Greenwashing

Artenschutz aus der Samentüte? BUND kritisiert Aussagen zu Blühflächen

“In den letzten Monaten propagieren immer mehr Landwirte und andere Personen Blühflächen als Mittel gegen das Insektensterben und als Maßnahme zur Förderung der Artenvielfalt. Der BUND möchte klarstellen, dass diese Aussagen unzutreffend sind.” So Manfred Radtke, Vorsitzender des BUND Rotenburg.
Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass sich Menschen darum bemühen, unsere Landschaft bunter zu machen. Monotone Maisflächen beleben nicht gerade das Landschaftsbild. Das eingesetzte Saatgut wie z. B. die Verdener Imkermischung ist allerdings kein Mittel zur Förderung der biologischen Vielfalt. Diese Mischung ist, wie der Name schon sagt, auf Honigbienen zugeschnitten. Honigbienen sind aber keine Wildtiere mehr, sondern vom Menschen züchterisch veränderte Nutztiere. Von einer Gefährdung kann keine Rede sein. Es gibt erfreulicherweise immer mehr Imker, die sich um diese Tiere kümmern.
Radtke: “Ganz anders sieht das bei vielen Insekten aus, speziell bei Wildbienen. Sie sind für die Bestäubung ungemein wichtig. Natürlich finden sich auf Blühflächen einige Allerwelts-Wildbienen wie Acker-, Garten- oder Steinhummeln ein. Den tatsächlich gefährdeten Wildbienen, das sind die allermeisten der in Niedersachsen vorkommenden 360 Arten, bringen die verwendeten Blühmischungen praktisch nichts.”
Der dramatische Rückgang an Insekten ist nur aufzuhalten, wenn die verschwundenen Lebensräume wie Hecken und blühenden Wegraine wieder hergestellt werden. Die dort vorkommenden Arten wie Rainfarn, Schafgarbe, Weg-Malve, Wilde Möhre usw. sind Nahrungsgrundlage unserer heimischen Insekten. So hat das Bundesumweltministerium im Aktionsplan 2019 vorgesehen, Insektenlebensräume und Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft zu fördern. Mit blühenden Wegrainen würde man gleichzeitig die gesetzlich vorgeschriebene Biotopvernetzung erreichen. Übrigens darf auf Flächen in der freien Landschaft ab März 2020 nur noch regionaltypisches Saatgut verwendet werden.
Radtke: “Wildbienen sind standorttreu. Sie benötigen immer drei Dinge: Nahrungsangebot, Nistmöglichkeiten und Nistmaterial. Da ihr Flugradius nur wenige hundert Meter beträgt, machen Blühflächen, die zumeist jedes Jahr ihren Standort wechseln, schon aus diesem Grund keinen Sinn. Generell absurd ist es anzunehmen, mit einigen Kilogramm Saatgut von fremdländischen Arten aus dem Agrargroßhandel könne man etwas gegen das Insektensterben tun. Das ist naturschutzfachlicher Unsinn. Aktionismus und Scheinlösungen helfen der Natur nicht.”

Wer weitergehende Informationen haben möchte, kann sich gerne an den BUND Rotenburg wenden. bund.rotenburg@bund.net oder 04261/69 67

So ist’s richtig!

Es gibt sie noch! Die verantwortungsbewussten, politisch global denkenden Menschen. Sie wollen ein Zeichen setzen. Dabei denken sie an Meldungen wie

„Indonesien Plastikmüll wird zurückgeschickt

Indonesien will Plastikmüll an mehrere Industrieländer zurückschicken, darunter auch Deutschland. Auf der Insel Batam südlich von Singapur warten 49 Container auf eine Rücksendung in die USA, nach Australien, Frankreich und Deutschland sowie in die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Begründung: In dem Abfall hätten sich unter anderem giftige Stoffe befunden. Umweltschützer in Indonesien dringen auf strengere Einfuhrregeln für Plastikmüll.
© dpa – 04.07.2019″

Nicht nur Indonesien, auch Malaysia handelt:

Yeo Bee Yin, Umweltministerin von Malaysia (Bild oben), hat angeordnet, dass der illegal eingeführte Plastikmüll wieder an die Entsenderländer zurückgeschickt wird. Zusätzlich gibt es einen allgemeinen Einfuhr-Stopp. Andere Länder werden folgen.

