Trübe Brühe zwischen Weser und Elbe

21. November 2018

Naturschützer haben Gewässerbelastung in der Region untersucht: Mängelquote von 88 Prozent
„Trübe Brühe zwischen Weser und Elbe“, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seine Pressemitteilung überschrieben. Bei der „Aktion Wasser“ hatten die Naturschützer seit dem Frühjahr mehr als 170 Gewässer- und Grundwasser-Proben in den Landkreisen Cuxhaven, Osterholz und Wesermarsch untersucht.
62 Proben stammten aus stehenden oder fließenden Gewässern der Region; davon befanden sich 88 Prozent in keinem guten Zustand. Dazu kamen noch 110 Proben aus privaten Hausbrunnen; bei 59 Prozent der Fälle war das Brunnenwasser mäßig bis sehr kritisch belastet. Neun Prozent der Werte überschritten sogar den offiziellen Grenzwert für Trinkwasser von 50 Milligramm pro Liter.
„Ursache für die Belastung der Gewässer und des Grundwassers ist vor allem die aktuell intensive Form der Landwirtschaft“, so der Biologe Bernd Quellmalz von der BUND-Regionalgruppe Unterweser. Nitrat sei für Menschen zwar „erst einmal nicht giftig, im Magen und Darm aber wird es durch Bakterien zum giftigen Nitrit umgebaut.“ Es gilt als krebserregend und führt vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen dazu, dass das Blut nicht mit hinreichend Sauerstoff versorgt wird. Für die Natur mit ihrer Artenvielfalt stelle die zu hohe Nährstofffracht ebenfalls ein großes Problem dar, so Quellmalz.
Bei der diesjährigen „Aktion Wasser“ hatte der BUND an Info-Ständen zur Abgabe von Wasserproben aufgerufen und bei Schulungen 13 Ehrenamtler zu Datensammlern qualifiziert.
BUND-Geschäftsführer Quellmalz fordert: „Die Politik muss endlich auf allen Ebenen handeln. Wir werden auf jeden Fall weitermachen und suchen für weitere Wasseruntersuchungen noch Unterstützung.“

Quelle: http://www.bund-weser-elbe.de/aktionwasser oder 01 76 / 51 63 80 85.

mistkaeferterror fragt: Nitrat und Gifte im Lebensmittel Wasser? Wo das wohl herkommt?

 

Advertisements

Hyperloop

18. November 2018

HHLA prüft Containertransport mittels Hyperloop

Bei einer Behörde hat man das schon einmal gesehen. Nach der Bearbeitung eines Antrags packt der Beamte das Schriftstück in so eine Art Metallbombe und verfrachtet diese in eine der Röhren, die in der Ecke des Büros aus der Decke kommen und im Fußboden verschwinden. Die Metallbombe mit den Unterlagen saust von dannen und kommt in irgendeinem anderen Büro wieder zum Vorschein. Dort mit der noch fehlenden Unterschrift des Abteilungsleiters versehen, kommt die Akte wiederum in die Bombe, dann in eine dieser Röhren, die auch in diesem Büro in der Ecke vom Fußboden durch die Decke verlaufen und schwupps ist sie wieder an der Ausgangsstelle, wo der Antragsteller auf sein Schriftstück wartet. So schnell geht es nicht immer, aber schneller als sie der Erstbearbeiter zu Fuß über drei Stockwerke in das Zimmer seines Vorgesetzten hätte bringen können.
Rohrpost wurde das und wird das auch heute noch genannt.
Der Name ist zu simpel. Deshalb ist das heute ein Hyperloop – super Flug – oder was immer das auch sonst heißen mag.

