Verbraucherverarsche ?

Tierschutzlabel_620x300 Bauerngut Janssen

Knackig anzusehen: Ein Junglandwirt der Zufriedenheit ausstrahlt. Er lächelt uns an. Das schafft Vertrauen.

Seinen Tieren geht es gut – seinen Tieren geht es premium gut. Der Deutsche Tierschutzbund hat ihm das bestätigt. Zusätzlich noch zwei Bio-Label. Was wollen wir als Verbraucher mehr?

Etwas Luft holen müssen wir erst beim Vergleich der Preise: Schnitzel aus der Oberschale werden für 19.90 Euro pro Kilogramm angeboten im Gegensatz zu 8,99 Euro des herkömmlichen Angebots. Auch andere Vergleiche geben ein ähnliches Bild.* Da fängt dann das Rechnen an. Auch das Lächeln von Bauer Janssen ist jetzt anders; er grinst uns eigentlich nur an! Was sagen uns die Bio-Label? Was bekommen die Tiere zu fressen? Im eigenen Betrieb biologisch erzeugte Futtermittel? Haben sie Weideauslauf?

Man kann ja Bauer Janssen fragen. Doch wo ist sein Betrieb? Auf der Verpackung steht das nicht.

Im Internet wird man dann schnell fündig . . . . . . . . !

*Preise bei EDEKA/Beverstedt

mistkaeferterror bleibt dran!

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Zwei Tage Arrest – ohne Bewährung

20. Mai 2015

Wahnsinn! Was da jetzt schon ein Aufwand betrieben wird, um die Bevölkerung vor zwielichtigen Gestalten zu schützen.

Abschreckende Wirkung soll der Arrest haben. Er dauert zwar nur zwei Tage, man hofft jedoch, dass diese kurze Zeit genügt, die Einsitzenden zu läutern und zukünftige potentielle Täter abzuschrecken.

Um zu verhindern, dass die Delinquenten aus dem ihnen zugewiesenen Bereich ausbrechen, wird ein Aufwand betrieben, der seinesgleichen sucht. Sie werden keine Möglichkeit haben, mit Menschen außerhalb ihres Gefängnisses Kontakte aufzunehmen oder sie gar zu bedrohen. Für zwei Tage werden die Menschen vor ihnen geschützt – zwei Tage, in denen die Welt zur Ruhe kommt.

Obwohl der Arrest erst für den 7. und 8. Juni vorgesehen ist, haben die Vorbereitungen schon längst begonnen:

Rund um das Gefängnis wird die ganze Region zum Sperrgebiet erklärt. Alle Straßen werden gesperrt, der Zugverkehr wird eingestellt und im Radius von 55 Kilometern um die Einrichtung wird es Flugbeschränkungen geben. In der Kernzone herrscht totales Flugverbot.

Rund 20 000 Polizisten werden während der Zeit im Einsatz sein. Es wird sich „um den größten polizeilichen Einsatz handeln, den wir bisher hatten.“*

„Entlang der Forstwege stehen schon die schwarzen Stangen im Boden verankert, an denen der Zaun über viele Kilometer einhängt. Auch die Maschendrahtrollen liegen bereit, jede Rolle reicht für 25 Meter Zaun, drei Meter hoch.“** Gekrönt wird der Zaun mit Natodraht.

„Bald wird es in der Umgebung von Menschen mit kurzen Haaren und dunklen Sonnenbrillen wimmeln, die auch in ihre Handgelenke sprechen.“** Es sind Secret-Service-Mitarbeiter, die vorab das Gelände sondieren, um jeden Ausbruch schon im Vorfeld zunichte zu machen.

 

 

 

Schloss Elmau Ansicht                                                      Schloss Elmau in Krün

Damit die Insassen erst garnicht einen Ausbruch erwägen, bietet der Knast einen Aufenthalt für höchste Ansprüche. Ausgewählt wurde ein Schloss in Bayern nahe der Grenze zu Österreich, das den höchsten Komfort bietet. Während des Aufenthaltes gibt es die Möglichkeit, verschiedenen Aktivitäten nachzugehen: Von Wanderungen innerhalb des großzügig abgesperrten Gebietes über Tennis oder Minigolf ist vieles möglich. Auch Flugspiele mit Schwirrkreiseln werden angeboten. Für diverse Gesprächsrunden, aber auch für ein vertrauliches Tete-a-tete stehen geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung.

Opulent und vom Feinsten ist die Verpflegung, spezielle landestypische Spezialitäten laden zum Verzehr ein.

Schloss Elmau Merkel Leberkäse                                       Leberkäse mit Zwiebeln und Kartoffelbrei

 

Die Mußestunden nach dem Essen werden durch diskrete Hostessen-Dienste zu einem Erlebnis besonderer Art.