Wie die Tabelle unten zeigt, gehören sechs europäische Länder zu den Top-Ten der größten Plastikmüll-Exporteure. Deutschland nimmt dabei einen „ruhmreichen“ dritten Platz ein.

Der Müll ist weg, und was in den Entwicklungsländern – denn da geht er ja hin – damit gemacht wird, hat danach keinen mehr interessiert. Es gab auch keine Plastikbänke aus recyceltem Plastikmüll made in Malaysia zu kaufen. Der meiste Müll landete und landet in den Ozeanen.

Was dann damit passiert . . . .

„Zu den’Nasenexperten‘ in der Vogelwelt zählen nicht zuletzt auch Seevögel.  .  .  .  . Es sind durchweg Hochseevögel, die nur zum Brüten an Land kommen.  .  .  .  .  Ihr Geruchssinn ist extrem gut entwickelt, sodass sie ihren Nistplatz und ihren Partner am Geruch erkennen können. Auch bei ihrer Nahrungssuche lassen sie sich von ihrer Nase leiten. Es ist der Duft von Dimethylsulfid, der den Vögeln signalisiert : Hier gibt es Futter! Es ist ein Duftstoff, der vom Plankton abgegeben wird. Viel Plankton bedeutet viele Krebse und Fische. Da jedoch auch Plastikmüll im Meer nach drei Wochen die gleichen geruchsintensiven Stoffe abgibt, geraten Seevögel immer häufiger in eine Duftfalle und fressen die Plastikabfälle. Viele Seevögel sterben daran. Jedes Jahr kommen acht Millionen Tonnen Plastik hinzu. Die von den Plastikteilen abgegebenen Duftreize sind sogar stärker als die vom Plankton. Es ist fatal: Seevögel werden geradezu verleitet, das Falsche zu fressen.  .  .  .  . „

Ernst Paul Dörfler, Nestwärme -Was wir von Vögeln lernen können, Carl Hanser Verlag, 2. Auflage 2019

Es gibt viel zu tun!

Da die Bundesregierung derzeit vollkommen überfordert ist, durch die vielen Baustellen es gerade einmal geschafft hat, eine fragwürdige Personal-Rochade hinzubekommen, müssen die Bürger zur Tat schreiten. Zumindest im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten. Und da Plastik in jedem Haushalt vorhanden ist, wird der Müll nicht mehr im Gelben Sack entsorgt, um dann wieder im Meer zu landen, sondern man „renaturiert“ ihn zuhause.

Um die Wohnung nicht komplett zuzuplastikieren, schafft man ihn weiter weg.

Platz ist genug in der Landschaft, Seevögel gibt es nicht – also, was ist schlimm daran?

Außerdem ist es ja auch BIO!

 

Jeder kleine Ladendieb . . . .

Verkehrsminister kündigt Verträge zur Maut-Erhebung
Nach dem Urteil des EuGH hat CSU-Minister Andreas Scheuer Konsequenzen gezogen: Verträge mit den Firmen Kapsch TrafficCom und CTS Eventim wurden gekündigt.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat in Reaktion auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Pkw-Maut die Verträge zur Kontrolle und zur Erhebung der Maut gekündigt. Nach Angaben des Ministeriums veranlasste Scheuer noch am Dienstagabend ein Ende der Zusammenarbeit mit den Unternehmen Kapsch TrafficCom und dem Ticketvermarkter CTS Eventim.

Nach Angaben der beiden Firmen enthalten die Verträge, die mit dem Verkehrsministerium geschlossen worden waren, Klauseln für politische Risiken des Maut-Vorhabens – auch „für den Fall, dass die Infrastrukturabgabe nicht eingeführt werden sollte“. Auf den Bund könnten demnach Schadensersatzforderungen zu kommen.

mistkaeferterror: Es war grob fahrlässig, vor der Entscheidung des EuGH Verträge abzuschließen. Das war entweder dumm – dann gehört Scheuer nicht auf diesen wichtigen Posten – oder dreist, nach der Devise ‚ich werde ja sowieso nicht zur Kasse gebeten, wenn’s schiefläuft – dann gehört er erst recht nicht auf diesen Posten.