Nun prüft der Hamburger Terminalbetreiber HHLA den Containertransport mit der Rohrpost – Entschuldigung – Hyperloop-System. Die in Röhren verlaufenden Kapseln sind mit einer Geschwindigkeit von rund 1200 Stundenkilometern unterwegs und würden den Umschlag im Hafen revolutionieren. „HHLA und HTT verhandeln derzeit über ein Joint-Venture mit dem Ziel, im Hamburger Hafen ein Hyperloop-Projekt zu testen“, bestätigt HHLA-Sprecher Hans-Jörg Heims das Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Anbieter Hyperloop-Transportation-Technologies (HTT). Details der Gespräche gibt die Hamburger Hafen- und Logistik AG jedoch nicht preis.
Der Clou bei der Hyperloop-Idee: Die Transportbehälter bewegen sich in engen Röhren in einem Fast-Vakuum. Aufgrund des wegfallenden Luftwiderstandes soll ein Tempo im Bereich der Schallgeschwindigkeit möglich werden. Der Fahrweg verläuft oberirdisch auf Stützen. Solarzellen auf den Röhren sorgen für die Stromversorgung. Die Kapseln bewegen sich fahrerlos und computergesteuert.

HTT lässt derzeit in Toulouse einen Prototyp herstellen

Ursprünglich für ultraschnelle Reisen von Menschen und damit als Alternative zu Flugzeug und Bahn erdacht, möchten HHLA und HTT das Prinzip nun auf Warenlieferungen übertragen. Das Verkehrsnetz im Hamburger Hafen ist durch den Weitertransport von neun Millionen Containern pro Jahr hochgradig belastet. Der Hyperloop könnte zum Befreiungsschlag werden, die Boxen direkt an den Terminals aufnehmen und ins Umland befördern. Erst dort würden sie auf Lkw verladen. Die Kapazität taxieren die Planer auf bis zu vier Millionen Container jährlich. Für den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur im Großraum Hamburg erwarten Experten Kosten in mehrfacher Milliardenhöhe.

Quelle: BZ 16.11.2018

 

Für Amazon nichts Neues

Während man in Hamburg bezüglich des Hyperloop noch ganz am Anfang steht und auch die Finanzierung des Projekts noch nicht geklärt ist, ist Amazon auf diesem Gebiet schon sehr viel weiter. Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist in Geesthacht ein Bauprojekt verwirklicht, das entfernt an eine Raffinerie erinnert. Der Laie sieht nur Röhren, aber diese Röhren haben es in sich. Darinnen befinden sich Bomben verschiedener Größen, die dazu geeignet sind, in ihrem Innern Pakete zu transportieren.
Dazu der Projektleiter von Amazon Nord Friedrich Luft: „Wir sind jetzt schon in der Lage, von hier aus durch unsere Röhren Pakete aller Größen in die verschiedenen Unterverteilstellen der größeren Städte zu jagen.“
Von dort werden sie dann derzeit noch per Elektro-Laster zu den jeweiligen Haushalten gebracht.

„Beginnend in den größeren Städten planen wir die Verrohrung aller Haushalte, damit die Sendungen klimaneutral zu den Kunden kommen“, ergänzt Friedrich Luft mit einem Schmunzeln.

 

 

Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt aus dem Innenleben des Amazon-Komplexes in Geesthacht.

 


Das Bild zeigt die Anlage, wie sie von dem Terminalbetreiber HHLA verwirklicht worden ist: Die Verrohrung verläuft oberirdisch.

Im Bild unten kann man die Verrohrung von Amazon nicht sehen: Sie verläuft unterirdisch, Spaziergänger können lediglich an einem kaum hörbaren Summton merken, dass unter ihnen Pakete durchrauschen.

 

 

Quelle: unbekannt

 

 

Tiere abknallen – just for fun!

14. November 2018

Neuigkeit zur Petition von Dr. Christian Felix – Deutschland

Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

seit März diesen Jahres ist Svenja Schulze Nachfolgerin von Barbara Hendricks als Bundesministerin im SPD-geführten Umweltministerium. An sie richtet sich nun unser Apell, das Bundesamt für Naturschutz anzuweisen, die lockere Genehmigungspraxis bei der Einfuhr von Jagdtrophäen endlich zu stoppen. Nach den USA ist Deutschland der größte Importeur von Jagdtrophäen.