 

 

Schloss Elmau Hostess BNDNSA                                                      NSA-Überprüfung einer Hostess

 

Bei so viel Wohlbefinden können die Anklagepunkte leicht in den Hintergrund treten. Deshalb sei an dieser Stelle daran erinnert: Die Einsitzenden haben sich wiederholt schuldig gemacht durch Neokolonialismus, Ausbeutung von Ressourcen, Kriege gegen souveräne Staaten, Waffenhandel, Waffenverkäufe auch an „Schurkenstaaten“, Drohnenmorde  .  .  .  . 

*Innenminister (Bayern) Joachim Herrmann (CSU) in Bild, 15.05.15

**Süddeutsche Zeitung, 16./17.05.15

 

„Stahl“ – Beton

15. Mai 2015

Unter der Überschrift „Mehr investieren! – IWF fordert mehr Geld für Straßenbau“ schreibt Andre Stahl am 12.05.2015 im Wirtschaftsteil des Weser Kurier: „Berlin-Washington. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Deutschland zu höheren Investitionen in die Infrastruktur aufgefordert.“

Der Name Stahl verpflichtet: Hört jemand Stahl, denkt er an Beton. Danach an Stahlbeton und zuletzt an Straßen bzw. Autobahnen.

Nur so kann es möglich sein, dass besagter Andre Stahl zu dem oben erwähnten Titel seines Berichts kam: Infrastruktur = Straßen!

Zu diesem Begriff schreibt der Duden: „Infrastruktur (lat.) die; -, -en: notwendiger wirtschaftlicher und organisatorischer Unterbau einer hochentwickelten Wirtschaft.“

Dazu gehören selbstverständlich das Verkehrsnetz, aber auch Arbeitskräftepotential, Bildung, soziale Strukturen und noch viel mehr.

Nehmen wir das Verkehrsnetz, so sind das nicht nur Straßen, sondern auch Schienen- und Wasserwege und die Flugrouten.

Anders als in dem Beitrag des Weser Kurier dargestellt liest sich der Abschlussbericht des IWF. Darin wird nicht mehr Geld für den Straßenbau gefordert, vielmehr wird Deutschland bezüglich des Zustands der deutschen Wirtschaft und der Staatsfinanzen gelobt. Besonders begrüßt wird dabei, dass die Bundesregierung ein Infrastrukturprogramm über zehn Milliarden Euro aufgelegt habe.

Daraus eine Forderung für mehr Straßenbau herauszulesen ist schon mehr als abenteuerlich.

Aufpassen muss man jetzt allerdings, dass die Bundesregierung dieses Lob nicht genauso wahrnimmt wie Andre Stahl.

„Kuckuck, Kuckuck . . . .

8. Mai 2015

. . . .  ruft aus dem Wald. Lasset uns singen, tanzen und springen! Frühling, Frühling wird es nun bald!“*

Kaum anzunehmen, dass die Generation Smartphone das Lied kennt. Kaum anzunehmen, dass sie den Kuckuck als Frühlingsboten kennen. Eher den Pfandaufkleber auf dem Fernseher, wenn der Gerichtsvollzieher die Wohnung verlassen hat.

„Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei`n: Komm in die Felder, Wiesen und Wälder! Frühling, Frühling stelle dich ein!“

Der Kuckuck als „Verkünder des Frühlings“ (Brehm) wird in unseren Breiten immer seltener. Die Bestände sind in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen: In Bayern um etwa 20 Prozent und Richtung Norden dann mit steigenden Prozentzahlen. In Großbritannien ist der Bestand sogar um fast 70 Prozent eingebrochen.

„Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held! Was du gesungen, ist dir gelungen: Winter, Winter räumet das Feld.“

Cuckoo Cuculus canorus and Reed warbler Acrocephalus scirpaceus

Kuckuck im FlugNicht nur die Fangnetze südlich der Alpen haben dazu geführt. Es ist auch der Klimawandel und der Verlust von Lebensraum und Nahrung durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Gegüllte und gespritzte Monokulturen bis an die Wege und die Rodung von Hecken haben das Nahrungsangebot für den Kuckuck und andere Vogelarten stark minimiert.

Dazu kommt noch, dass der Kuckuck nicht selbst brütet. Er ist ein Schmarotzer, der seine Brut durch andere Vögel aufziehen lässt. Während das Männchen die ausgesuchten Vogeleltern ablenkt, legt das Weibchen ein Ei in das fremde Nest. Bis zu 25 Eier kann das Weibchen während der Brutsaison so in fremde Nester verteilen.

Das reicht doch könnte man meinen.

Der Klimawandel beeinflusst mittlerweile jedoch das Zusammenspiel von Kuckuck und Wirtsvögeln. Der Kuckuck ist ein Langstreckenzieher. Sein jährlicher Zug führt bis tief nach Afrika hinunter. In sein europäisches Brutgebiet kommt er dadurch relativ spät. Bislang passte das auch mit den Wirtsvogelarten gut zusammen. Durch die globale Erwärmung kommen diese als sogenannte Kurzstreckenzieher jedoch immer früher hier an, was wiederum bedeutet, dass deren Jungen schon geschlüpft sind, wenn der Kuckuck ankommt. Und in diese Nester legt er dann nicht mehr sein Ei.

