, bis eine Lösung für die defekte Gleis-Ampel gefunden wird.
Feldmäuse haben das Malheur verursacht. Im April 2016 knabberten sie an den Kabeln, die die Ampel am Gleis in Holtgast mit der Schaltzentrale verbinden. Folge: „Irreparable Kabelschäden“, so Brunkhorst. Nun würde man erwarten, dass die Bahn einen Bagger schickt, der das Kabel ausgräbt. Und dann einen Elektriker, der ein neues verlegt. Aber weit gefehlt.
Übergang an einer öffentlichen Straße muss gesichert werden
„Da es sich um eine ältere Anlage handelt, besteht ein Umbauverbot“, erklärt Brunkhorst. Neue Andreas-kreuze und eine neue Ampel müssen also her. Aber nicht so schnell: „Nach der Planung muss ein Planfeststellungsverfahren oder ein Plangenehmigungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt (EBA) durchgeführt werden“, erklärt die Bahn-Sprecherin.
Und das könne dauern – im Regelfall zwei bis drei Jahre. Denn: „Durch die Aufsichtsbehörde ist die DB Netz AG dazu verpflichtet, die Einmündungssituation sowie die Fahrbahnbreite am Bahnübergang zu prüfen, was bei erforderlicher Anpassung zu einem Planrechtsverfahren führt.“
Doch während die Bahn plant und prüft, rollen die Züge weiter. Und weil der Übergang an einer öffentlichen Straße – de facto ist es allerdings kaum mehr als ein asphaltierter Feldweg – nicht einfach geschlossen werden darf, muss er gesichert werden. Das machen nun seit mehr 13 Monaten drei Herren einer Leeraner Sicherheitsfirma im Drei-Schichten-Dienst rund um die Uhr.
Felder jenseits der Gleise
Ihr Arbeitgeber hat ihnen dazu einen Wohnwagen an die Strecke gestellt und ein Dixie-Klo. Sobald sich ein Zug nähert – und das passiert täglich immerhin 60-mal – ruft der Fahrdienstleiter an. Der Schrankenwärter ohne Schranke eilt dann in Warnschutzkleidung vor die Tür, steckt einen Schlüssel ins Schloss und drückt auf einen Knopf.
Die Ampel springt auf Rot. Dann sagt er seinem Chef Bescheid: „Ist rot.“ Ist der Zug durch, drückt er erneut. Jetzt haben alle wieder freie Fahrt. 20.000 Euro kostet das im Monat. Die freie Fahrt nutzt in Holtgast allerdings fast niemand. Der Feldweg führt zu einem einzigen Wohnhaus. Das steht derzeit leer. Ansonsten liegen nur die Felder zweier Bauern jenseits der Gleise.
Die immerhin wissen auch nach dem Mäusestreich zuverlässig, wann sie besser nicht über den Bahnübergang fahren. Alle anderen in Holtgast benutzen ohnehin den nächsten Übergang 600 Meter weiter. Gerne würde die Bahn den Unsinn beenden. 600 Meter Umgehungsstraße zum anderen Überweg könnten das Problem lösen.
Ampeln für eine Einigung stehen auf Rot
Doch da spielt die Gemeinde Apen nicht mit, zu der Holtgast gehört. Die müsste die Straße bezahlen. Für Bürgermeister Matthias Huber (SPD) ein Unding. Die Gemeinde habe die Ampel schließlich nicht kaputt gemacht. Statt der Kosten führt Huber neuerdings lieber ein Privatgrundstück und ein Naturschutzgebiet ins Feld, die im Wege stünden.
Womöglich könnte seine Sturheit die Bürger dennoch teuer zu stehen kommen. Bei einem neuen Übergang müsste die Gemeinde nämlich laut Gesetz ein Drittel der Kosten tragen, da ihr die Straße gehört. Für eine Einigung stehen die Ampeln derzeit also auf Rot.
Man sei dennoch „in enger Abstimmung mit der Gemeinde“, sagt Bahn-Sprecherin Brunkhorst. Doch Prognosen zum Ergebnis mag sie keine geben. Mittelfristig ist es unwahrscheinlich, dass die Bahnwärter von Holtgast sich demnächst neue Jobs suchen müssen. Wenn sie gehen sollten, dann wohl aus purer Langeweile.

 

Der Brief zum Wochenende

Süddeutsche Zeitung

Freitag, der 19. Mai 2017

Sehr geehrter Herr Schuster,

wenn Sie diese Briefe häufiger lesen, wissen Sie, dass ich grundsätzlich der Meinung bin, dass fast alles, was man an Philosophie und solchen Sachen braucht, bei Leonard Cohen zu finden ist. Der Cohen’sche Sinnspruch für diese Woche lautet: Let’s sing another song, boys, this one has grown old and bitter. Das ist eine Zeile aus einem Lied der LP „Songs of Love and Hate“ von 1971.