Im Mai 2017 hörten wir im Bundesamt für Naturschutz bei der Übergabe dieser Petition von Staatssekretär Jochen Flasbarth (SPD), dass die Position der Bundesregierung „gut begründet“ sei. Eine Begründung hörten wir indes nicht. Auch die nachgeschobene schriftliche Erklärung überzeugte nicht [1]. Flasbarth ist Staatssekretär geblieben, nachdem er vorübergehend den Vorsitz der Geschäftsführung der Gesellschaft für Zwischenlagerung übernommen hatte, als es vor einem Jahr noch nach einer Jamaika-Koalition aussah [2]. Somit steht die Bundesregierung, auch personell, weiterhin zur Trophäenjagd.

Doch wir sind uns sicher, dass sich am Ende die stärkeren Argumente durchsetzen werden. Wir werden nicht ruhen, bis sich die Bundesregierung dem Vorbild anderer Länder anschließt und die Unterstützung für die Trophäenjagd beendet. Elefant, Löwe, Leopard, Gepard, Nashorn, Giraffe – all die Tiere, die vor ihrer Ausrottung stehen und auch andere – dürfen nicht weiter von deutschen Hobbyjägern zum Spaß abgeknallt werden.*

Wir sind die Stimmen derer, die selbst keine haben. Wir werden täglich mehr. Heute sind wir 400 000.

Herzliche Grüße
Christian Felix

Quellen:

[1] https://www.bmu.de/download/hintergrundpapier-zum-thema-trophaeenjagd/
[2] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/neue-posten-macht-und-gehalt-zu-verteilen/20799216.html

*Aus sicherer Quelle wissen wir, dass ein solcher Hobbyjäger auch im Elbe-Weser-Dreieck (Hipstedter Raum) lebt.

Hintergrundinformation

Frau Schulze, stoppen Sie den Import von Jagdtrophäen geschützter Tierarten!

Dr. Christian Felix hat diese Petition an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Bundesministerin Svenja Schulze gestartet.
Der Jagdtourismus trägt maßgeblich zur Ausrottung selten gewordener Tierarten in Afrika bei. Unglaublich aber wahr. Das Bundesamt für Naturschutz erteilt noch immer Importgenehmigungen für Jagdtrophäen. Doch wir können etwas dagegen tun. Unterschreiben Sie diese Petition, damit Deutschland künftig die Einfuhr von Trophäen bedrohter Arten verweigert.