*Text: Hoffmann von Fallersleben, Melodie: Aus Österreich

Haase und Igel

4. Mai 2015  –  14.00 Uhr

Das kommt nicht oft vor. Da beginnt gerade um 14.00 Uhr eine Veranstaltung* im Kreishaus des Landkreises Stade und zeitgleich erscheint dazu die Pressemitteilung des Koordinationskreises der Initiativen und Umweltverbände gegen die A 20 (A 22).

Das ist wie bei Hase und Igel. Der Hase kann sich noch so beeilen – immer ist der Igel vor ihm am Ziel.

Das Kuriosum dabei: Einer der Redner bei der Veranstaltung, die als Konferenz Küstenautobahn eingeladen hatte, ist Hans-Jürgen Haase, Chefplaner Küstenautobahn des Niedersächsischen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr.

Schon 2013 versuchten die Befürworter dieser unsinnigen Autobahn, sich mit einer Konferenz Küstenautobahn Mut zu machen. Nachdem diese Veranstaltung wenig Wirkung entfaltete, kommt es heute zu einem Neuaufguss. Außer Hans-Jürgen Haase werden Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Karin Druba,  Ministerium für Verkehr Schleswig Holstein, Maike Bielfeldt, IHK Stade und Daniela Behrends, Staatssekretärin im niedersächsischen Ministerium für Verkehr zu den geladenen Gästen sprechen. Die Öffentlichkeit bleibt bei dieser Veranstaltung erst einmal ausgeschlossen.

An den Fakten hat sich seit 2013 nichts geändert. Es wird serviert . . .

. . . . „Kalter Kaffee im Stader Kreishaus

Offensichtlich war die Konferenz Küstenautobahn und die damit verbundene „Stader Erklärung“ im Februar  2013 vergeblich. Wie sollte man sonst die jetzige Neuauflage verstehen können.“ schreiben die Initiativen und weiter:

„Denn die Bedingungen für den geplanten Elbtunnel als Kernstück der A 20 haben sich seit 2013 nur verschlechtert. Der Bundesrechnungshof hat vor kurzem gerügt, dass die Kosten für den Elbtunnel viel zu niedrig angesetzt wurden. Statt rund 1,1 Milliarden Euro wären mindestens 1,7 Milliarden Euro realistisch. Selbst dieser Wert ist noch zu niedrig angesetzt, wenn man die Kosten für die 4. Elbtunnelröhre von 2002 als Vergleich heranzieht. Danach sind rund 4 Milliarden Euro für den Elbtunnel (bei Drochtersen, die Red.) zu erwarten.

Obwohl für die Elbquerung die Planfeststellungsbeschlüsse vorliegen, blieb die Suche nach einem Investor für das Bauwerk erfolglos. Auch dazu stellt der Bundesrechnungshof fest, dass eine Finanzierung durch öffentlich private Partnerschaften (ÖPP) eine Umgehung der gesetzlichen Schuldenbremse bedeutet und teurer kommen wird. Zusätzlich werden die Lasten den nachfolgenden Generationen aufgebürdet.

Mehrere Kläger gehen indes mittlerweile gegen die Planfeststellungsbeschlüsse vor. Dies wird zu weiteren zeitlichen Verzögerungen führen. Es besteht die Möglichkeit, dass die Planfeststellungsverfahren neu aufgerollt werden müssen. Auch eine Neuauflage der „Konferenz Küstenautobahn“ kann an diesem gesetzlich vorgeschriebenen Ablauf nichts ändern und wird ihn hinnehmen müsen.

Mit dem „Norddeutschen Manifest“ von 2013 hatten die A-20-Gegner und Umweltverbände Alternativen für den Güterverkehr auf der Schiene und auf den Wasserwegen aufgezeigt. Gleichzeitig hatten sie gefordert, die immens gestiegenen Kosten endlich zur Kenntnis zu nehmen und das Nutzen-Kosten-Verhältnis neu zu berechnen. Diese Forderungen der A-20-Gegner werden durch Koalitionsverträge auf Landes- und Bundesebene und durch die Konzeption des neuen Bundesverkehrswegeplans voll unterstützt. Dort stehen die Zeichen auf Sanierung und allenfalls auf Ausbau!

`Den Teilnehmern und Befürwortern der dieser Tage wiederholten Küstenautobahn-Konferenz bleibt also lediglich, sich mit dem aufgewärmten Kaffee gegenseitig Mut zuzuprosten´, stellt Uwe Schmidt, Sprecher der A 20-Gegner, nüchtern fest.“

Soweit die Pressemitteilung.

Das Hase und Igel – Wettrennen geht weiter.

Siehe auch: 11.4.15 A 20 sucht ihren Abtritt und 15.2.15 Die Küstenautobahn

* Die Redaktion des mistkaeferterror hatte sich um eine Einladung zu der Veranstaltung bemüht, bekam aber von der Pressestelle des Landkreises Stade eine Absage. Auch die taz wurde nicht eingeladen.