Jeder kleine Ladendieb müsste mit Gefängnis rechnen – Andreas Scheuer wird im Amt bleiben und nach seinem Ausscheiden einen hoch dotierten Beratervertrag bekommen. Da wagen wir einmal eine Voraussage: BMW . . . Kapsch TrafficCom . . . CTS Eventim . . . die Firmen sollen schon Schlange stehen.

Reaktivierung des Schienenverkehrs – da ist noch Luft nach oben

Zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus fahren wieder Personenzüge

45 Jahre nach der letzten Fahrt fahren seit Sonnabend wieder Personenzüge von Bad Bentheim über Nordhorn nach Neuenhaus. Moderne Triebwagen pendeln künftig stündlich über die Strecke der Bentheimer Eisenbahn, die die Gleise in den vergangenen Jahrzehnten für den Güterverkehr in Betrieb hielt. Heute startet der Verkehr nach regulärem Fahrplan.

Riesenfortschritt für die Region

„Für unsere Stadt ist das mindestens ein Halbjahrhundertprojekt, wenn nicht ein Jahrhundertprojekt“, sagt Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling (SPD). Der reaktivierte Bahnanschluss sei für die Kreisstadt und die gesamte Region ein Riesenfortschritt. Keinen eigenen Bahnhof zu haben, habe die Stadt bei Gästen immer rückständig wirken lassen. Das ist nun vorbei: Die Stadt werde für Touristen attraktiver, aber auch für ihre eigenen Bürger. Schüler, Studenten, Berufstätige können in die Stadt endlich mit dem Zug pendeln und müssen nicht im langsameren Bus sitzen.

Große Nachfrage in der Region

Bei der bisherigen Strecke soll es nicht bleiben. Angepeilt ist die Verlängerung der Bahnverbindung in die nahen Niederlande, dann sei auch die Studentenstadt Emmen ganz nah, so Berling. Schließlich werde die Stadt auch als Tagungs- und Veranstaltungsort attraktiver. Die Mobilität verändere sich, gerade junge Menschen wollten auf das Auto verzichten. Die Nachfrage in der Region ist der Bentheimer Eisenbahn AG zufolge riesengroß. Das habe sich bei den zahlreichen Testfahrten in den vergangenen Monaten gezeigt, sagt der Vorstand des kommunalen Bahn-Unternehmens, Joachim Berends.

Ausgaben die sich lohnen

Für die Instandsetzung der Strecke wurden rund 21 Millionen Euro investiert. Das Land übernahm mehr als 15 Millionen Euro. Den Rest der Kosten tragen die Kommunen.

Dritte reaktivierte Bahnstrecke im Land

Es handelt sich um die dritte Reaktivierung einer Bahnstrecke im Personenverkehr in Niedersachsen. 2005 ging die Strecke von Osnabrück Richtung Bielefeld wieder durchgehend in Betrieb, seit Ende 2018 fährt die Bahn wieder direkt ins Zentrum von Einbeck. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren des niedersächsischen Verkehrsministeriums aus zunächst 73 und am Ende acht für eine Reaktivierung infrage kommenden Strecken war die Bentheimer Eisenbahn eine der geeigneten Trassen.

 

Güterverkehr – Engpass im Rheintal

Güterverkehr – Engpass im Rheintal*

– Güterverkehr in Europa leidet unter Engpässen bei vielen Bahnstrecken und maroder Infrastruktur
– Österreich und Schweiz investieren massiv in Schienennetz
– Deutschland hält Zusagen an Nachbarländer nicht ein
– Investitionen in deutsches Netz sind falsch verteilt

Schon seit Jahrzehnten verspricht die Politik, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlegen, um die Straßen zu entlasten. Passiert ist das Gegenteil.

Aber es kommt noch schlimmer

Weil Deutschland seine Zusagen nicht einhält, wird der gesamte europäische Güterverkehr beeinträchtigt. Und die Folgen erleben viele von uns fast jeden Tag. Gerade in der beginnenden Urlaubssaison.

LKW und Sprinter verstopfen immer stärker die Autobahnen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Raststätten-Betreiber wissen nicht mehr, wo sie die vielen riesigen Laster unterbringen sollen.