Hintergrund

Jagdskandale wie die grausame Pfeil-Jagd eines amerikanischen Zahnarztes auf den Löwen Cecil oder der Abschuss von Ncombo, Afrikas größtem Elefantenbullen, durch einen Berliner Immobilienmakler sind keine Einzelfälle. Jahr für Jahr fallen rund 600 Löwen, 800 Leoparden und 900 Elefanten Hobbyjägern zum Opfer. Dabei sind die schönsten und stärksten Tiere als Trophäe besonders beliebt, was die Jagd auf die von Wilderei bereits bedrohten Arten noch mörderischer macht. Denn gerade diese Tiere sind für die Arterhaltung am wichtigsten.
Wer einen Elefanten mit langen Stoßzähnen erschießt, raubt einer ganzen Herde das Wissen, das sie zum Überleben braucht, denn nur die alten, erfahrenen Elefanten kennen die Migrationsrouten und Wasserstellen in Dürrezeiten und wissen um die Wirkung heilender Pflanzen. Wer ein stattliches Löwenmännchen erlegt, bringt Stress und Rivalitätskämpfe in das Rudel, ist für den Tod der Nachkommen verantwortlich und sorgt für eine genetische Verarmung.
Je seltener ein Tier desto begehrter und teurer die Jagd. Für das Töten eines Elefanten zahlt der Hobbyjäger 17.000 bis 65.000 Euro. Selbst die wenigen Bullen der 200 noch lebenden Wüstenelefanten in Namibia werden für entsprechende Entgelte legal ins Visier genommen. Für 280.000 Euro dürfen auch die letzten Vertreter der Spitzmaulnashörner erschossen werden.
Jagdanbieter werben gerne mit dem Argument der angeblichen Nachhaltigkeit der Trophäenjagd; die Geldeinnahmen für die Vergabe der Abschusslizenzen kämen dem Artenschutz und der lokalen Bevölkerung zugute. Zahlreiche wissenschaftliche Studien der letzten Jahre widerlegen genau dies. Die Bevölkerung bekommt von den Jagdeinnahmen praktisch nichts ab, in den Jagdländern Tansania, Namibia, Sambia, Zentralafrikanische Republik, Burkina Faso und Benin sind es gemittelt 30 Cent pro Kopf und Jahr. Noch weniger profitiert der Artenschutz in den gerade in Jagd- und Naturschutz-Angelegenheiten von Korruption geplagten Ländern. In den meisten Jagdgebieten geht nicht nur der Wildtierbestand rapide zurück, auch die dort lebende Bevölkerung verarmt immer mehr. Weil es an alternativen Erwerbsmöglichkeiten mangelt, wird sie zur Wilderei gezwungen, um ihre Existenz zu sichern. Den größten Profit beim Verkauf der Abschusslizenzen streichen indes die ausländischen Anbieter der Jagdsafaris ein.
Länder wie Namibia und Tansania locken Jagdtouristen in der Hoffnung auf Devisen. Doch gerade in Tansania hat die Strategie der nachhaltigen Jagd komplett versagt. Im größten Jagdgebiet Afrikas, dem Wildreservat Selous und Umgebung, schlachteten Wilderer in den letzten fünf Jahren 57.000 Elefanten ab. Für die Hobbyjäger gibt es jetzt dort nichts mehr zu schießen. Kenia dagegen hat bereits 1977 die Jagd verboten, Botswana 2014. Aus gutem Grund. Wirtschaftlichen Studien zufolge schafft der Fototourismus wesentlich mehr dauerhafte Jobs als der Jagdtourismus und ist um ein Vielfaches lukrativer. Ein Elefant beispielsweise trägt zum BIP umgerechnet 1,5 Mio. Euro bei, bezogen auf seine gesamte Lebensspanne von 70 Jahren.
Die EU hat inzwischen den Import von Trophäen getöteter Elefanten aus Tansania, Mosambik und Kamerun verboten. Löwentrophäen dürfen Jäger aus Äthiopien, Benin, Burkina Faso und Kamerun nicht mehr mitbringen. Dadurch verliert die Jagd ihren Reiz. Doch aus anderen Ländern, in denen die Wildtierbestände teilweise dramatisch eingebrochen sind, ist die Einfuhr von Jagdtrophäen gefährdeter Arten weiterhin möglich.
Deutschland verhindert das bisher nicht, obwohl gerade deutsche Jäger einen hohen Anteil an der Jagd auf streng geschützte afrikanische Tierarten haben. In den letzten zehn Jahren wurden die Trophäen von 323 Elefanten, 417 Leoparden, 195 Löwen, 24 Breitmaulnashörnern und 2 Spitzmaulnashörnern nach Deutschland eingeführt. Das dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz unterstellte Bundesamt für Naturschutz hat damit 99,7 % aller Import-Anträge für die Trophäen besonders schützenswerter Tierarten genehmigt (aufgelistet in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES).
Dabei wäre das Amt nach der EU-Artenschutzverordnung 338/97 verpflichtet, jeden Importantrag hinsichtlich der Mindestanforderungen für die Einfuhr von Exemplaren gefährdeter Tierarten zu prüfen. Danach darf die Erteilung einer Einfuhrgenehmigung das Verbreitungsgebiet der Population nicht beeinträchtigen oder sonstigen Belangen des Artenschutzes entgegenstehen und muss dem Schutz der betreffenden Art dienen.
Die Großwildjagd ist ein Relikt aus der Kolonialzeit, sie ist ethisch nicht vertretbar, lässt die lokale Bevölkerung verarmen und heizt die Wilderei an, sie dient weder der Arterhaltung noch dürfte sie im Interesse des einzelnen Tieres stehen. Es wird höchste Zeit, dass Deutschland seiner rechtlichen Verpflichtung nachkommt.
Quellen
IUCN/PACO: Big Game Hunting in West Africa. What is its contribution to conservation? IUCN, Cambridge, 2009, ISBN: 978-2-8317-1204-8
Sara Wehrli: Jagdtourismus: Die Schattenseite unserer „Heger und Pfleger“, Fachstelle Wildtiere STS, Basel, 2014, http://www.tierschutz.com
„Duties of the CITES Scientific Authorities and Scientific Review Group under Regulations (EC) No 338/97 and (EC) No 865/2006”, http://ec.europa.eu/environment/cites/pdf/srg/guidelines.pdf
„Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates vom 9. Dezember 1996 über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels“, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:31997R0338&from=EN
„Einfuhr von Jagdtrophäen, Antwort der Bundesregierung, 13.10.2015“, http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/063/1806317.pdf
„Großwildjagd: Der ganz legale Ausverkauf bedrohter Arten“, http://www.prowildlife.de/presseinformation_trophaenjagd_KleineAnfrage_2015
„Elefantenmassaker in Tansania“, http://www.reaev.de/wordpress/wp-content/2015/05/pm5_apr2015_rea3.pdf
The David Sheldrick Wildlife Trust: „Dead or Alive? Valuing an Elephant“, http://www.iworry.org
Economists at Large: The $200 million question: How much does trophy hunting really contribute to African communities?, A report for the African Lion Coalition, prepared by Economists at Large, Melbourne, Australia, 2013