Im Jahre 1971 war Richard Nixon US-Präsident. Er war ein Mann mit politischen Visionen, aber leider auch ein rachsüchtiger Machtgauner. Etliche seiner Hintersassen waren Finsterlinge erster Ordnung, die auch einen Einbruch in Büroräumen des politischen Gegners für ein zwar nicht legitimes, aber doch angebrachtes Mittel des politischen Kampfs hielten. Wie Sie wissen, stürzte Nixon über die Machenschaften dieser Finsterlinge und, mehr noch, über sein eigenes Intrigantentum. Zwischen dem Einbruch im Watergate-Gebäude im Juni 1972 und Nixons unfreiwilligem Rücktritt im August 1974 lagen zwei Jahre Washingtoner Agonie.

Im Jahre 2017 ist Donald Trump US-Präsident. Würde ich heute von Georgetown die Pennsylvania Avenue in Richtung Weißes Haus hinauflaufen, was ich als Korrespondent in Washington zu Bill Clintons Zeiten oft getan habe, würde ich wahrscheinlich zwischen den Wolken über dem Potomac irgendwann Nixons Gesicht mit einem sardonischen Grinsen zu sehen glauben. Und wahrscheinlich wäre auch ein fernes Grollen zu vernehmen, das so klänge, als sage der garstige Nixon-Geist: Auch du, mein Sohn Donald.

Und das bringt mich wieder zu Leonard Cohen. Mir geht es so wie manchen anderen Menschen auch: Einerseits möchte ich nicht dauernd über Trumps vorletzte, letzte und allerletze Eskapaden oder, verzeihen Sie, Blödheiten hören, lesen oder schreiben. Let’s sing another song, boys. Andererseits geht es mir dann aber wieder so, dass ich schon morgens im Deutschlandfunk oder auf dem elenden Klugtelefon höre oder lese, was der närrische Donald in der deutschen Nacht, die der Washingtoner Tag war, wieder angestellt hat.

In den letzten Nächten, respektive Tagen hat er selbst für seine Verhältnisse erstaunlich viel angestellt. Er hat einen FBI-Direktor gefeuert, möglicherweise, weil der ihm nicht zugesichert hatte, diese lästigen Russland-Ermittlungen einzustellen. Anschließend hat er den gefeuerten FBI-Mann öffentlich per Twitter bedroht, indem er andeutete, wenn er, der FBI-Chef, sich äußere, solle er bedenken, dass es vielleicht Aufnahmen von dem Gespräch mit ihm, dem Präsidenten, gebe. Das wiederum changiert irgendwo zwischen Nötigung und Erpressung. Und es ist very Nixonian, nahezu wolkengrinsisch, denn der Verfolgungswahn-geplagte Nixon ließ alles auf Tonbänder aufzeichnen, was in seiner Umgebung gesprochen wurde. Und dann erzählte Trump dem russischen Außenminister im Oval Office möglicherweise auch noch Dinge, wegen deren Veröffentlichung gegen einen, der nicht Präsident ist, ermittelt werden könnte, zum Beispiel wegen Landesverrats.

Diese Komödie eines Einfältigen wäre ein wirklich lustiges Stück, geböte dieser Einfältige nicht über das größte Atomwaffenarsenal der Erde und könnte nicht mit drei Sätzen die Börsen erschüttern. Der Donald sagt ja gerne, dass kein anderer Präsident in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit so viel geleistet habe und gleichzeitig so böse verfolgt worden sei wie er. In der Welt der goldenen Wasserhähne und der kleinen Bücherregale, in der Der Donald bisher gelebt hat, mag das so aussehen. In der anderen Welt, der wirklichen, die Der Donald für Fake News hält, ist das nicht so. In dieser Welt leben Menschen wie Sie und ich. In dieser Welt will man immer noch nicht glauben, dass jetzt im Weißen Haus ein Präsident wohnt, von dem man annehmen kann, er habe Verrat begangen, bei dem es wahrscheinlich ist, dass er den FBI-Chef nötigt und von dem es sicher ist, dass er lügt, was er zwar vielleicht nicht für legitim, aber doch für ein angebrachtes Mittel der Auseinandersetzung hält.

Was ich Dem Donald persönlich übelnehme, ist auch, dass er mir die Freude an jenem Land vergällt, in dem ich mal mehr als fünf Jahre gelebt habe. Amerika ist groß, sehr unterschiedlich, borniert, aber auch sehr liberal, es ist engstirnig und gleichzeitig weltoffen, einige der größten lebenden Schriftsteller sind Amerikaner und einige der größten lebenden Dummköpfe auch. Der Donald aber ist nicht nur in gewisser Weise gefährlich. Er ist auch stinkepeinlich für die Freunde und Freundinnen von Paul Auster und von T.C.Boyle, vom Castro District und von der New Yorker Met, von Andy Warhol, auch wenn der schon lange tot ist, und von Mark Twain, der noch länger tot ist.
Jetzt höre ich auf, denn sonst glaube ich von mir noch, dass ich alt und bitter geworden bin, so wie der Song, von dem Cohen sagt, dass man ihn nicht mehr singen soll.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Mal sehen, was Der Donald die nächsten Tage so draufhat.

Kurt Kister
Chefredakteur