Rolf Riemensperger, Betreiber der Rastanlagen im Hegau, sieht die Schuld bei Politik und Wirtschaft: „Der Schienenverkehr hätte nicht abgebaut werden sollen. Und die Firmen hätten ihre Lager nicht völlig abreißen sollen, sondern auch aufbauen, sodass sie nicht morgens um sieben (Uhr) die Ware haben müssen, die sie am selben Tag verbrauchen.“

Die Bahn verspricht deutliche Verbesserung

Zitat aus dem DB-Clip zur neuen Schienen-Strategie:

‚Deutschland braucht eine starke Schiene. Sie bringt die deutsche Wirtschaft nachhaltig voran. Sie verbindet Europa.‘

So wirbt der Vorstand der Deutschen Bahn AG für sein neues Strategiepapier, das Plusminus vorliegt. Der Güterverkehr auf der Schiene soll danach um 70 Prozent erhöht werden. Bahn-Chef Lutz verspricht, 13 Mio. weniger LKW-Fahrten im Jahr. Das sind ganz neue Töne. Doch ist das möglich?

Deutscher Schienenausbau weit hinter Schweiz

In der Schweiz schon. Hier liegt nämlich der Anteil der Schiene am Güterverkehr bei 40 Prozent. In Deutschland ist es mit 19 Prozent nicht mal die Hälfte. Aber: Die Schweiz hat das Schienennetz auch massiv ausgebaut.

Beispiel: Der Gotthard-Basistunnel – seit 2016 in Betrieb und mit 57 km der längste Eisenbahntunnel der Welt. Ganz wichtig für die Verkehrsachse von Genua nach Rotterdam. Schwere Güterzüge benötigen nicht mehr zwei Loks wie auf der alten Bergstrecke. Die Fahrt wird kürzer und billiger.

Damit lässt sich die Transportleistung in der Schweiz verdoppeln. Wenn aber die Güterzüge die Grenze erreichen, genügt die Gleiskapazität bei Weitem nicht.

Viele Speditionen nutzen deshalb in Deutschland die Straße. Die Bundesregierung hatte der Schweiz vor über 20 Jahren zugesagt, die völlig überlastete Rheintalstrecke bis Karlsruhe auf vier Gleise zu erweitern. Doch ein großer Teil ist immer noch zweigleisig.

Dauerbaustelle Rheintalstrecke bleibt Dauerstreit

Güterzug | Bild: dpa picture alliance / Daniel Reinhardt

Auch in Rastatt. Dort sollte das dritte und vierte Gleis durch einen Tunnel führen. Um die Erde für die Arbeit der Riesen-Bohrmaschine zu stabilisieren, musste sie vereist werden. Doch dann kam es vor zwei Jahren zu einer schweren Havarie. Die Trasse sackte ab, der Bahnverkehr in der gesamten Region brach zusammen. Sieben Wochen lang ging nichts mehr.

Zuständig ist die DB Netz AG, geleitet von                                          Ronald Pofalla.

Ronald Pofalla, Deutsche Bahn, Infrastruktur-Vorstand, im März 2019: „Nach wie vor ungeklärt ist die Frage – und das ist ein Teil der Probleme, die wir in Rastatt haben –, was die eigentliche Ursache war. Und das wiederum hängt aber auch damit zusammen, was wir jetzt für Maßnahmen ergreifen, um die vorhandene Havarie zu beheben.“

Bis heute streitet man sich mit den Baufirmen darüber, wer für den Schaden aufkommen muss.

Plusminus wurden interne Akten zugespielt. Die legen wir dem Eisenbahn-Ingenieur Baldur Rögener vor. Er hat Jahrzehnte lang große Projekte realisiert.

An der Unglücksstelle erklärt uns Rögener, dass die Temperatur der vereisten Erde vermutlich nicht korrekt gemessen wurde. „Diese kontinuierlichen Messungen sind mit technischen Mitteln und zwar mit modernen technischen Mitteln jede Sekunde möglich, sodass man dann hätte mit Sicherheit auch rechtzeitig eine sich ankündigende Havarie erkennen können.“

Ging Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit?