Glyphosat im „Tunnel“

24. Oktober 2018

Bayer versucht Bedeutung der Bienen-Studie herunterzuspielen – Ohne Erfolg.

Über 95.000 haben die Petition gegen Glyphosat schon unterzeichnet. Und das zeigt Wirkung. Bayer ist in der Defensive und versucht auf Twitter die Bedeutung der neuen PNAS-Bienen-Studie herunterzuspielen (https://twitter.com/BayerPresse_DE/status/1045293771011887104 Erst kündigen sie an, eine Studie, die die PNAS-Ergebnisse angeblich widerlegen soll, per Post zu verschicken (https://twitter.com/BayerPresse_DE/status/1045688989255168000 dann fast zwei Wochen später gibt es doch einen Link zur Studie und Blogbeitrag dazu (https://twitter.com/BayerPresse_DE/status/1049919151295393792

In diesem Blogbeitrag führt Bayer dann eine so genannte “Tunnelstudie” (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4285224/ von Monsanto und anderen Pestizidherstellern als Beweis an, dass Glyphosat sicher für Bienen sei. Bei genauem Lesen wird aber klar: Der Versuchsaufbau lässt diese Schlussfolgerung nicht zu. Denn die neue Bienen-Studie hatte ja gezeigt, dass die Bienen durch Glyphosat anfälliger für Infektionen werden. Doch in der Monsanto-Tunnelstudie befinden sich die Bienenvölker geschützt vor Wetter und anderen Insekten in einem Gewächshaus (dem namensgebenden “Tunnel”) und sind vorher darauf getestet worden, dass sie gesund sind. Unter diesen künstlichen Bedingungen sind die Bienen daher ohnehin vor Infektionen weitgehend geschützt. Der Effekt von Glyphosat auf die Infektionsanfälligkeit konnte also gar nicht beobachtet werden.

Auch schweigt sich Bayer/Monsanto dazu aus, ob sie weitere Studien zu Bienen und Glyphosat haben, die sie bisher nicht veröffentlicht haben. Hier sagt Bayer, sie prüfen eine Veröffentlichung der Studien von Monsanto nach dessen Übernahme noch rechtlich. Wie lange das dauert, ist nicht klar.

Dieses Verhalten bestätigt unsere Kritik: Es darf nicht sein, dass ein Konzern selbst entscheidet, wann er welche Studien zu seinen Produkten veröffentlicht, deren Wirkung potenziell gefährlich für Mensch und Tier sind. Das ist Gutsherrenart und hat im 21. Jahrhundert nichts verloren.

Wir fordern, dass grundsätzlich alle Studien öffentlich zugänglich sind und von unabhängigen Wissenschaftler*innen geprüft (engl. peer-reviewed) werden. Die Konzerne sollen nicht mehr direkt Sicherheitsstudien durchführen oder in Auftrag geben können, sondern in einen Forschungs-Topf einzahlen, auf den nur die verantwortlichen EU-Behörden Zugriff haben und damit unabhängige Forschung finanzieren. Dafür streiten wir im Europaparlament und vor dem EuGH!

Bis das soweit ist: Zeigen wir Bayer und Co., dass wir diese Geheimnistuerei leid sind! Es fehlt nicht mehr viel.

Helft bitte kräftig mit und teilt den Link zu der Petition: http://www.change.org/bienen

Mit entschlossenen, grünen Grüßen,

Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments
Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments
Dr. Maximilian Fries, Krebsbiologe, MSc Biomedizin

Niedersächsische Landesforsten: Holz ist unser Geschäft! Wir geben nichts her!

24. Oktober 2018

Zehn Prozent der landeseigenen Waldfläche in Niedersachsen sollen sich naturnah ohne Eingriff des Menschen entwickeln können. Dagegen haben sich die Lobbyisten der Niedersächsischen Landesforsten trickreich gewehrt, denn aus dieser Waldfläche könnte dann kein Profit mehr gezogen werden.

BUND: Walderlass ist rechtswidrig – Runderlass zur Natürlichen Waldentwicklung führt zu Moorzerstörung

In einem Offenen Brief an Ministerpräsident Stephan Weil hat der BUND Niedersachsen die Landesregierung zu deutlichen Korrekturen am jüngsten Runderlass zur Waldentwicklung aufgefordert.
„Der Erlass der beiden Niedersächsischen Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt ist in Teilen rechtswidrig“, stellt Axel Ebeler, stellvertretender BUND-Landesvorsitzender, fest. „Eine Umsetzung führt zu erheblichen Beeinträchtigungen von landes- und europaweit geschützten Lebensräumen, vor allem von wertvollen Moorflächen.“ Auch konterkariere der Erlass Naturschutzprojekte, die mit mehreren Millionen Euro von der EU gefördert werden und deren Träger das Land Niedersachen selbst ist.
Im Erlass geht es um das „Programm zur Natürlichen Waldentwicklung in Niedersachsen“, kurz NWE10. Danach sollen auf 10 Prozent der landeseigenen Waldflächen keine Bäume mehr gefällt werden, so dass sie sich ungestört entwickeln können. Das Programm war von den Naturschutzverbänden als großer Schritt zu mehr Naturschutz im Wald begrüßt worden. Der Runderlass sieht aber vor, dass in vielen Fällen nicht etwa vorhandener Wald bewahrt wird, sondern dass auf geschützten Moor-, Heide- und Wiesenflächen künftig Wald entstehen soll.
Welche gravierenden Auswirkungen der Erlass auf wertvollste Moorlandschaften hat, wird am Beispiel des Bissendorfer und Otternhagener Moores besonders deutlich: Die beiden nordwestlich von Hannover gelegenen Moore gehören zu den wertvollsten Hochmoorlandschaften Niedersachsens und stehen seit Jahrzehnten unter Naturschutz. Mit ihren offenen, baumfreien Moorflächen aus Glocken- und Besenheide, Wollgras und Torfmoosen tragen sie das europäische Prädikat „Natura 2000-Gebiet“. Wie nahezu alle Moore in Niedersachsen wurden jedoch auch diese beiden Moore in der Vergangenheit durch Entwässerung, Torfabbau und Gehölzaufwuchs beeinträchtigt. 2011 hat das Land Niedersachsen deshalb das EU-Life+-Projekt „Hannoversche Moorgeest“ beantragt, um vier der wertvollsten Moore in Niedersachsen, darunter auch die Moore bei Bissendorf und Otternhagen, zu renaturieren. Mehr als 11 Mio. Euro werden derzeit in Flächenkäufe, Maßnahmen zur Wiedervernässung und zur Offenhaltung der wertvollen Moorflächen investiert. Auch engagieren sich seit mehr als 40 Jahren ehrenamtliche Naturschützer im Moorschutz: Durch aktive Pflegeeinsätze verhindern sie Gehölzaufwuchs und sorgen so dafür, dass die Lebensbedingungen für typische Moorarten erhalten und verbessert werden.
Mit dem neuen Erlass werden nun alle bisherigen Anstrengungen ad absurdum geführt: Dort, wo bislang gezielt Baumaufwuchs zurückgedrängt wurde, um wertvolle Offenlebensräume zu erhalten, soll laut Erlass Wald aufwachsen. „Betroffen sind unter anderem EU-weit geschützte Moorlebensräume, die seit Jahrzehnten mit erheblichem Einsatz von Steuer- und Fördermitteln und durch engagiertes Ehrenamt wieder vernässt und offen gehalten wurden“, so Ebeler. „Eine Waldentwicklung auf diesen Flächen ist nicht nur naturschutzfachlich widersinnig, sondern verstößt auch gegen europäisches und deutsches Naturschutzrecht und widerspricht Klimaschutzzielen, denn durch die Waldentwicklung werden die Moorflächen künftig mehr klimaschädliches CO2 produzieren.“