Fehlerhafte Messungen. Das sollte geklärt werden. Versäumnis Nummer zwei: Man habe die Gleise der vorhandenen Rheintalbahn nicht durch eine Hilfsbrücke gegen ein Absinken abgesichert.

Klage gegen DB Netz AG

Inzwischen hat ein Anwalt Klage gegen die DB Netz AG eingereicht. Er vertritt mehrere Eisenbahn-Unternehmen, denen wegen der Sperrung der Strecke ein schwerer Schaden entstanden ist.

Frank Wilting, Rechtsanwalt: „Wir sind davon überzeugt, es handelt sich hier keinesfalls um höhere Gewalt, sondern um eine – wahrscheinlich – Sorglosigkeit. Hier wurde Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit gestellt.“

Bahn hat zu wenig Umleitungsstrecken

Der Fall Rastatt zeigt ein grundlegendes Problem, sagt der Verkehrsexperte Prof. Heiner Monheim. „Die Havarie in Rastatt hat bewiesen, es fehlt Flexibilität im Netz. Es gibt zu wenig Umleitungsstrecken. Das unterscheidet das Bahnnetz vom Autobahnnetz. Jedes Stück Autobahnnetz hat seine Umleitungsstrecke.“

Die Bahn hat viele Ausweichstrecken stillgelegt. Auch im Rheintal. Wo früher einmal Züge rollten, wie auf einer Rheinbrücke, überqueren heute Autos und LKW den Fluss. Ein Bild von hoher Symbolkraft.

Seit Anfang der 90er Jahre ist das Straßennetz in Deutschland um 40 Prozent gewachsen. Das Schienennetz ist um rund 20 Prozent geschrumpft.

Lkw im Stau auf der Autobahn | Bild: dpa picture alliance / Matthias Strauß
Kein Wunder also, dass die Staus auf den Straßen immer länger werden. Doch es gibt Auswege, heißt es in einem aktuellen Gutachten: Eine systematische Beseitigung von Flaschenhälsen im Netz und Investitionen in Strecken, die noch nicht elektrifiziert sind. Dann könnte doppelt so viel Güterverkehr über die Gleise rollen wie heute.

Investitionen in deutsches Netz anders verteilen

Das geht aber nur, wenn die Bahn wesentlich mehr Geld bekommt. Die Regierung will jetzt zwar mehr investieren. Doch bei weitem nicht genug. Denn im europäischen Vergleich hinkt Deutschland weit hinterher:

In der Schweiz investiert der Staat 365 Euro pro Bürger ins Schienennetz, in Österreich 218. In Deutschland sind es gerade mal 77 Euro.

Prof. Heiner Monheim, Verkehrsexperte: „Wir verteilen unser Geld völlig falsch. Unsere Investitionen werden ganz überwiegend in Großprojekte der Hochgeschwindigkeit gesteckt. Wir müssen das Geld viel mehr in die Fläche bringen. Wir brauchen massenhaft Reaktivierungen von Strecken, weil wir eben mehr Flexibilität in Netz bringen müssen.“

Das ist bei unseren Nachbarn anders. In Österreich wird die Bahn-Kapazität mit dem Brenner-Basistunnel ab 2028 noch einmal stark steigen. Doch die passenden Gleistrassen in Deutschland werden erst Jahrzehnte später gelegt. Wenn überhaupt.

Ein Beitrag von Hermann Abmayr

*Dieser Beitrag wurde als Textbeitrag der Sendung veröffentlicht und hier komplett übernommen. Der TV-Beitrag ist über einen Klick (unten)zu erreichen

http://mediathek.daserste.de/Plusminus/Güterverkehr-Engpass-im-Rheintal/Video?bcastId=432744&documentId=64718540

Dazu ein Bild-Kommentar von mistkaeferterror:

Der Abgrund ist in Sichtweite

Der Klimawandel gefährdet Nachhaltigkeitsziele *

© Foto: Federico Gambarini

Laut eines Berichts der Vereinten Nationen hat der Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Atmosphäre 2018 weiter zugenommen. Dies gefährdet auch den Erfolg der UN-Nachhaltigkeitsziele.

Der Klimawandel und die weltweit zunehmende soziale Ungleichheit gefährden den Erfolg der UN-Nachhaltigkeitsziele. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Vereinten Nationen, der in New York vorgestellt wurde.