Besonders paradox: Eine Bewaldung der Flächen steht im krassen Widerspruch zu den Projektzielen des Life+-Projektes.

Das Land Niedersachsen nimmt so in Kauf, dass die Europäische Union hohe Geldsummen vom Land zurückfordert, da Förderbestimmungen für europäische Naturschutzprojekte missachtet werden.
Bissendorfer und Ottenhagener Moor sind keine Einzelfälle. Zu massiven Konflikten mit dem Naturschutz führt der Erlass auch im Naturschutzgebiet „Krähenmoor“ im Landkreis Nienburg. Hier sind große Flächen als NWE10-Flächen ausgewiesen, während die Verordnung den Schutz und die Entwicklung offener Hochmoorflächen rechtsverbindlich festschreibt. Auch hier wurden über Jahrzehnte ehrenamtlich Moorpflegemaßnahmen durchgeführt und erhebliche Fördermittel für Moorentwicklung und Klimaschutz investiert. Niedersachsenweit sind zehn Moorgebiete sowie wertvolle Grünland- und Heideflächen betroffen, auf denen sich nach dem Willen der Ministerien nun Wald entwickeln soll.
Der BUND fordert Landesregierung und Landtag dringend auf, die Flächenkulisse des Erlasses zu korrigieren: Wertvolle Moorflächen und andere geschützte Lebensräume, auf denen eine Waldentwicklung den Naturschutzzielen widerspricht, müssen durch geeignete Alternativflächen ersetzt werden. Geschieht das nicht, zieht der BUND rechtliche Schritte in Erwägung.

Hintergrund:

Bereits 2015 hatte das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium einen ersten Entwurf zur Auswahl der sogenannten „NWE10-Flächen“ vorgelegt. Von den Landesforsten waren auch waldfreie Lebensräume wie Moore, Heiden und Wiesen eingebracht worden, auf denen der Naturschutz eine Entwicklung zum Wald explizit verhindern will. In der ursprünglichen Flächenkulisse machten allein die waldfreien Bereiche, die nach europäischem oder deutschem Naturschutzrecht gesetzlich geschützt sind und auf denen eine natürliche Waldentwicklung völlig konträr zu den Naturschutzzielen steht, etwa 800 Hektar aus. BUND, Nabu und Greenpeace hatten daraufhin umfangreiche Vorschläge zur Streichung ungeeigneter und Auswahl weiterer Flächen vorgelegt.
Im September 2017 wurden von der Landesregierung weitere NWE10-Flächen benannt (sog. Lückenschluss), die zusammen mit der Flächenkulisse von 2015 (sog. „Eröffnungsbilanz“) zehn Prozent des Landeswaldes umfassen. Zu den ungeeigneten Flächen der Eröffnungsbilanz wurde festgelegt, dass diese einer weiteren Prüfung unterzogen werden müssen: Wo rechtliche und fachliche Gründe gegen eine Waldentwicklung vorliegen, sollten die Flächen gegen geeignete Waldflächen ausgetauscht werden.
Im Niedersächsischen Ministerialblatt vom 11.07.2018 erschien schließlich ein Gemeinsamer Runderlass von ML und MU zur Umsetzung von NWE10. Hier wird verfügt, dass die Flächenkulisse von 2015 nicht mehr zu überprüfen, sondern unverändert umzusetzen ist (Pkt. 3). Eine Evaluation soll nur bei Flächen stattfinden, die in 2017 zusätzlich aufgenommen wurden („Lückenschluss“). Diese machen aber nur 15 Prozent der NWE-Kulisse aus und enthalten, soweit bekannt, keine geschützten Offenlandflächen.