Viele Verbesserungen der globalen Lebensverhältnissen könnten durch die Erderwärmung und die gesellschaftliche Schieflage rückgängig gemacht werden. «Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, bedarf es eines sofortigen Kurswechsels», sagte der Vizepräsident des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen, Valentin Rybakov.

Insbesondere brauche es eine Politik, die niemanden zurücklasse und sich kritisch jenen Mechanismen widme, die zu einer «Konzentration von Reichtum und Macht an der Spitze führen».

Die Nachhaltigkeitsziele gelten als die globalen Vorsätze der Vereinten Nationen und ihrer Mitgliedsstaaten. Zu ihnen gehört, dass kein Mensch mehr in Armut leben oder Hunger leiden darf, dass der Zugang zu Bildung und der Gesundheitszustand verbessert werden, die Diskriminierung von Frauen beseitigt und der Klimawandel bekämpft werden sollen. Die 17 Ziele sollen bis 2030 erreicht werden.
Im jetzt veröffentlicht Bericht heißt es, das Jahr 2018 sei das viertwärmste seit dem historischen Beginn der Messungen gewesen und der Gehalt von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre habe weiter zugenommen. Außerdem sei der Säuregehalt der Ozeane um 26 Prozent im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter gestiegen. Es wird prognostiziert, dass der Säuregehalt bei gleichbleibenden CO2-Emissionen bis zum Jahr 2100 um 100 bis 150 Prozent zunimmt.
Gleichzeitig weisen die Autoren des Berichts auf die sozialen Ungleichgewichte innerhalb von Ländern und zwischen den Staaten hin. Extreme Armut kommt demnach in ländlichen Regionen drei Mal häufiger vor als in Städten. Auch die Gleichberechtigung von Frauen sei immer noch nicht gewährleistet. Außerdem stelle der weltweite Hunger nach einem langen Rückgang wieder ein wachsendes Problem dar.

*Quelle: dpa  –  11.7.2019

Es liegt doch auf der Hand

Ganz Deutschland – nein ganz Europa und die Welt machen sich Gedanken um die Zitteranfälle der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Cool und beherrscht wie immer wischt sie alle Bedenken hinweg: „Ich habe nichts Besonderes zu berichten. Mir geht es gut.“

Ihr geht es gut, aber ihr Körper wehrt sich. Ein Widerspruch, den sie einfach ignoriert, da sie weiß, dass sie gerade jetzt gebraucht wird. In Deutschland, in Europa und in der Welt.

In Deutschland stolpert derzeit eine unfähige Dilettanten-Truppe durch die Regierung. Angefangen bei der Ministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen, weiter bei der „Zuckerpuppe von der Lobbytruppe“ Landwirtschafts- und Verbraucherministerin Julia Klöckner zu dem noch unfähigeren Straßenverkehrsminister Andreas Scheuer bis hin zur SPD, die ihre Führung nicht in den Griff bekommt. Dazu kommt dann noch ihre eigene Nachfolgeregelung, nachdem sie vielleicht etwas zu voreilig verkündet hatte, dass sie bei der irgendwann kommenden Wahl zum Deutschen Bundestag nicht mehr als Kandidatin antreten werde. Ihre Wunschnachfolgerin AKK hat sich zwar bei der Kür mit Ach und Krach durchsetzen können, aber im Nachhinein erweist sich diese Wahl doch als Griff in die *-Schüssel.

Das alles wäre noch auszuhalten, käme nicht das entscheidende Faktum hinzu. Angela Merkel ist Wissenschaftlerin.
Dazu ein Blick in ihre Vergangenheit: Am 8. Januar 1986 reichte sie ihre Dissertation mit dem Thema Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden ein. Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ (magna cum laude) bewertet.*

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann behauptet werden: Wer dieses Thema beherrscht, weiß auch um den Zustand der Erde, weiß auch, dass die Kinder und Jugendlichen Recht haben, wenn sie freitags auf die Straße gehen und für ein Umsteuern in der Klimapolitik demonstrieren.

Das zu wissen und nicht zu handeln müsste aus dem Zittern ein Beben machen!

*Wikipedia