Den Runderlass finden Sie unter: http://www.niedersachsen.de/download/133187/Nds._MBl._Nr._26_2018_vom_11.07.2018_S._663-674.pdf

 

Kiebitze müssen umziehen – Fledermäuse müssen ausziehen

24. Oktober 2018

Bundesverwaltungsgericht lässt Zerstörung geschützter Biotope zu

Als Kompensationsmaßnahme für die geplante Autobahn A 20 werden derzeit in Friedrichsfeld rund 50 Hektar teilweise geschützter Wald und Gebüsch gerodet, um eine Offenlandschaft zu schaffen. Damit werden intakte und wertvolle Lebensräume für Fledermäuse, andere Tiere und tausende Orchideen komplett vernichtet. Der BUND Niedersachsen hatte versucht, diese Naturstörung abzuwenden. Doch das Bundesverwaltungsgericht hält Rodung und Umsiedlungsmaßnahmen für rechtmäßig und ausreichend.

Vorgabe der Kompensationsmaßnahme war, dass die Orchideen umgesiedelt und Fledermäuse geschützt werden sollten. Dies erfolgte aus Sicht der BUND nicht. „Nur ein Teil der Orchideen wurde umgesetzt und auch noch unsachgemäß. Dadurch ist das Überleben der Orchideenpopulation gefährdet“, sagt Susanne Grube vom BUND Ammerland. „Potenzielle Fledermausquartiere wurden zudem nicht sachgemäß verschlossen, bevor die Bäume gefällt wurden.“ Daher hatte der BUND Niedersachsen Rechtsmittel gegen die Umsetzung des Planfeststellungsbeschlusses eingelegt. Anfang Oktober hat das Bundesverwaltungsgericht den Eilantrag des Umweltverbandes abgewiesen.

Die Richter sind der Ansicht, dass der Planfeststellungsbeschluss bezüglich der Orchideen keine vollständige Umsetzung verlangt oder die unzureichende Umsetzung nicht als rechtswidrig angesehen werden kann. Im Hinblick auf die Fledermäuse hält das Gericht das angeordnete Schutzregime für ausreichend. Der BUND teilt diese Auffassung nicht. „Die Umsetzung des Planfeststellungsbeschlusses ist völlig unzureichend“, so Dr. Marita Wudtke von BUND Niedersachsen. „Wir können nicht verstehen, warum das Bundesverwaltungsgericht diesem grünes Licht erteilt hat, obwohl dadurch streng geschützte Arten gefährdet werden.“ Auch kritisiert der BUND scharf, dass für die Kompensationsmaßnahmen intakte und wertvolle Biotope in Anspruch genommen werden. „Hier soll durch Naturzerstörung Natur geschützt werden, das ist vollkommen paradox“, empört sich die Umweltexpertin.

Hintergrund:

Die geplante A 20 wird im Landkreis Ammerland zahlreiche Brutplätze geschützter und im Bestand gefährdeter Wiesenvögel wie dem Kiebitz vernichten. Die verloren gehenden Brutplätze sollen in ca. 15 km Entfernung auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Friedrichsfeld im Landkreis Friesland wieder hergestellt werden. Dafür werden rund 50 Hektar Wald und Gebüsche gerodet. 16 Hektar davon sind gesetzlich geschützter Sumpfwald, der derzeit verschiedenen Fledermausarten und über 10.000 Orchideen als Lebensraum dient.

Quelle: PRESSEMITTEILUNG BUND Landesverband Niedersachsen e. V. Goebenstr. 3a 30161 Hannover http://www.bund-niedersachsen.de